Seelische Narben verheilen schwer: Selbsthilfegruppe in Neumarkt unterstützt erkrankte Frauen

Sie fühlen sich alleine und alleingelassen: Viele Krebspatientinnen sehen sich mit ihrer Situation überfordert, Ängste und Sorgen treiben sie um. Die Selbsthilfegruppe „Füreinander“ will ihnen neuen Mut machen. Betroffene Frauen erzählen, warum sie deshalb von weither zu den Treffen nach Neumarkt kommen.
Bunte Becher und Luftschlangen zieren am Rosenmontag den Tisch in dem Raum im Obergeschoss des Bürgerzentrums Alte Schule in Pölling. Die Stimmung ist ausgelassen, doch die Themen, über die die fünf Frauen sprechen, sind ernst: Alle hatten Krebs und treffen sich immer am zweiten Montag im Monat zur Selbsthilfegruppe „Füreinander“. Diese ist für sie eine wichtige Konstante im Leben geworden, sagen sie.
Tanja nimmt dafür sogar eineinhalb Stunden Fahrzeit aus ihrem Heimatort in Mittelfranken auf sich. Jutta ist zum ersten Mal dabei – fünf schwere Krebsoperationen hat sie hinter sich, „aber ich lebe“: Doch fühle sie sich mit ihrer Erkrankung allein und alleingelassen, sagt sie.
„Ich dachte, es wäre nach den Bestrahlungen und Reha erledigt, nachdem dann nichts mehr gefunden wurde“, erzählt Anne Kopp. „Aber so einfach ist das nicht. Die Narbe erinnert einen jeden Tag an den Krebs. Mir ging es psychisch immer schlechter.“ Denn die seelische Narbe verheilte nicht so schnell. Ihre Frauenärztin empfahl ihr, sich an eine Psychoonkologin zu wenden. So kam Anne Kopp in die Sprechstunde der Bayerischen Krebsgesellschaft in Neumarkt, die diese immer freitags anbietet.
Selbsthilfegruppe im Mai 2022 neu gegründet
„Das ist ganz wichtig“, sagt die 63-Jährige. Die Gespräche hätten ihr geholfen, besser mit ihrer Erkrankung umgehen zu können. Die Psychoonkologin habe sie letztlich auch motiviert, die Selbsthilfegruppe „Füreinander“ für Frauen nach Krebs in Neumarkt zu reaktivieren. Im Mai 2022 wurde diese neu gegründet – Anne Kopp ist seither eine der Ansprechpartnerinnen.
Im April 2021 war bei ihr bei einer Vorsorgeuntersuchung Brustkrebs festgestellt worden: „Ich erinnere mich heute noch an den Anruf“, berichtet sie. Es sei gewesen, als ob die Welt stillstand. Alles ging damals sehr schnell: Schon zehn Tage später wurde sie im Brustzentrum des Klinikums Neumarkt operiert, das die 63-Jährige sehr lobt.
Die Angst vor einem Rückfall bleibt
„Ich hatte enormes Glück“, meint sie rückblickend. Der Tumor war noch klein, konnte entfernt werden und hatte nicht gestreut. Geblieben aber ist die Angst, sagt Kopp. Die Angst vor jeder weiteren Nachsorgeuntersuchung, die Angst, die alle Krebspatienten kennen.
Doch durch die Selbsthilfegruppe sei es für sie leichter geworden, mit ihrem Schicksal umzugehen. Weil sie über ihre Angst sprechen könne und wisse, dass sie verstanden wird. Weil die anderen diese Gefühle kennen. „Wenn ich eine Untersuchung habe, dann schreibe ich in unsere WhatsApp-Gruppe“, erzählt Kopp. Die Anteilnahme der anderen Frauen helfe so ungemein – „zu wissen, man ist nicht allein“.
Das betonen auch Hildegard, die von Anfang an mit dabei war, Maria und Tanja. Nach der Diagnose Krebs fühlten sich viele Betroffene ratlos und alleine. Der Schock und das Gefühl, diesem Schicksal ausgeliefert zu sein, führten zu einer großen Belastung – bei manchen bestimmten Sorgen und Ängste den Alltag.
Familienangehörige und Freunde, so die Erfahrung der Frauen, erkundigten sich im Lauf der Erkrankung immer weniger nach dem Befinden – möglicherweise um nicht alte Wunden aufzureißen, mutmaßen sie.
Umso wichtiger sei es für Krebs-Erkrankte, „sich mit jemandem auszutauschen, der nachfühlen kann, wie es einem geht, der die gleichen Erfahrungen gemacht hat, die gleichen Ängste hat. Man fühlt sich besser verstanden“, findet Anne Knopp. Dieses Zuhören und Gehörtwerden gebe Kraft, „aber man muss auch nichts sagen, jede macht es in der Selbsthilfegruppe so, wie es ihr gut tut.“
Gespräche in vertrautem Umfeld
Deshalb richte diese sich auch ausschließlich an Frauen, erklärt Kopp: „Wir möchten in dieser Gruppe keine Männer dabei haben, weil hier viele Frauen mit frauentypischen Krebserkrankungen zusammenkommen.“ Diese sollten die Möglichkeit haben, ganz offen über zum Teil sehr intime Themen zu reden – und das falle den Betroffenen bei Diagnosen wie Vulva- oder Gebärmutterhalskrebs besonders schwer.
An diesem Montagabend diskutieren die Frauen rege, unter anderem über Leistungen der Krankenkassen nach Brust-OPs, dass beispielsweise spezielle BHs und Badeanzüge bezuschusst werden, und wie es nach einer Amputation weitergehen kann.
Oberarzt als fachlicher Betreuer
Fachkundigen Rat weiß Kari Buss, Leitender Oberarzt der Frauenklinik am Klinikum Neumarkt, der regelmäßig zu den Treffen kommt und „Füreinander“ fachlich begleitet.
„Die Selbsthilfegruppe ist zur Bewältigung dieser Extremsituation, in die die Frauen bei einer Krebserkrankung geraten sind, äußerst wichtig“, unterstreicht der Mediziner. Das Klinikum Neumarkt müsse als zertifiziertes Brustzentrum eine solche haben. Am Klinikum gibt es ferner eine speziell als „Breast-Care-Nurse“ ausgebildete Krankenschwester. Auch diese besucht die Treffen der Selbsthilfegruppe in Abständen.
„Leid gemeinsam leichter überwinden“
Anne Kopp betont, „Füreinander“ wolle den Frauen helfen, ihr Leben neu in die Hand zu nehmen. Sie müssten lernen, mit der neuen Lebenssituation umzugehen. „Wir unterstützen uns gegenseitig, weil wir glauben, dass sich das Leid gemeinsam leichter überwinden lässt.“
Die Frauen könnten voneinander lernen und sich Tipps geben. Doch gehe es auch darum, den Blick auf Dinge zu richten, die der einzelnen guttun, miteinander schöne Momente zu verbringen und zu lachen.
Drei Jahre nach ihrer Krebs-Diagnose blickt Knopp zuversichtlich in die Zukunft: „Heute bin ich eine selbstbewusste Frau geworden. Ich setze andere Prioritäten, lebe viel bewusster, achte viel mehr auf mich selbst und darauf, was mir guttut.“ Aufgrund ihrer Erkrankung konnte sie früher in Rente gehen und habe nun Zeit zum Genießen – „dafür bin ich sehr dankbar“.
Weitere Frauen willkommen
Die Selbsthilfegruppe habe ihr geholfen, den Blickwinkel zu verändern. Jetzt möchte sie Leidensgenossinnen helfen, nach schweren Diagnosen, wieder Boden unter den Füßen zu bekommen.
Inzwischen zählt die Selbsthilfegruppe in der WhatsApp-Gruppe zwölf Mitglieder, sechs kommen regelmäßig zu den Treffen, berichtet Kopp: „Wir suchen weitere Frauen, die ihre Erfahrungen mit uns teilen möchten. Auch solche, die an anderen Krebsarten leiden, sind herzlich willkommen.“
Eines legt sie jedoch allen Frauen ans Herz: „Gehen Sie unbedingt regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen!“
Infos zur Selbsthilfegruppe „Füreinander“
Hintergrund: Mit der Diagnose Krebs fühlen sich viele Frauen und Angehörige oft allein. Hier möchte die Selbsthilfegruppe „Füreinander“ unterstützen.
Leitgedanken: Den Namen haben die Frauen bewusst gewählt, füreinander ist Programm. Sie wollen sich gegenseitig bei der Diagnose beistehen, Erfahrungen austauschen, Wissen teilen, sich gegenseitig Kraft, Mut und Hoffnung machen. Dabei möchten sie gleichzeitig Wege aufzeigen, wie sich trotz Krebs ein erfülltes Leben führen lässt.
Treffen: Die Selbsthilfegruppe „Füreinander“ trifft sich jeden zweiten Montag im Monat um 18.30 Uhr im Bürgerzentrum an der Alten Schule in Pölling (St. -Martin-Straße 9).
Ansprechpartnerin: Für Fragen steht Anne Kopp telefonisch unter (0172) 4001867 als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Weitere Informationen unter https://frauenklinik.klinikum-neumarkt.de/89-Selbsthilfegruppe.
Sprechstunden: Die Psychosoziale Krebsberatungsstelle Nürnberg bietet jeden Freitag in Neumarkt im Haus der Diakonie, Seelstraße 11a, Sprechstunden nach Terminvereinbarung an. Anmeldungen können über die Psychosoziale Beratungsstelle erfolgen: per Mail an neumarkt@bayerische-krebsgesellschaft.de oder telefonisch unter (0911)2403040.Hintergrund: Mit der Diagnose Krebs fühlen sich viele Frauen und Angehörige oft allein. Hier möchte die Selbsthilfegruppe „Füreinander“ unterstützen.
Leitgedanken: Den Namen haben die Frauen bewusst gewählt, füreinander ist Programm. Sie wollen sich gegenseitig bei der Diagnose beistehen, Erfahrungen austauschen, Wissen teilen, sich gegenseitig Kraft, Mut und Hoffnung machen. Dabei möchten sie gleichzeitig Wege aufzeigen, wie sich trotz Krebs ein erfülltes Leben führen lässt.
Treffen: Die Selbsthilfegruppe „Füreinander“ trifft sich jeden zweiten Montag im Monat um 18.30 Uhr im Bürgerzentrum an der Alten Schule in Pölling (St. -Martin-Straße 9).
Ansprechpartnerin: Für Fragen steht Anne Kopp telefonisch unter (0172) 4001867 als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Weitere Informationen unter https://frauenklinik.klinikum-neumarkt.de/89-Selbsthilfegruppe
Sprechstunden: Die Psychosoziale Krebsberatungsstelle Nürnberg bietet jeden Freitag in Neumarkt im Haus der Diakonie, Seelstraße 11a, Sprechstunden nach Terminvereinbarung an. Anmeldungen können über die Psychosoziale Beratungsstelle erfolgen: per Mail an neumarkt@bayerische-krebsgesellschaft.de oder telefonisch unter (0911)2403040.
