Klinikum Neumarkt kämpft um kurative Mammographie – und scheitert am Zulassungsausschuss

Von Heidi Bauer · 29. April 2024 um 05:00

Seit September wird im Landkreis Neumarkt keine kurative Mammographie mehr angeboten. Patientinnen müssen weit zu Untersuchungen fahren und lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Das Klinikum Neumarkt kämpft für eine Zulassung für die ambulante Versorgung. Der Zulassungsausschuss stellt sich bislang quer.

Nun soll es einen neuen Vorstoß geben, berichtet Klinikums-Vorstand Markus Graf. „Es ist mühsam“, klagt er. Das Klinikum habe, was die operative Gynäkologie anbelangt, ein großes Einzugsgebiet und sei anerkanntes Brustkrebszentrum. Rund 230 Brustkrebs-OPs habe es im vergangenen Jahr gegeben. Durch das Angebot einer kurativen Mammographie könnten Synergieeffekte genutzt und den Patientinnen lange Wege und Wartezeiten erspart werden.

Seit die Radiologen der Praxis Neumaier & Kollegen im Ärztehaus vergangenes Jahr diese Brustkrebs-Vorsorge eingestellt haben, klafft eine Lücke in der wohnortnahen Versorgung. Am Klinikum sind bislang Untersuchungen zur Früherkennung von Brustkrebs nur im Rahmen stationärer Aufenthalte möglich, nicht aber ambulant. Dafür fehlt dem Klinikum die Zulassung, erklärt Graf.

Deswegen habe man 2023 eine sogenannte Ermächtigungsambulanz für die kurative Mammographie beantragt. Dabei übernehmen ermächtigte Krankenhausärzte wichtige Aufgaben in der ambulanten Versorgung gesetzlich Krankenversicherter. Das ist möglich, wenn wie im Landkreis Neumarkt der Patientenandrang groß ist und ein Sonderbedarf geltend gemacht wird. Neumaier & Kollegen hätten dem zugestimmt.

Zu viele Radiologen in der Oberpfalz?

Die niedergelassenen Gynäkologen drängten darauf, sagt Werner Ecca, Frauenarzt in Postbauer-Heng. Doch wurde der Antrag des Klinikums vom Zulassungsausschuss, besetzt mit Vertretern von Krankenkassen und Ärzteschaft, abgelehnt – laut Graf mit der Begründung, die Versorgung dieser Patientinnen sei auch jetzt schon gesichert.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KVB) unterstreicht, dass die Entscheidung beim von der KVB unabhängigen „Zulassungsausschuss Ärzte Oberpfalz“ liege. „Der Landkreis Neumarkt gehört für den Fachbereich der Radiologie zum Planungsbereich Regensburg, der aktuell einen Versorgungsgrad von 129,66 Prozent (Stand 31.Januar 2024) aufweist und demnach aufgrund der gesetzlichen Vorgaben für Neuniederlassungen gesperrt ist.“

Mehr als ein Jahr Wartezeit auf Untersuchungstermine

Auf die Praxen verteilten sich insgesamt 47 Ärzte, sieben davon im Landkreis Neumarkt, informiert KVB-Pressereferent Stefan Berger. Aufgrund dieser Versorgungslage sei „nach den Vorgaben des Gesetzgebers und des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) momentan vermutlich keine rechtliche Grundlage für eine Ermächtigung einer Klinik zur Teilnahme an der ambulanten Versorgung gegeben“. KVB-Sprecher Martin Eulitz ergänzt:„Es ist zu beachten, dass nicht jeder Genehmigungsinhaber die kurative Mammographie auch zwangsläufig durchführt und abrechnet.“

Wartezeiten von mehr als einem Jahr auf kurative Mammographie-Untersuchungen – „die Versorgung ist katastrophal“, berichten hingegen Andreas Kämena und Timmo Noisternig, beide Gesellschafter von der Praxis DRZ – Die Radiologen in Parsberg. Diese bieten am Standort Regensburg bereits eine umfassende Mammadiagnostik an, am Standort in Parsberg aktuell nur Screenings.

Patientinnen sind die Leidtragenden

Sie bekunden ihrerseits ebenfalls reges Interesse, ihr Angebot am Standort Parsberg auszubauen. Denn, so erläutern Kämena und Noisternig, in ihrer Parsberger Praxis gebe es einen Arzt, der die kurative Mammographie anbieten könne und die Praxis verfüge über die entsprechende technische Ausstattung.

„Das wäre das Beste, was der Region passieren könnte“, meint Noisternig. Doch scheitere es auch in diesem Fall am fehlenden Kassen-Sitz und der von der KVB angeführten „Überversorgung“, lassen die beiden Gesellschafter wissen.

Die Leidtragenden seien die Patientinnen, stellt Anne Kopp von der Selbsthilfegruppe für Frauen nach Krebs klar. Auch sie kennt Mitglieder, die monatelang auf eine kurative Mammographie warten müssten.

Gynäkologen in Neumarkt sind „stinksauer“

Gerade ältere Frauen hätten zudem große Probleme, zu den Untersuchungen in weiter entfernte Städte zu kommen, weil sie oft auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und nicht mehr so mobil seien, berichtet Kopp. Sie wisse von Patientinnen, die sich deshalb nicht mehr untersuchen ließen.

Die ansässigen Gynäkologen seien „stinksauer“, äußert sich Frauenarzt Ecca ziemlich deutlich. Für sie sei es ein großes Ärgernis, dass dem Klinikum Neumarkt eine Ermächtigungsambulanz verwehrt wurde. Inzwischen schicke seine Praxis Patientinnen mit auffälligen Befunden zur kurativen Mammographie bis nach Schwabach oder Nürnberg, wenn zeitnah Termine nötig seien.

Weiterer Antrag auf eine Ermächtigungsambulanz

Hätte das Klinikum Neumarkt als anerkanntes Brustzentrum eine Zulassung für kurative Mammographie, wäre das „ein Segen für die Patientinnen“, weil alle Untersuchungen in einer Hand blieben und schneller erfolgen könnten. „Wir würden viel Geld und für die Patienten wertvolle Zeit sparen“, sagt Ecca.

„Es kann nicht unsere Zielsetzung sein, dass wir unsere Patienten in einen anderen Regierungsbezirk schicken“, findet Klinikums-Vorstand Markus Graf. „Aber wir lassen nicht locker.“ Für die nächste Sitzung des Zulassungsausschusses werde das Klinikum deshalb erneut einen Antrag auf eine Ermächtigungsambulanz stellen.

Kooperation mit Parsberg im Blick

Dieser Vorstoß soll in Kooperation mit den Parsberger Radiologen erfolgen – diese hätten „ein positives Signal für eine gemeinsame Lösung“ gesendet, so Graf. „Die einzige, die aktuell umsetzbar ist“, bestätigen auch Kämena und Noisternig, lassen aber durchblicken, dass dies nur eine zeitlich begrenzte sein könne. Offen bleibt auch, wie genau die Zusammenarbeit aussehen könnte.

Würde der Zulassungsausschuss dem Antrag im zweiten Quartal zustimmen, so zeigt sich Graf optimistisch, dass die kurative Mammographie ab Sommer am Klinikum angeboten werden könnte.

Welche Arten der Mammographie-Untersuchung gibt es? Screening:

Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden alle

zwei Jahre zu einem Mammographie-Screening auf freiwilliger Basis eingeladen. Ab 1. Juli 2024 haben Frauen bis einschließlich 75 Jahre einen Anspruch auf diese Untersuchungen.

Kurative Mammographie: Sie können Menschen aller Altersgruppen bei bestimmten Indikationen in Anspruch nehmen: bei erhöhtem familiären Risiko für eine Brusterkrankung, zur Abklärung von Knoten und Beschwerden, bei unklaren Tast- oder auffälligen Sonographiebefunden.

Untersuchung: Bei beiden Untersuchungen werden Röntgenaufnahmen der Brustgemacht. Die Mammographie gilt im Augenblick als die beste Methode, um auffällige Symptome abzuklären.