Auszeichnung für Rossmarkt? Berching arbeitet am nächsten Kulturerbe

Von Bernhard Neumayer · 6. August 2025 um 05:00

Chinesenfasching, Treideln – und irgendwann der Rossmarkt? Wenn es nach der Stadt Berching im Landkreis Neumarkt geht, soll auch das größte Wintervolksfest im Freistaat in die Liste des Immaterielles Kulturerbes in Bayern aufgenommen werden. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg.

„Wir arbeiten daran“, hatte Bürgermeister Ludwig Eisenreich am Ende der jüngsten Stadtratssitzung mitgeteilt. Ein erstes Gespräch mit Dr. Helmut Groschwitz von der Beratungsstelle Immaterielles Kulturerbe Bayern hat im Juli stattgefunden. „Nun prüfen wir, wann wir die Unterlagen für eine Bewerbung einreichen“, sagt Veronica Platzek, Leiterin des Amts für Kultur, Tourismus, Jugend, Schule und Stadtmarketing in Berching.

Treidel auf dem Kanal ist Immaterielles Kulturerbe Bayerns

Das Treideln auf dem Alten Kanal zwischen Mühlhausen und Pollanten ist bereits Immaterielles Kulturerbe. - Foto: Hans Gleisenberg (Archiv)

Mit der Bewerbung für das Treideln war die Stadt Berching im vergangenen Jahr erfolgreich. Die Tradition der historischen Fahrten auf dem Ludwigskanal werden seitdem in der Landesliste geführt. Doch das kostete viel Zeit. „Katrin Hradetzky hat für die Bewerbung extrem viel recherchiert“, erinnert sich Platzek. Die Damen des Tourismusbüros sprachen damals von einer monatelangen Arbeit, bis die 17-seitige Bewerbung so ausgefüllt war, dass sie die Jury letztlich überzeugte.

Ist es dieser zeitlicher Aufwand auch für den Rossmarkt wert? Für Bürgermeister Ludwig Eisenreich ist die Aufnahme in die Liste des Immateriellen Kulturerbes wichtig, um das historische Erbe zu erhalten, wie er nach der Auszeichnung für das Treideln mitgeteilt hatte.

Das Bayerische Finanz- und Heimatministerium, in dem der Bereich der Immateriellen Kulturerbe (IKE) angesiedelt ist, schreibt, dass die Aufnahme einer Kulturform in ein Verzeichnis deren öffentliche Wahrnehmung fördere und das Engagement der Trägergruppe würdige. Ein Preisgeld gibt es allerdings nicht. Mit dem Eintrag in die Liste ist außerdem weder ein rechtlicher Schutz noch eine rechtliche Verpflichtung verbunden, teilt das Ministerium mit.

Aktuell führt das Heimatministerium 84 Einträge im Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes, unter anderem die Brautradition nach dem Reinheitsgebot, das Drechslerhandwerk, den Drachenstich in Furth im Wald, den Kötztinger Pfingstritt oder die Passionsspiele in Oberammergau.

Im Gegensatz zum Materiellen Unesco-Weltkulturerbe, das Bauwerke wie Schloss Neuschwanstein und die Regensburger Altstadt auflistet, umfasst das Immaterielle Kulturerbe Traditionen, die von menschlichem Wissen und Können getragen und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Gemeinschaften prägen diese Tradition. Immateriell bedeutet „nicht greifbar“ und soll Aktivitäten wie Tanz, Theater, Musik, Bräuche, Feste, überliefertes Wissen und Handwerkstechniken einschließen.

Rossmarkt Berching als Kulturerbe? Bewerbung braucht Zeit

Das Finanz- und Heimatministerium schreibt, dass es wichtig sei, diese Traditionen zu erhalten. „Immaterielles Kulturerbe ist an Menschen und deren Überlieferungen gebunden.“

Für die aktuelle Periode kann man sich noch bis 31. Oktober bewerben, um zum nächsten Zeitpunkt in die Landesliste aufgenommen zu werden. „Das schaffen wir zeitlich aber nicht mehr“, sagt Platzek. Heuer werde man die Unterlagen nicht mehr einreichen. „Sobald wir Kapazitäten haben, geben wir unsere Bewerbung ab.“ Wann das ist, kann Platzek nicht sagen. Das könne kommendes Jahr der Fall sein. Oder auch erst 2027.