Für Menschlichkeit und Respekt: Rund 1000 Menschen demonstrieren für Klinikpersonal in Neumarkt

100 Personen waren angemeldet. Am Ende sind es um die 1000 Menschen , die sich am Dienstagabend an einem Schweigemarsch „Für Menschlichkeit und Wertschätzung des Personals“ am Klinikum Neumarkt beteiligen. Ihre Kritik galt nicht nur dem Klinikmanagement.
Der Klinikpfarrer Wolfgang Butzer hatte dazu aufgerufen. Und abgesehen von zahlreichen Mitarbeitern aus allen Bereichen des Krankenhauses ziehen auch Familien mit Kindern, alte Ehepaare und Gruppen aus der Stadt Neumarkt sowie verschiedenen Landkreisgemeinden von der Nürnberger Straße bis zum Rathaus.
„Wir haben das Auto voll gemacht“, erzählt eine ältere Frau, deren Sohn im Klinikum beschäftigt ist. Sie ist mit der ganzen Familie bis zur Enkelin von Berching nach Neumarkt gefahren. „Wir stehen hinter dem Personal“, sagt sie.
Sorge wegen Klinikschließungen
Gleichzeitig seien aber auch alle Bürger betroffen, „denn das Krankenhaus ist der nächste Ort, wenn man dringend Hilfe braucht“. Man höre viel von Klinikschließungen. Deshalb sorgt sie sich um den Fortbestand des Neumarkter Hauses.
Aus Kerkhofen kommt ein älteres Paar, dessen Schwiegertochter im Klinikum arbeitet. Eine andere Frau war Patientin im Krankenhaus. „Ich habe mich dort sehr gut versorgt gefühlt“, sagt die ältere Dame. Aber wenn man sehe, mit wie viel Arbeit belastet die Schwestern und Pfleger seien und dann keine Wertschätzung erführen, das könne sie so nicht hinnehmen.
„Mich hat meine Mutter geschickt“, erzählt ein Mann. „Sie ist 87 und kann nicht selbst kommen.“ Auch sie sei vor kurzem im Krankenhaus behandelt worden und habe sich kaum getraut, nach einer Pflegekraft zu klingeln, weil sie miterlebt habe, unter welch großem Druck das Personal stehe.
Viel Lob für Neumarkts Klinikpfarrer Wolfgang Butzer
Sie wundere sich, dass die Politik den Vertrag mit der Sozialstiftung Bamberg vorzeitig verlängert habe angesichts der anhaltenden Kritik aus der Mitarbeiterschaft heraus, sagt eine weißhaarige Frau. Und fügt an: „Toll, dass Pfarrer Butzer diesen Schweigemarsch initiiert hat. Der Mann hat Mut.“
Dieses Lob sprechen an dem Abend viele aus. Der Seelsorger hatte die Initiative ergriffen, weil er sich nicht nur als Ansprechpartner für die Patienten verstehe, sondern auch für die Frauen und Männer, die am Krankenhaus Tag und Nacht ihren Dienst tun.
Viele Worte macht Butzer weder vorher noch nach der Veranstaltung. Als sich am Ende alle vor dem Rathaus versammeln, bedankt er sich und wünscht allen einen guten Nachhauseweg. Mitarbeiter des Klinikums umarmen ihn sichtlich bewegt. Dass so viele Menschen ihre Solidarität bekundet haben , überrasche ihn nicht wirklich, sagt er leise. „Der Leidensdruck ist groß.“
Ein Kommentar zum Schweigemarsch
Wie groß, zeigt sich wie schon in den vergangenen Monaten: Kaum jemand möchte seinen Namen in der Zeitung lesen, denn viele haben Verwandte, die am Klinikum arbeiten. „Mir wurde schon eine Abmahnung angedroht“, erzählt ein Pfleger, der in seiner weißen Arbeitskleidung mitgeht und das Namensschild dran gelassen hat. „Aber man muss Flagge bekennen.“
Ihn ärgere es, wenn die Klinikleitung in der Öffentlichkeit das Neumarkter Haus mit anderen Kliniken vergleiche, die bankrott sind. Andere Städte und Landkreise seien bereit, das Defizit eines kommunalen Krankenhauses zu tragen. „Der Landkreis Neumarkt hat Geld“, sagt der junge Pfleger.
Ja, ein Krankenhaus müsse als Wirtschaftsunternehmen geführt werden, das sei keine Frage. „Aber jeder Euro, der für das Krankenhaus ausgegeben wird, kommt den Bürgern des Landkreises zugute.“
Thomas Schmidt hat lange als Arzt in der Notaufnahme gearbeitet, inzwischen betreut er Patienten auf der Palliativstation. Ihm sei bewusst, dass ein Krankenhaus mit schrumpfenden Ressourcen klar kommen müsse. „Aber man kann sich in kleinen Schritten entgegenkommen.“ Was ihn stört, sind die „antiquierten hierarchischen Strukturen“. Das Klinikum sei für den Landkreis als Arbeitgeber wichtig – und die Menschen brauchten eine Versorgung, die auf „guten und soliden Beinen“ stehe.
„Zustände wie in der DDR“
Dass ihr durch die Teilnahme an der Aktion Sanktionen drohen könnten, hat auch Christina Stich nicht abgeschreckt. Sie arbeitet als Pflegekraft in der Notaufnahme. „Wir sind auch hier für die zukünftige Generation“, sagt sie und weist auf einen zehn Monate alten Knirps im Kinderwagen, der die vielen Menschen mit ihren Kerzen neugierig beobachtet.
„Es wurde höchste Zeit, auf die Straße zu gehen“, sagt ein Mann, der wie viele andere auch nach dem offiziellen Ende der Kundgebung noch mit anderen zusammensteht und diskutiert. „Wir leben doch in einer Demokratie. Das sind ja Zustände wie in der DDR, wenn Mitarbeitern eine Abmahnung droht, nur weil sie ihre Meinung offen sagen.“





