Lange Tafel-Schließung: Stadt Regensburg reserviert Räume für den Notfall

Von Christian Eckl · 11. Juli 2025 um 16:16

Sozialträger und Initiativen tagten mit Vertretern der Stadt Regensburg und der CSU-Sozialbürgermeisterin am Freitagmorgen. Astrid Freudenstein spricht von breiter Solidarität unter den Trägern und sozialen Initiativen. Am Runden Tisch am Freitagmorgen hätten Teilnehmer aber auch geschildert, dass viele Bedürftige während der mehrwöchigen Schließung der Tafel in ihre Heimatländer in den Urlaub gefahren sind.

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Solidarität mit der Tafel, aber keine Notsituation, auch nicht für Bedürftige: Das ist der Konsens aus dem Runden Tisch sozialer Initiativen und Träger. Beteiligt waren auch unter der Federführung von Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) drei städtische Stellen. Der Runde Tisch war zuletzt während der Corona-Pandemie sowie zu Beginn des Ukraine-Kriegs und den damit einhergehenden Flüchtlingszahlen zusammengetreten. Das soll sich künftig ändern – die Ankündigung einer mindestens zehnwöchigen Schließung der Tafel im Regensburger Stadtnorden hatte Anfang der Woche für einen Aufschrei in der Stadtgesellschaft, aber auch zu vielen Hilfsangeboten geführt.

„Solidarität ist groß“

Freudenstein berichtete in Absprache mit den Teilnehmern an der Runde darüber, was das Ergebnis war. „Alle haben gesagt: Natürlich sind wir bereit, wir helfen zusammen, wenn erkennbar ist, dass es eine Lücke gibt“, sagte Freudenstein zur Mediengruppe Bayern. Die CSU-Politikerin betonte aber auch, dass in der Runde „angezweifelt wurde, dass es diese Lücke gibt“.

Mit dabei in der Runde waren Sozialträger wie die Caritas, die Johanniter, das Rote Kreuz, aber auch die Sozialen Initiativen, die Bahnhofsmission, der Strohhalm und natürlich auch Vertreter der Tafel selbst.

Freudenstein sagte, das Sozialamt der Stadt habe drei Punkte vorgestellt als Folge der Debatte dieser Woche. So stand zum einen die Vernetzung der sozialen Initiativen und Träger im Mittelpunkt. Als zweite Säule wurde das Thema Information angesprochen. Der Allgemeine Sozialdienst der Stadt würde darüber informieren, wohin sich aktuell Menschen wenden können, die in Not sind und Lebensmittel brauchen. Die dritte Säule sei dann die tatsächliche Versorgung.„Viele Kunden der Tafel sind , so hat es die Runde geschildert, während der Ferienwochen nicht vor Ort, weil sie beispielsweise in ihren Heimatländern Urlaub machen“, so Freudenstein. Ob es tatsächlich zu einem Engpass kommt, sei also fraglich.

Anfang der Woche hatte die Tafel mit einem Aushang angekündigt, dass sie vom 3. Juli bis zum 15. September schließen werde. Zum einen komme der Einsatz der Ehrenamtlichen an seine Grenzen. Eine Sanierung des Gebäudes sei notwendig gewesen, diese habe sich verzögert. Das erkläre die lange Frist, sagte Vorstandsmitglied Georg Forster. Der Schriftführer des Vereins war selbst bei der Videokonferenz am Freitagmorgen zugegen. Inwiefern interne Querelen – bei der Tafel gab es in den vergangenen Wochen eine Hausdurchsuchung, wie Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher schon vor Tagen unserer Redaktion bestätigte – für die Schließung mitverantwortlich sind, ist unklar. Forster hatte jedoch jegliche Vorwürfe als „erstunken und erlogen“ bezeichnet.

Sozialbürgermeisterin Freudenstein war in den vergangenen Tagen unter Druck geraten. Vor allem die SPD, aber auch Grüne und Brücke hatten sie für die Aussage scharf kritisiert, dass Deutschland ein „ starker Sozialstaat“ sei, „meines Erachtens der stärkste der Welt“, so Freudenstein. In Regensburg zahle das Sozialamt monatlich mehr als zwei Millionen Euro an rund 2600 Empfänger aus, so Freudenstein. Hinzu kommen Leistungen für etwa 1100 Asylbewerber. Vom Jobcenter der Stadt erhalten rund 7000 Menschen Unterstützung. Daraufhin hatte ihr die SPD-Bundestagsabgeordnete Carolin Wagner „soziale Kälte“ vorgeworfen. Auch Freudensteins Gegenkandidat um das Oberbürgermeisteramt, der SPD-Fraktionschef im Stadtrat Thomas Burger, hatte sich kritisch geäußert. „Von einer Sozialbürgermeisterin erwarte ich mehr als nur Schulterzucken“, postete Wagner zudem auf Instagram. Sie schlug vor, leerstehende Räume wie das ehemalige Stadtbahnamt zu nutzen.

„Das ist ein Mosaikstein“

Freudenstein sagte am Freitag zu dieser Zeitung, die Stadt habe Räume im Stadtbahnamt beziehungsweise in der Rewag reserviert, um im Notfall die bei der Tafel registrierten Kunden dort zu versorgen. Die CSU-Politikerin glaubt aber auch: „Das werden wir nicht brauchen.“ Nach wie vor sei sie der Meinung, dass das soziale Netz in Regensburg sehr engmaschig ist – die Schließung sei „ein Steinchen in einem Mosaik, das wir nun ausgleichen müssen“.