Klinikum Neumarkt: Onkologische Praxis bleibt noch 2024, die Ergotherapie geht

Von Eva Gaupp · 25. Dezember 2023 um 08:00

Aktuelle Veränderungen am Neumarkter Klinikum sorgen bei Patienten für Verunsicherung. Die Ergotherapie von Dana Pohl beendet zum 31.Dezember die Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus. Weshalb die onkologische Schwerpunktpraxis Ende 2024 auszieht, hat andere Gründe.

„Für unsere Patienten ändert sich nichts“, versichert die Medizinerin Andrea Koch, die zusammen mit ihrer Partnerin Simone Steinbild die Praxis leitet. „Wir ziehen nur 375 Meter weiter Richtung NeuerMarkt.“ Am Schwarzachweg beziehen die Fachärztinnen für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie zum Jahreswechsel 2024/2025 neue Räume.

Dort hätten sie vor allem deutlich mehr Platz, sagt Koch. Etwa 100 Quadratmeter seien es mehr als in den bestehenden Praxisräumen im Klinikum, die Koch und Steinbild bisher angemietet hatten.

Bei bis zu 32 Chemopatienten in der Tagesklinik sei es inzwischen einfach viel zu eng geworden. Dass die Praxis komplett eigenständig ist, werde vielen Neumarktern erst jetzt durch den geplanten Umzug bewusst, sagt Koch.

Praxis für Onkologie wurde im Klinikum zu klein

Der Platzmangel sei einer der beiden Gründe, weshalb sie aus dem Krankenhaus ausziehen. Außerdem sei es ihnen wichtig, weiterhin kurze Wege zur Strahlenpraxis von Frank Muckelbauer zu haben – für sie selbst sowie für ihre Patienten. Ihm hatte das Klinikum den Mietvertrag gekündigt. Es gebe einige Patienten mit Radiochemotherapie, die nach der Chemo direkt zur Bestrahlung gingen. „Da sind kurze Wege wichtig“, sagt Koch. Das sei ein großer Standortvorteil in Neumarkt.

Aber auch die Zusammenarbeit mit dem Klinikum bleibe so erhalten, wie bisher, unterstreicht Andrea Koch. Sie seien weiter in die Tumorkonferenzen des Brust-, Darm- und Gynäkologischen Zentrums eingebunden. Angedacht sei künftig darüber hinaus eine Zusammenarbeit im Prostatakarzinomzentrum.

„Wir sind grundsätzlich sehr eng mit der medizinischen Versorgung in der Region vernetzt“, sagt die Onkologin. So zum Beispiel mit den Universitätskliniken in Erlangen, Nürnberg und Regensburg.

Aus Erlangen kommt auch ein dritter Arzt, Benedikt Jakobs, der mit einer halben Stelle die beiden Medizinerinnen unterstützt. Da Krebstherapien inzwischen sehr gut ambulant erfolgen könnten, wachse die Zahl der Patienten kontinuierlich. „Und die Patienten können abends im eigenen Bett schlafen.“

Während der Umzug der Onkologie erst in einem Jahr erfolgt, hat Dana Pohl mit ihrer Ergotherapie schon im Mai eine neue Praxis in der Woffenbacher Straße 19 eröffnet. Die Kooperation mit dem Neumarkter Klinikum endet zum 31. Dezember. Dann betreuen sie und ihr zwölfköpfiges Team Patienten nur noch ambulant.

Seit 2008 hatte Pohl Räume für ihre Praxis im Klinikum angemietet und als Kooperationspartner neben den eigenen auch die stationären Patienten im Krankenhaus behandelt. Die Sozialstiftung Bamberg habe alle Altverträge geprüft und eine Bürokraft habe ihr dann mitgeteilt, dass der bestehende Vertrag „Null und nichtig“ sei, erzählt Dana Pohl.

Daraufhin gab es Gespräche, im Januar 2022 folgte die endgültige Kündigung der Kooperation. Einer vorzeitigen Auflösung des Mietvertrags habe die Verwaltung jedoch nicht zugestimmt. „Und dann stand ich da.“

Akutgeriatrie im Klinikum Neumarkt mit aufgebaut

Trotzdem spricht Pohl wehmütig von der Zeit im Klinikum und vor allem von der Zusammenarbeit mit Ärzten, Pflegekräften und dem gesamten Team im Krankenhaus. „Wir haben die Arbeit mit allen Abteilungen sehr geschätzt.“ Der Abschied falle deshalb schwer.

Obgleich sie eigene Patienten hatten, sei die Klinik immer an erster Stelle gestanden. Gemeinsam sei damals die neue Akutgeriatrie aufgebaut worden. Die Architekten Distler hätten Musterzimmer aufgebaut, die mit Medizinern und Pflegekräften getestet und für die künftigen Patienten optimiert worden seien. „Welche Verwaltung stellt Krankenschwestern frei, damit sie an solch einem Projekt mitarbeiten können?“, fragt Pohl. Unter dem früheren Vorstand Peter Weymayr sei dies geschehen. „Wir sind uns damals auf Augenhöhe begegnet. Das hat sehr viel Spaß gemacht.“

Inzwischen hat das Klinikum selbst Ergotherapeuten angestellt. Nach Angaben der Sozialstiftung Bamberg von Ende November sind es 2,73 Vollzeitstellen. Für zwei weitere Vollzeitstellen mit Einstellung zum 1. Januar 2024 liefen derzeit Vorstellungsgespräche, ergab die Nachfrage unserer Zeitung.

Dana Pohl stellt sich die Frage, ob diese Zahl an Ergotherapeuten ausreicht, um auch in Urlaubszeiten und bei krankheitsbedingten Ausfällen der Mitarbeiter die vorgeschriebene Therapie aufrechtzuerhalten. Bei Patienten der Akutgeriatrie seien es beispielsweise täglich 30 Minuten pro Patient. Das werde vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen überprüft.

Auch eine Rufbereitschaft sowie Dienste am Wochenende müssten die Ergotherapeuten auf den Stationen übernehmen. Mit ihrem zwölfköpfigen Team sei das möglich gewesen, weil man sich gegenseitig vertreten konnte. Die Sozialstiftung Bamberg versichert aber: „Behandlungen sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht gefährdet.“