Ex-Tafel-Vorsitzende in Regensburg gesteht – Haftbefehl außer Vollzug

Von André Baumgarten · 7. August 2025 um 10:44

13 Nächte hat die Ex-Vorsitzende der Regensburger Tafel in U-Haft verbracht – seit heute ist sie wieder frei. Der Haftbefehl wegen Untreue wurde außer Vollzug gesetzt. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Regensburg der Mediengruppe Bayern. Die Höhe des Schadens ist auf ein Vielfaches gewachsen.

Wie Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher erklärte, ist die Staatsanwaltschaft dem Antrag der Verteidigung nicht entgegengetreten. Denn: „Die Beschuldigte hat nicht nur gestanden, sondern überschießend eingeräumt, dass die Schadenssumme zu Lasten der Tafel rund 200.000 Euro betragen dürfte“. Heißt, sie hat reinen Tisch gemacht und wohl das wahre Ausmaß offenbart. Man habe einer Aussetzung des Haftbefehls daher nicht widersprochen. Es seien aber angemessene Auflagen erlassen worden.

Der Ende Juli vollzogene Haftbefehl gegen die zwischenzeitlich zurückgetretene Vorsitzende der Regensburger Tafel umfasste Vorwürfe zu 352 Fällen der Untreue. Vermögenswerte der gemeinnützigen Einrichtung in Höhe von rund 69.000 Euro soll die Frau laut den bisherigen Ermittlungen entnommen haben. Das Geld stamme demnach aus verschiedenen Quellen und sei durch verschiedene Handlungen veruntreut worden. Details nannte die Staatsanwaltschaft jedoch nicht.

Haftbefehl umfasste 352 Fälle – es sind wohl deutlich mehr

Auch die Anwälte der Verdächtigen nahmen nun offiziell Stellung: „Uns ist ganz wichtig zu betonen, dass hier keine Bedürftigen geschädigt wurden, sondern die Tafel“, erklärten die beiden Regensburger Strafverteidiger Michael Haizmann und Jörg Meyer auf Nachfrage. Sie bestätigten, dass sie beim Haftprüfungstermin „für die Mandantin eine Einlassung abgegeben“ haben. Details wollten sie jedoch nicht nennen. Nur: „Die Aufhebung des Haftbefehls ist die richtige Entscheidung.“

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Die Verhaftung der Ex-Vorsitzenden, die zugleich stellvertretende Vorsitzende der Tafel Deutschland war, hatte für große Aufregung gesorgt – weit über die Grenzen von Stadt und Landkreis hinaus. Dass es um den Ableger in Regensburg nicht gut bestellt ist, hatte sich zuletzt mehr als deutlich aufgedrängt. Bereit im Juni schloss die Ausgabestelle in der Abendsstraße – von einer Pause bis Mitte September war die Rede. Nach Bekanntwerden der Untreue-Vorwürfe gegen die Vorsitzende saß der Schock tief. Aktuell wird von den Ehrenamtlichen mit Hochdruck an der früheren Wiedereröffnung gearbeitet.

Erste Reaktion von Freudenstein: „Persönlich bin ich enttäuscht“

Sozial-Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) zeigte sich in einer ersten Reaktion schockiert über das nun im Raum stehende Ausmaß. Sie hoffe, dass die Tafel „das alles jetzt gut verarbeiten und vor allem schnell wieder öffnen kann“. Auch „ganz persönlich bin ich enttäuscht und fühle mich getäuscht“, betonte Freudenstein weiter. Die nach ihrer Verhaftung zurückgetretene Tafel-Vorsitzende war auf der Liste der CSU für den Stadtrat. Über ihre Anwälte zog sie die Kandidatur dann jedoch zurück.