Reduziert das Klinikum Neumarkt seine Betten? Die verwirrende Lage für Patienten erklärt

Von Wolfgang Endlein · 11. Juni 2024 um 19:00

Das Klinikum Neumarkt hat seit Mai weniger Betten: Für Laien klingt das alarmierend. Müssen Patienten mit einem weniger leistungsfähigen Klinikum rechnen? Die kurze Antwort: Nein. Die umfassende ist komplexer: Denn Bett ist nicht gleich Bett.

Denn Bett ist nicht gleich Bett. Daraus ergeben sich weitere Fragen, die Komfort und Geldbeutel von Patienten betreffen. Zunächst müssen einige Zusammenhänge des Krankenhauswesens entwirrt werden. Das beginnt mit den Begriffen: Es sind die Planbetten, die das Klinikum von 526 auf 460 reduziert. Planbetten sind aber nicht gleichzusetzen mit tatsächlich vorhandenen Betten.

Planbetten seien ein feststehender Begriff in der Krankenhausplanung, erklärt der Pressesprecher des Klinikums, Oliver Schwindl. Planbetten sind Grundlage, um Bauvorhaben zu planen und letztlich auch genehmigt sowie finanziert zu bekommen. Das Klinikum und der Landkreis können nicht völlig losgelöst handeln. Bund und vor allem der Freistaat spielen entscheidende Rollen.

Klinikum Neumarkt hat Betten für 500 Patienten

Tatsächlich belegbare Betten gibt es im Klinikum 500 Stück. Dafür sind laut dem Haus ausreichend Zimmer und Personal vorhanden. Das werde auch mit 460 Planbetten so sein, sagt Schwindl und betont: Durch weniger Planbetten werde sich die medizinische und pflegerische Versorgung der Patienten nicht verschlechtern.

Im Gegenteil: Die Reduzierung der Planbetten spielt eine Rolle, um das Klinikum weiter modern zu halten. Was widersprüchlich klingt, ist Teil eines Deals im Rahmen der Krankenhausreform.

Damit es Patienten medizinisch und pflegerisch auf hohem Niveau versorgen kann, baut das Klinikum seit Jahren immer wieder. Das wird so weiter gehen. Seine Bauvorhaben hat es im Programm 2029+x niedergeschrieben und den Bedarf beim Freistaat beantragt. Mit dem Antrag erkenne das Klinikum an, dass es notwendig sei, die deutsche Krankenhauslandschaft zu straffen und zu bereinigen, sagt Schwindl. Gemeint sind die Ziele der Krankenhausreform. Diese unterstützt das Klinikum dahingehend, indem sich die Planbetten reduzieren.

Derartige Signale sind wichtig, schließlich will das Klinikum im Gegenzug, dass seine Vorhaben und deren Finanzierung anerkannt werden. Denn 2029+x beinhaltet vier bis fünf Bauabschnitte, deren Kosten das Klinikum in den kommenden Jahren auf mehr als 100 Millionen Euro schätzt.

Die Zukunft im Klinikum Neumarkt sind Ein- und Zwei-Bett-Zimmer

Ein zentrales Vorhaben, das Patienten spüren werden, betrifft die Zimmer. Auf den normalen Stationen des Klinikums sind mehr als die Hälfte Drei-Bett-Zimmer. Das soll sich ändern. In ein paar Jahren wird es laut Schwindl nur noch Ein- und Zwei-Bett-Zimmer geben.

Während der Corona-Pandemie habe sich der hohe Anteil an Drei-Bett-Zimmern im Klinikum besonders bemerkbar gemacht, erklärt Schwindl. Wenn in einem Drei-Bett-Zimmer ein Patient isoliert werden muss, sind in der Regel zwei Betten nicht belegbar.

Zudem profitiert der Patient doppelt: Zimmer mit weniger Patienten verringern das Risiko, das Infekte übertragen werden. Zudem kann es komfortabler sein, wenn weniger Menschen in einem Zimmer untergebracht sind.

Aber hat das Mehrkosten für den Patienten zur Folge? Mehrkosten oder Zuzahlungen seien nach dem aktuellen Vergütungssystem nicht zu leisten, erklärt Schwindl. Zumal, wenn ein Patient aus medizinischen oder pflegerischen Gründen in einem Ein-Bett-Zimmer liege. Zuzahlungen seien dann fällig, wenn der Patient Wahlleistungen in Anspruch nehme. Beispiele sind zusätzliche Essensangebote oder eine höherwertige Zimmerausstattung.

Verliert das Klinikum Neumarkt Geld durch weniger Planbetten?

Die Frage des Geldes stellt sich auch für das Klinikum. Beeinflussen weniger Planbetten dessen Einnahmen? 2023 hatte das Klinikum nach vielen Jahren ein Defizit gemacht, das der Landkreis ausgleichen muss. Ein Problem, das andere Landkreise bereits an ihre finanzielle Leistungsfähigkeit bringt.

Durch weniger Planbetten drohten dem Klinikum keine geringeren Vergütungen von den Krankenkassen, erklärt Schwindl. Auch mit 460 Planbetten ließen sich die geplanten Umsätze für 2024 realisieren. An anderer Stelle wirken sich die reduzierten Planbetten hingegen finanziell aus: Die Pauschalen für die Fördermittel, die das Klinikum durch den Freistaat erhält, sinken.

Ums Geld geht es letztlich auch bei der Krankenhausreform des Bundes. Leistungsfähige Krankenhäuser werden gestärkt, schwächere sind in ihrer Existenz bedroht. Das besorgt Menschen in vor allem ländlichen Regionen. Gilt das Klinikum weiterhin als leistungsstark, wenn gleichzeitig die Planbetten reduziert werden?

Die Bewertung des Klinikstandorts Neumarkt sei dadurch nicht negativ beeinflusst, betont Schwindl. Das Klinikum sei weiterhin ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung mit überregionalem Versorgungsauftrag.

Klinikum Neumarkt will als Maximalversorger bewertet werden

Mehr noch: Das Klinikum ist auf einem guten Weg, sein Profil weiter zu schärfen. Wer als wichtig eingestuft wird, erhält auch künftig mit größerer Wahrscheinlichkeit Projekte durch den Staat genehmigt und finanziert. Derartige Investitionen stärken wiederum die Bedeutung. Es ist ein Kreislauf.

Mit dem neu errichteten Landeplatz für Rettungshubschrauber ist das dem Klinikum gelungen. Dadurch sei das Haus bei der Notfallversorgung in die höchste Stufe aufgestiegen, erklärt Schwindl. Dem Vorhaben des Bundes, die Krankenhäuser künftig in Leistungsgruppen einzuordnen, blickt das Klinikum zudem sehr optimistisch entgegen. Es geht davon aus, dass es in die dritte und höchste Stufe eingeordnet wird. Das Klinikum erfülle schon jetzt in vielen Bereichen die dafür notwendigen Vorgaben bei Struktur und Personal, erklärt Schwindl. Die reduzierten Planbetten wirkten sich darauf nicht aus.