Mammographie-Aus im Ärztehaus Neumarkt: Lösung offenbar in Sicht

Von Heidi Bauer · 18. August 2023 um 17:00

Das MVZ Neumaier & Kollegen wird im Ärztehaus Neumarkt künftig keine Mammographie mehr anbieten. Für die ärztliche Versorgung und medizinische Diagnostik ist das ein schmerzhafter Verlust. Doch dürfen Patienten nun Hoffnung schöpfen.

„Liebe Patienten, derzeit ist die Mammographie-Abteilung geschlossen“, heißt es auf dem Schild an der Tür des MVZ Neumaier & Kollegen im Ärztehaus in der Regensburger Straße. Das Aus schlägt hohe Wellen: Kassenpatientinnen werden für die kurativen Mammographie-Untersuchungen in Zukunft deutlich weitere Wege und vermutlich auch längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Doch gibt es Hoffnung, denn eine andere Praxis signalisiert Interesse, eine Lösung anzubieten.

Fachkräftemangel als Grund für Entscheidung

Auf Anfrage unseres Medienhauses bestätigte der Ärztliche Leiter des MVZ, Andreas Schicho, die Schließung der Abteilung Ende September. Als Grund nennt er „Fachkräftemangel“. Kurative Mammographie, die für Fälle mit konkreter medizinischer Begründung vorgesehen ist, bietet das MVZ Neumaier in Amberg und Regensburg an. Andere radiologische Leistungen bleiben erhalten, teilt Schicho mit, ebenso, dass er beim MVZ bleibt.

Zumal die Praxis der einzige Anbieter für kurative Mammographie in Neumarkt war, ist die Schließung für die 40.000-Einwohner-Stadt ein umso herberer Verlust. Eine Leserin berichtete unserem Medienhaus, dass sie in der Praxis miterlebt hat, welche Probleme gerade ältere Menschen haben, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Amberg oder Regensburg zu kommen. Zum anderen müssten Patienten lange Wartezeiten auf Termine warten – bis zu elf Monate, so die Leserin.

Zehn Ärzte haben Genehmigung für kurative Mammographie

Pressesprecher Martin Eulitz von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), dass in der Oberpfalz zehn Ärzte eine Genehmigung für kurative Mammographie-Untersuchungen hätten, bleibt aber die Antwort schuldig, wer: „Die Namen der Ärzte können aus Datenschutzgründen nicht herausgegeben werden. Es ist jedoch zu beachten, dass nicht jeder Genehmigungsinhaber diese Leistung auch zwangsläufig durchführt und abrechnet.“

In punkto Zumutbarkeit von Wegstrecken gibt es laut Eulitz keine gesetzliche Norm-Vorgabe. Laut KVB-Bedarfsplanung-Atlas ergebe sich bei Radiologen in der Planungsregion Regensburg, zu der die Landkreise Neumarkt, Kelheim, Cham, Regensburg und die Stadt Regensburg zählen, ein Versorgungsgrad von 132,2 Prozent. Der Raum sei rein rechnerisch gut versorgt. Infolge dieser Bedarfsplanung sei es theoretisch zumutbar, dass ein Patient für eine Untersuchung aus dem Westen des Landkreises Neumarkt bis in den Osten des Landkreises Cham fährt, so die KVB.

Klinikum Neumarkt ergreift die Initiative

Doch zeichnen sich inzwischen Lösungen ab: So ergreift das Klinikum Neumarkt Initiative, wie Vorstand Markus Graf, Geschäftsführer der Kliniken Neumarkt Service GmbH wissen lässt. Derzeit seien am Klinikum Mammographie-Untersuchungen nur im Rahmen eines stationären Aufenthaltes möglich, nicht aber ambulant. Grund sei, dass das Klinikum dafür keine Zulassung hat, erklärt Graf.

Deshalb habe man sich an die KVB gewandt. Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung beim Mammographie-Angebot sei man ferner am Prüfen, ob es Möglichkeiten gibt, Kooperationen mit niedergelassenen Fachärzten herzustellen. Gangbar wäre ein solcher Weg für „Die Radiologen“, lässt Andreas Kämena vom Diagnostischen Radiologiezentrum Regensburg „DRZ – Die Radiologen“ durchblicken.

Diese bieten kurative Mammographien an ihrem Hauptstandort in Regensburg an „und werden diese möglicherweise auch an unserem neuen Praxisstandort in Parsberg anbieten können. In Parsberg haben wir hierfür einen Arzt mit langjähriger Mammographie-Erfahrung eingestellt“, so Kämena, der auch „programmverantwortlicher“ Arzt für das Mammographie-Screening Oberpfalz ist.

Screenings seit Beginn des Jahres in Parsberg

Seit Beginn des Jahres nehmen „Die Radiologen“ in ihrer Praxis im ehemaligen Kreiskrankenhaus in Parsberg Screenings vor. Wie Kämena erläutert hätten sie bereits im vergangenen Jahr das Mammographie-Screening für die gesamte Oberpfalz vollständig vom MVZ Neumaier übernommen.

Für denkbar hält es Kämena auch, dass „Die Radiologen“ ambulant am Klinikum Neumarkt Screenings anbieten könnten, wenn die Möglichkeit geschaffen wird. Das wiederum hängt von der Entscheidung der KVB ab, die den Bedarfsplan für Arztsitze erstellt und für deren Vergabe zuständig ist.

Landkreis appelliert an die KVB

Auch der Landkreis setzt seine Hoffnungen auf „Die Radiologen“, lässt Sprecher Michael Gottschalk durchblicken. Doch seien die Einflussmöglichkeiten begrenzt: „Wir können nur an die KVB appellieren, Rahmenbedingungen zu schaffen, dass der ländliche Raum nicht hinten runter fällt.“

Einer der Gründe, weswegen immer weniger Radiologen Mammographien anbieten, dürfte die finanzielle Rentabilität sein: Rund 250000 Euro kostet die Anschaffung eines Gerätes, für eine Untersuchung erhält der Arzt zwischen 40 und 60 Euro (Quelle: Radiologie Initiative Bayern).

So kommt es, dass zu wenige Ärzte diese anspruchsvolle Ausbildung machen, weiß Wolfgang Bärtl, Vorsitzender des Bayerischen Facharztverbandes (BFAV) und Orthopäde in Neumarkt. In vielen Facharztpraxen zeige sich das gleiche Bild: Leistungen könnten aus Rentabilitätsgründen und Personalmangel nicht mehr angeboten werden. Die Bundesregierung gefährde durch ihre Politik die Gesundheit ihrer Bürger, kritisiert Bärtl.