Jubel über Treidel-Auszeichnung: Initiatoren aus Berching nennen Details zur Bewerbung

Von Bernhard Neumayer · 21. März 2024 um 15:00

Martin Deflorin kommt aus dem Schwärmen kaum mehr heraus. „Treideln live mitzuerleben, ist für mich jedes Mal unbeschreiblich und faszinierend“, sagt der Betreiber, der das Treideln auf dem Alten Kanal anbietet. Jetzt wurde es zum Immateriellen Kulturerbe. Doch bis dahin, war es ein langer Weg.

Ginge es nach Martin Deflorin von der Kutscher Alm aus Pollanten, müsste das Treideln sogar Weltkulturerbe werden. Bei aller Euphorie: So weit ist es (noch) nicht. Wie berichtet, wurde das Treideln als gutes Praxisbeispiel des Immateriellen Kulturerbes in das Bayerische Landesverzeichnis aufgenommen. Dort sind nun 82 Einträge gelistet, unter anderem auch der Chinesenfasching in Dietfurt, der Erhalt der Jurahäuser im Altmühl-Jura, der Drachenstich in Furth im Wald und der Pfingstritt in Kötzting.

Die Idee, das Treideln als Kulturerbe zu bewerben, stammt nach Aussagen der Stadt Berching von den Mitarbeiterinnen des Tourismusbüros. Gemeinsam mit dem Buchautor Wolf-Dietrich Nahr und der Unterstützung der Kapitäne aus Burgthann und der Familie Deflorin aus Pollanten hat das Tourismusbüro die erforderlichen Unterlagen eingereicht. Nach Angaben der Damen im Tourismusbüro war das eine monatelange Arbeit.

Treideln als Kulturerbe: Jury achtete auf Tierwohl

Martin Deflorin ließ schließlich eines seiner neun treidelfähigen Pferde den Kahn Alma Viktoria ziehen, um das historische Treideln einem Mann der Jury vorzuführen. „Der Bewertungskommission ging es dabei auch stark um das Tierwohl“, sagt Deflorin, der sich bewusst ist, dass die größte Sorgen mancher Menschen beim Treideln sei, dass es dem Pferd schlecht gehe. Das sei aber definitiv nicht der Fall, betont Deflorin. „Das Pferd muss nur so viel ziehen, dass sich das Schiff bewegt.“ Hineingetrieben werde das Tier nicht. Es sei vielmehr wie ein langsamer Spaziergang für Menschen. Außerdem wechseln sich neun Deflorin-Pferde beim Treideln zwischen Mühlhausen und Pollanten ab.

Startpunkt ist die Schleuse 25 in Mühlhausen, weshalb auch bei Bürgermeister Martin Hundsdorfer die Freude über den Titel groß ist. Die Schleuse 25 gehöre der Gemeinde, ebenso das Treidelschiff Alma Viktoria, sagt Hundsdorfer. Und auch ein Großteil der Treidelstrecke auf dem Ludwig-Donau-Main-Kanal liege auf Mühlhausener Gebiet.

Die Kutscher Alm der Familie Deflorin in Pollanten befinde sich aber auf Berchinger Grund. Und das Berchinger Tourismusbüro bewirbt das Treideln regelmäßig und hatte nun auch den Weg für die Auszeichnung geebnet. Bei dem Titel geht es aber ohnehin nicht darum, in welcher Gemeinde getreidelt wird. Entscheidend ist das historische Treideln an sich, das auch in Burgthann praktiziert wird.

Berchings Bürgermeister Ludwig Eisenreich ist nach eigenen Angaben stolz, dass es in seiner Großgemeinde so ein wertvolles gutes Praxisbeispiel gibt. Die Aufnahme in die Liste des Immateriellen Kulturerbes sei wichtig für den Erhalt des historischen Erbes.

Auch Katrin Hradetzky, die im Tourismusbüro maßgeblich an der Bewerbung gearbeitet hat, freut sich: „Diese Auszeichnung verleiht der Treidelschifffahrt eine besondere Bedeutung.“ Treideln sei deutschlandweit einzigartig und nur in Berching und Burgthann zu erleben. Und Wolf-Dietrich Nahr, bekennender Anhänger des Ludwigkanals, ergänzt: „Trotz des freizeitorientierten Event-Charakters stellt das historische Transporthandwerk heute die einzige und authentische Nutzung des Ludwigskanals zu Wasser dar.“

Termine für das Treideln

Nach der Auszeichnung wünscht sich die Stadt Berching, dass das einmalige Großdenkmal Ludwig-Donau-Main-Kanal insgesamt viel stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung rücke. Treidel-Betreiber Martin Deflorin freut sich auf zahlreiche Gruppen – vom Junggesellinnenabschied bis zum Rentnertreff. Laut Tourismusbüro wird das Treideln in Berching unter anderem an folgenden Terminen angeboten: 31.März, 14. und 26.April, 12.Mai, 9.Juni, 14.Juli sowie 11. und 15.August.