Neuer Bundes-Klinik-Atlas soll Patienten helfen: Was er über die Versorgung im Klinikum Neumarkt verrät

Welche Klinik macht welche Behandlung gut? Der digitale Bundes-Klinik-Atlas des Gesundheitsministeriums will Patienten helfen, darauf eine Antwort zu finden. Er gibt auch einen Einblick, wie es um die Versorgung im Klinikum Neumarkt steht. Allerdings gibt es dabei laut Klinikum einen großen Haken.
Nicht automatisch ist das nächst gelegene Krankenhaus auch das beste für die Behandlung eines bestimmten gesundheitlichen Problems. Patienten haben aber in der Regel keinen Einblick in die Kompetenzen von Krankenhäusern. Der Bundes-Klinik-Atlas gibt unter www.bundes-klinik-atlas.de Hinweise auf Umfang und die Qualität der Versorgung, zumindest ist das das selbst formulierte Ziel.
Im Grunde bekommt man im Atlas Infos zu den wichtigsten Merkmalen eines Krankenhaus. Wie viel Betten hat es? Welche Fachabteilungen? Sind diese besonders zertifiziert? Wie ist die Klinik mit Pflegepersonal ausgestattet? Vor allem aber kann man nach Behandlungsarten wie beispielsweise für einen Leistenbruch suchen und erfährt dann, wie oft ein Krankenhaus dies jährlich behandelt. Die Suchfunktion im Atlas ermöglicht es einem, diverse Krankenhäuser nebeneinander zu stellen und so besser vergleichen zu können.
Patient muss Daten aus dem Bundes-Klinik-Atlas selbst interpretieren
Der Atlas soll im Laufe des Jahres weiter ausgebaut werden, erklärt das Bundesministerium. Unter anderem sollen dann auch Komplikationsraten für ausgewählte Eingriffe zu finden sein.
Der Atlas gibt keine Empfehlung ab, welches Krankenhaus letztlich das geeignete ist. Der Suchende muss die Zahlen selbst interpretieren. Das Bundesministerium rät, sich dabei an der Höhe der Fallzahlen und bestimmte Gütesiegel sowie Zertifikate zu orientieren. Das Ministerium schränkt zudem weiter ein: „Hohe Fallzahlen sind keine Garantie für gute Qualität“. Mehr Erfahrung und Routine könne aber zu einem besseren Behandlungsergebnis führen.
Die Informationen des Atlas könnten zudem nur eine Basis sein, um in weiteren Gesprächen mit Ärzten und Experten die weitere Behandlung abzuklären, betont das Ministerium.
Das Klinikum Neumarkt ordnet der Atlas mit seinen 500 Betten in die größte von drei Kategorien ein. Als „weit überdurchschnittlich“ bewertet der Atlas die Ausstattung mit Pflegepersonal.
Mehr als 20000 stationäre Behandlungen jährlich am Klinikum Neumarkt
Auch bei den stationären Behandlungsfällen insgesamt gehört das Klinikum mit 20473 zu den oberen 20 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland.
Die meisten Behandlungen gibt es laut Atlas mit 3148 in der Fachabteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Gastroenterologie (3008), Kardiologie (2849) und Unfallchirurgie (2493) sind weitere Abteilungen mit hohen Zahlen. Am anderen Ende der Skala ist die Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde mit 136 Behandlungen.
Ausgewählte Zertifikate hat das Klinikum laut Atlas bei den Zentren für Darm-, Brust- und gynäkologischen Krebs. Ebenfalls zertifiziert ist das Klinikum im Bereich der Behandlung mit künstlichen Ersatzgelenken und von Schlaganfällen. Das gilt auch für das Shunt-Referenzzentrum.
KlinikumNeumarkt bemängelt falsche Daten im Bundes-Klinik-Atlas
Gesundheitsminister Karl Lauterbach lobt das Projekt: „Mit dem Bundes-Klinik-Atlas bieten wir Patientinnen und Patienten einen übersichtlichen Wegweiser durch den Krankenhaus-Dschungel in Deutschland“. Verständliche Informationen über gute Krankenhausversorgung seien damit für alle zugänglich.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) kritisiert den Atlas als unnötig. Mit dem von ihr betriebenen Deutschen Krankenhausverzeichnis gebe es bereits ein Online-Portal, das Patienten transparente Informationen biete. Der neue Atlas verbessere nichts, schaffe aber neue Bürokratie für die Kliniken.
„Wir können uns der Aussage der Krankenhausgesellschaft anschließen“, sagt Klinikums-Vorstand Markus Graf. Darüber hinaus biete der Atlas nicht nur keine Informationen, die es nicht schon gegeben hätte. Er liefert laut Graf auch teils falsche, weil nicht aktuelle Informationen über das Klinikum.
Beispielsweise habe das Klinikum eine umfassende Notfallversorgung der höchsten Stufe. Der Atlas gibt jedoch die zweite von drei Stufen an. Auch bei der Anzahl der Fachabteilungen besteht eine Diskrepanz: Der Bundes-Klinik-Atlas spricht von 13 Stück, das Deutsche Krankenhausverzeichnis von 19. „Wir müssen hier nun nochmals zusätzlich die Daten prüfen und um Korrektur bitten“, kündigt Graf an.
