Streik bei Schabmüller in Sollngriesbach: 450 Mitarbeiter fordern mehr Geld

Fast die gesamte Belegschaft der Firma Schabmüller in Sollngriesbach machte seinem Unmut am Dienstag Luft. Für drei Stunden stellten die Mitarbeiter die Produktion ein. Die Beschäftigten fordern einen neuen Tarifvertrag. Doch die Verhandlungen mit der Geschäftsführung stocken.
Normalerweise läuft die Produktion an einem Dienstagnachmittag auf Hochtouren. Doch an diesem Dienstag war es im Werk der Firma Schabmüller in Sollngriesbach für drei Stunden still. Dafür sorgten rund 450 Mitarbeiter vor dem Betriebseingang für Lärm.
„Wir arbeiten seit 20 Jahren fünf Stunden in der Woche umsonst“, sagte Betriebsratsvorsitzende Christine Billmann. „Jetzt reicht es.“ Die IG Metall Regensburg hatte die Beschäftigten des Elektromotoren-Herstellers zum Warnstreik aufgerufen. Laut Pressemitteilung der Gewerkschaft beteiligten sich gestern rund 450 der 500 Mitarbeiter in Sollngriesbach. Die IG Metall fordert für die Beschäftigten einen Tarifvertrag analog des Flächentarifvertrags der bayerischen Metall- und Elektroindustrie.
Früher hatten die Mitarbeiter der Firma Schabmüller einen solchen Tarifvertrag, bis der Arbeitgeber vor etwa 20 Jahren aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten ist und damit die Tarifbindung verlassen hat, erklärte Billmann. „Seitdem arbeiten unsere Leute für weniger Geld. Und das, obwohl das Geschäft seit Jahren brummt“, wird Billmann in der Pressemeldung der IG Metall zitiert.
Schabmüller: Betriebsrat in Verhandlungen mit Geschäftsführer
Auf Nachfrage unserer Zeitung verdeutlichte die Betriebsratsvorsitzende, dass „die Mitarbeiter seit rund 20 Jahren pro Woche 40 Stunden arbeiten – zu einer Vergütung von 35 Stunden“. Das sei damals vereinbart und immer wieder verlängert worden.
Gemeinsam mit Mitarbeitern aller Abteilungen in Sollngriesbach versammelte sich die Betriebsratsvorsitzende am Dienstag vor dem Werk. Von 12.30 bis 15.30 Uhr legten rund 450 Mitarbeiter die Arbeit nieder. Mehrere Mitarbeiter hatten Plakate dabei. Drei Frauen hielten eines mit der Aufschrift „Wir sind es Wert“ hoch. Zwei andere Beschäftigte sagten, sie wollen mit dem ersten längeren Streik ein Zeichen setzen. „Wir fordern, dass sich die Geschäftsführung unseren Forderungen annähert“, sagten die zwei Mitarbeiter, die seit rund 20 Jahren im Betrieb sind.
Firma Schabmüller: IG Metall hatte zum Streik aufgerufen
Bereits im Februar hatten Mitarbeiter gestreikt, nachdem sie mit den ersten Tarifverhandlungen im November unzufrieden waren. Die zwei kürzeren Streiks hätten ein erstes Angebot des Arbeitgebers erzwungen, das aber deutlich zu gering ausgefallen sei, heißt es in der Pressemeldung der IG Metall. „Der Arbeitgeber bietet uns an, die zukünftigen Verhandlungsergebnisse aus dem Flächentarifvertrag der bayerischen Metall- und Elektroindustrie zu übernehmen“, erklärte Olga Redda, zweite Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg.
Doch damit geben sich Gewerkschaft und Mitarbeiter nicht zufrieden. „Unsere Forderung zielt darauf ab, den Beschäftigten von Schabmüller endlich das Niveau des Flächentarifvertrags der bayerischen Metall- und Elektroindustrie zuzugestehen.“ Bislang gehe die Firma darauf nicht ein. „Der Arbeitgeber zeigt keine Bereitschaft“, sagte Redda. Mit dem Streik am Dienstag solle der Druck erhöht werden. Deshalb habe man sich auch entschlossen, für drei Stunden die Produktion einzustellen.
Der Geschäftsführer der Firma Schabmüller schweigt
Die Betriebsratsvorsitzende wolle so schnell wie möglich zu einer guten, für beide Seiten tragbaren Lösung kommen. „Leider bewegt sich die Verhandlungsgruppe von Schabmüller nicht auf uns zu“, sagte Billmann, weshalb sie weitere Streiks nicht ausschließt. „Wir hoffen sehr darauf, dass der Arbeitgeber jetzt deutliche Schritte in Richtung unserer Forderung macht.“
Der Geschäftsführer war für unsere Zeitung am Dienstag nicht zu erreichen.
