Vorsitzende in U-Haft: Regensburger Tafel arbeitet mit Hochdruck an Öffnung

Mit einer Rundfahrt durch Regensburg wollte Sozialbürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) am Montag verdeutlichen: Das soziale Netz hält – und das, obwohl die Tafel seit Wochen geschlossen hat. Der Hilfsverein ist arg gebeutelt, gegen seine Vorsitzende gibt es Veruntreuungsvorwürfe. Sie sitzt derzeit in Untersuchungshaft.
Georg Forster, Schriftführer der Tafel, sprach in den Räumen des Hilfsvereins über die derzeitige Situation der Institution. Im Moment arbeite man in zwei Richtungen. Zum einen setze man alles daran, spätestens Mitte September wieder zu öffnen. Erstmals deutete der Ehrenamtliche an, dass es womöglich auch früher so weit sein könnte. Operativ wäre man dazu in der Lage und auch das undichte Dach ist wieder repariert. Zuvor hatte das Gesundheitsamt Schimmel entdeckt, Räume wurden geschlossen.
Zum anderen arbeite man daran, den Verein neu aufzustellen. Das Problem: „Wir sind gehandicapt durch das Fehlen eines vertretungsberechtigten Vorstands und durch das Fehlen von Equipment.“ Bei der letzten Mitgliederversammlung habe sich kein stellvertretender Vorstand gefunden, so Forster. Folglich könne der Verein nichts machen, für das eine rechtsverbindliche Unterschrift nötig ist. „Keine Verträge, keine Spendenquittungen, keine Geschäfte.“ Gemeinsam mit einem Anwalt arbeite man an Lösungen.
Einfach ist das nicht. Denn: Die Ermittlungsbehörden haben Anfang Juni zahlreiche Geräte beschlagnahmt. Außerdem fehlen zum Teil Passwörter oder eine Mitgliederübersicht, die allerdings Voraussetzung für eine Neuwahl der Vorstandschaft wäre. Denn: Nur eine Vollversammlung aller Mitglieder kann einen neuen Tafel-Chef wählen.

Zwischen der Hausdurchsuchung der Tafel und der Verhaftung der bisherigen Vorsitzenden lagen mehrere Wochen. In dieser Zeit habe es wenig Kontakt zur Ex-Chefin gegeben, sagte Forster. Mehrfach betonte er: „Die Tafel ist die Geschädigte.“ Forster sprach von einem Image-Schaden. Spender seien bereits abgesprungen.
Trotz Schließung: Regensburger Tafel gibt am Dienstag Essen aus
Gemeinsam mit der Stadt Regensburg wolle man nun ein Zeichen setzen. Am Dienstag zwischen 10 und 12 Uhr will man an Tafel-Kunden Lebensmittel ausgeben. Die Aktion findet im Raum für Engagement (ehemaliges Stadtbahn-Amt am Bahnhof in der D.-Martin-Luther-Straße 19) statt.
Die Rundfahrt zu verschiedenen Hilfsanbietern begann am Strohhalm in der Keplerstraße. Sozialbürgermeisterin Freudenstein sprach dabei von großer Verunsicherung, das soziale Netz in Regensburg betreffend. Sie betonte: „Die Grundversorgung armer Menschen in Regensburg ist gesichert.“ Dafür sorgten neben staatlichen und städtischen Stellen auch viele Verbände, Vereine und Initiativen.
Wer durch die Schließung der Tafel Probleme habe, solle sich an den Allgemeinen Sozialdienst (ASD) der Stadt wenden, betonte Freudenstein. Dieser habe sich bereits Anfang Juli verstärkt, wie einer Pressemitteilung der Stadt zu entnehmen ist. „Bisher ist die Nachfrage allerdings unverändert.“
Tafel nach U-Haft dicht: Folgen für Hilfsdienste in Regensburg
An verschiedenen Stationen der Rundfahrt gingen Vertreter von Hilfsorganisationen auf ihre Arbeit ein – und inwiefern sie von der Tafel-Schließung betroffen sind. Der Chef der Rengschburger Herzen, Arno Birkenfelder, sprach gegenüber der MZ vor einigen Tagen davon, überrannt zu werden. Am Montag bekräftigte er erneut: Rund 20 Menschen meldeten sich bei ihm täglich, um nach Hilfe zu fragen.
Strohhalm-Chef Franz Lindl sprach davon, dass rund 100 Kunden regelmäßig täglich kämen. Im Gegensatz zur Tafel, die auch davon gesprochen hatte, dass im August deutlich weniger Gäste kämen, sei beim Strohhalm der Andrang im Sommer ungebrochen.
Michael Weißmann, Direktor der Caritas, stellte die Fürstliche Notstandsküche vor, die vom Hilfswerk getragen wird. Dort gibt es, ähnlich wie bei der Tafel, eine Berechtigungsprüfung. Ziel der Caritas sei stets auch eine Beratung der Bedürftigen. Im Zuge der Tafel-Schließung habe man vermehrt Essensgutscheine angeboten. Bislang seien allerdings nur fünf Personen gekommen, um sich welche abzuholen.
Anton Stadler, Geschäftsführer von In Via, dem Träger der Bahnhofsmission, betonte dass auch bei ihnen manche Tafel-Kunden aufschlagen. Es sei allerdings generell so, dass viele Menschen mehrere Hilfsangebote in der Stadt wahrnehmen.
Lebensmittel gehen normalerweise an die Tafel: Foodsharing springt ein
Auf den Verein Foodsharing wirkt sich die Tafel-Schließung sehr direkt aus, sagte Botschafterin Marion Listl. Es kämen zehn Betriebe mehr auf die etwa 700 Freiwilligen zu, um Lebensmittel abzugeben, die andernfalls in der Mülltonne landen würden. Der Verein verteilt das Essen dann weiter. Die Situation habe Foodsharing unvermittelt getroffen. „Wir haben intern viel umstrukturiert.“ Das Essen, das nun von dem Verein verteilt wird, sei zuvor auch an die Tafel weitergegeben worden. Vor der Schließung habe man allerdings auch Essen von der Tafel gerettet – und das nicht zu knapp. Das seien wöchentlich etwa 60 Kisten Essen gewesen.
Hier gibt es Hilfe in Regensburg
• Bahnhofsmission: Keine Bedürftigkeitsprüfung, kleine Mahlzeiten. Tel. (0941) 5 79 61.
• Caritas: Das Hilfswerk vermittelt Berechtigungsscheine und Lebensmittelgutscheine. Tel. (0941) 5 02 15 11.
• Rengschburger Herzen: Versorgung von Senioren und Lebensmittelausgaben an mehreren Stellen. Tel.(0941) 78 84 97 15.
• Soziale Initiativen: Projekte für Einsame, kleine Lebensmittelausgaben. Mail: info@soziale-initiativen.de.
• Space-Eye: Verteilung von Lebensmitteln. Tel. (01 51) 10 37 22 90.
• Strohhalm: Angebot eines Mittagessens und eines Abendbrotbeutels für zwei Euro von Montag bis Samstag. Tel. (0941) 6 98 01 54.
• BRK: Logistik in der Not, Versorgung von Einrichtungen mit Essen. Tel.: (0941) 79 60 50.
• Foodsharing: Rettung von Lebensmitteln, dezentrale Verteilung. Mail: regensburg@foodsharing.network
• Johanniter: Logistik, Versorgung. Tel. (0941) 46 46 70.
• Malteser: Lieferung von Aufwärmmenüs. Tel. (0941) 58 51 50.