„Schock“ für die Tafel: Vorsitzende legt Amt nach Inhaftierung nieder – Entsetzen bei Mitarbeitern

Von Philip Hell, Marion Koller · 29. Juli 2025 um 18:40

Schwere Vorwürfe gegen die Chefin der Regensburger Tafel: Die Vorsitzende des Vereins soll Gelder veruntreut haben. Nun sitzt sie in Untersuchungshaft. Bei der Tafel herrscht blankes Entsetzen. Sozialbürgermeisterin Astrid Freudenstein spricht von einem Schock – und bietet Hilfe an.

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Dass die Staatsanwaltschaft Regensburg gegen die Tafel-Vorsitzende ermittelt, ist der Mediengruppe Bayern seit Wochen bekannt. Nun scheinen die Vorwürfe eine neue Qualität zu haben: Wie die Ermittlungsbehörde am Dienstag bestätigte, sitzt die Tafel-Chefin in Untersuchungshaft. Laut Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher, Sprecher der Staatsanwaltschaft, wurde die Regensburgerin am vergangenen Freitag verhaftet. Die Behörden werfen der Tafel-Vorsitzenden vor, Geld veruntreut zu haben. Konkret geht es laut Rauscher um rund 69.000 Euro. Das Geld habe der Tafel zugestanden und stamme aus verschiedenen Quellen. Die Vorsitzende habe die Summe durch mehrere Handlungen veruntreut. Konkret geht es um 352 Fälle.

Anwälte der Tafel-Chefin: Werden uns nicht äußern

Darüber hinaus gibt es laut Staatsanwaltschaft noch einen weiteren Tatvorwurf. Dieser stehe jedoch nicht in Zusammenhang mit der Tafel, weshalb man dazu keine weiteren Angaben mache, so Rauscher. Das Amtsgericht Regensburg bejaht die Haftgründe der Flucht- und Verdunkelungsgefahr, teilt die Staatsanwaltschaft mit. Für die Tafel-Chefin gilt die Unschuldsvermutung.

Die Regensburgerin wird von den beiden Rechtsanwälten Jörg Meyer und Michael Haizmann vertreten. Auf MZ-Anfrage teilen die beiden Juristen lediglich mit: „Wir werden uns derzeit weder zum Verfahren noch zur Frage der Untersuchungshaft äußern.“

In der Regensburger Tafel herrscht blankes Entsetzen

Tafel-Vorstandsmitglied Georg Forster fällt aus allen Wolken, als er am Dienstag in einem Telefonat mit der Mediengruppe Bayern erfährt, dass die Vorsitzende in U-Haft sitzt. „Das überrascht mich total. Ich habe so etwas für ausgeschlossen gehalten“, sagt er. „Die Vorsitzende ist wahnsinnig korrekt.“ Die Gelder, alle Ein- und Ausgänge, würden von einem weiteren Vorstandsmitglied geprüft. Auch ein Steuerberater sei eingeschaltet.

Forster ist am Donnerstag aus einem Schweden-Urlaub zurückgekehrt. Seit Freitag erreiche er die Vorsitzende nicht mehr. „Aber bei der Hausdurchsuchung haben sie ihr ja das Handy abgenommen.“

Der Ehrenamtliche, der seit acht Jahren mit Herzblut für die Tafel tätig ist, im Verkaufsraum faules Gemüse aussortiert und im Vorstand als Schriftführer mitwirkt, überschlägt die Einnahmen. 300 bis 400 Euro erlöse die Regensburger Tafel an jedem der vier Ausgabetage pro Woche mit den „symbolischen Beiträgen“ der Kunden. „Große Familien zahlen sechs Euro, Einzelpersonen drei Euro“, erklärt er. Mit dem Erlös könnten die Helfer zumindest das Tafel-Fahrzeug betanken. Darüber hinaus erhalte der Verein Spenden.

Schwere Vorwürfe gegen Vorsitzende: Wie geht es mit der Tafel weiter?

Etwa 5000 Bedürftige hat die Regensburger Tafel nach eigenen Angaben pro Woche mit Lebensmitteln versorgt. Es kommen jedoch nicht alle zur Ausgabe in die Abensstraße, sondern „vielleicht 100 bis 150 Leute pro Tag“, die sich etwa für eine ganze Familie eindecken. „Bis zu neun Personen sind dahinter“, sagt der Ehrenamtliche Georg Forster. Auf die Frage nach der Zukunft der wichtigen Sozialorganisation antwortet er: „Das ist Glaskugelleserei.“ Der Betrieb sei kein Problem, wohl aber die Vorstandsarbeit.

Sozialbürgermeisterin und OB-Kandidatin Dr. Astrid Freudenstein äußerte sich am Dienstagnachmittag auf Anfrage der Mediengruppe Bayern zu der Entwicklung rund um die Tafel: „Die Vorfälle um die Vorsitzende sind eine ganz extreme Belastung - für die Kunden und für die Ehrenamtlichen des Vereins.“ Der Vereinsvorstand der Tafel sei am Dienstag darüber informiert worden, dass die Vorsitzende ihr Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt hat. Die Ehrenamtlichen seien davon auch überrascht worden. „Ich hoffe sehr, dass sich das Tafel-Team von dem Schock erholen kann und Mitte September wie geplant wieder anfängt“, sagt Freudenstein. „Seitens der Stadt wäre dann sicher eine finanzielle Hilfestellung möglich.“ Die CSU-Bürgermeisterin weist darauf hin, dass die Tafel Regensburg ein eigenständiger Verein ist, der seine Geschäfte selbst führt. „Von der Sozialverwaltung der Stadt Regensburg hat der Verein seit 2020 keine Zuschüsse mehr bekommen.“

Die Regensburger Tafel hat bereits seit dem 6. Juni geschlossen. Die Schließung bis Mitte September begründete der Verein in einem Schreiben, das Anfang Juli in der Abensstraße aushing, unter anderem mit der „Nicht-Verfügbarkeit von Verantwortlichen“, Personalmangel, Ausfällen der Urlaubszeit und Restarbeiten am Dach der Tafel. Die Schließung sorgte für eine Debatte in Regensburg – und weit darüber hinaus. Diese Diskussionen dürften nach den neuesten Entwicklungen mit Sicherheit nicht abklingen.