Ein Treidelschiff aus dem 3D-Drucker: Modellbauer hat Alma Viktoria nachgebaut

Der Neumarkter Stephan Gruber hat ein Modell des 21 Meter langen Treidelschiffs errichtet. Nicht nur der Nachbau ist ab 5. Mai in einer Ausstellung in Berching zu sehen. Warum die Alma Viktoria eine der kleineren Aufgaben für den Schiffsmodellbauer war, zeigt ein Blick in die Werkstatt des 65-Jährigen.
Im Keller seines Hauses bewahrt Stephan Gruber seine detailverliebten Modelle in verschiedenen Größen auf. 40 bis 50 hat er bisher nachgebaut, schätzt er. Manche Schiffe hat er bereits verschenkt oder verkauft, andere schlummern noch bei ihm zuhause. Jetzt hat er im Auftrag der Stadt Berching das 1933 gebaute Treidelschiff Alma Viktoria im Maßstab 1:33 konstruiert.
Etliche Teile des 64 Zentimeter langen und zwölf Zentimeter breiten Modells hat Gruber dafür erst konzipiert, um sie von einem 3D-Drucker anfertigen zu lassen. Scheuerleiste, Wallschiene oder Schiffsbeschläge stammen aus dem 3D-Drucker, das Grundgerüst hat er aus MDF-Platten errichtet. Die Abkürzung steht für mitteldichte Faserplatten aus Holz. Die Außenseite ist aus Sperrholz, die Ladung aus Weidenholz aus dem Garten der Grubers und die Ruder aus Eiche.

Im Februar vergangenen Jahres habe ihn die Stadt Berching angefragt, ob er ein Modell der Alma Viktoria nachbauen könne. Dann hat Gruber das Schiff, das der Gemeinde Mühlhausen gehört, angeschaut, es fotografiert und zum Basteln angefangen. In der Hochphase habe er zwei bis vier Stunden am Tag am Modell gebaut, um es im Oktober der Leiterin des Kulturbüros, Katrin Hradetzky, vor dem gut 21 Meter langen und vier Meter breiten Original am Ludwigskanal übergeben.
Berching zeigt Wanderausstellung über das Treideln
Die Stadt Berching hat das Modell für eine Wanderausstellung anfertigen lassen, die ab 5. Mai im Rathaus kostenlos zu sehen. Nach Angaben der Stadt gibt die Wanderausstellung faszinierende Einblicke in die fast vergessene Arbeitswelt des Treidelns. Auf 15 Tafeln erfahren Besucher Wissenswertes über den Kanal und das Treideln. Diese sind aus Pappwabenkarton und können so ohne größere Anstrengung von Ort zu Ort wandern, damit die Ausstellung nicht nur in Berching gezeigt werden kann.
Neben den Schautafeln und dem Modell das Lastkahns Alma Viktoria gehören eine originale Treideluniform sowie alte Fotografien und Filme, die das Leben der Treidler und ihrer Pferde lebendig werden lassen, zu der Ausstellung. Wer noch tiefer in die Welt des Treidelns eintauchen will, kann das bei einer der Fahrten der Familie Deflorin von der Kutscher Alm in Pollanten. Wie vor 175 Jahren zieht ein Pferd dabei den Lastkahn über den Kanal. Die 90-minütige Fahrt für Touristen und Einheimische startet an der Schleuse Mühlhausen und führt nach Pollanten.

Im vergangenen Jahr wurde das Treideln auf dem Ludwig-Donau-Main-Kanal in die Liste des Immateriellen Kulturerbes Bayerns aufgenommen. „Dies ist ein bedeutender Schritt, um dieses fast vergessene Handwerk und den damit verbundenen Alltag der Menschen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken“, teilt die Stadt Berching mit.
Deshalb hat das Kulturbüro die Wanderausstellung „Der Ludwig-Donau-Main-Kanal und das Treideln“ konzipiert. In Zusammenarbeit mit dem Aktionsbündnis Oberpfalz-Mittelfranken und gefördert durch das Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz sowie Zuwendungen aus Mitteln des Freistaats Bayern hat sie die Stadt Berching ins Leben gerufen.
Ausstellung über Kanal und Treideln in Berching
• Zeitraum: Die Wanderausstellung „Der Ludwig-Donau-Main-Kanal und das Treideln“ ist kostenlos von 5. Mai bis 31. Juli im ersten Obergeschoss des Berchinger Rathauses zu sehen.
• Öffnungszeiten: Besucher können die Ausstellung montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr besichtigen - außer an Feiertagen.
• Internet: Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es unter www.berching.de/treidelausstellung.
Seinen Teil dazu hat auch Schiffsmodellbauer Stephan Gruber beigetragen. Seit er als Kind einen nachgebauten Seenotrettungskreuzer in einem Neumarkter Spielwarengeschäft gesehen hat, ließ ihn die Faszination für Schiffsmodelle nicht mehr los. Während seiner Lehre zum Fernmeldeelektroniker bei Siemens hat er sich seinen ersten Bausatz für ein Modell gekauft.

Doch sein größtes Projekt läuft noch: Mit viel Liebe zum Detail baut Gruber den Bergungsschlepper Pacific nach. 2,80 Meter lang ist sein Modell, an dem er seit 25 Jahren arbeitet. Ob es noch fertig wird? „Das ist mein Ziel“, sagt Gruber.