Stadt Neutraubling setzt beim Rathaus-Ensemble auf rote Photovoltaik

Von Michael Sperger · 1. August 2025 um 15:00

Bis 2028 werden das Neutraublinger Rathaus, der Ratskeller und die Stadthalle renoviert. Insgesamt lässt sich die Stadt die umfassende Sanierung rund 30 Millionen Euro kosten. Bei der PV-Anlage auf dem Dach setzt die Stadt nun auf ein innovatives Modell – obwohl das teurer ist und weniger Leistung bringt.

„Sind wir uns einig, dass wir keine Fliesen nehmen?“ Bürgermeister Harald Stadler versuchte, bei der festgefahrenen Debatte über die Bodenbeläge fürs sanierte Rathausensemble zumindest ein kleines Erfolgserlebnis zu erzielen. Denn in den meisten Punkten waren trotz langer Diskussion die Vorstellungen der Stadträte zu unterschiedlich und die Optionen zu vielfältig. Linoleum oder Kugelgarn für die Büroräume im Rathaus, Terrazzo oder Naturstein für die Stadthalle – und was ist mit den Gängen? „Ich sehe hier momentan keinen Lösungsweg“, gab Stadler schließlich auf. Bis 2028 werden das Neutraublinger Rathaus, der Ratskeller und die Stadthalle renoviert. Insgesamt lässt sich die Stadt die umfassende Sanierung rund 30 Millionen Euro kosten.

Die Mitarbeiter der Stadt Neutraubling befragt

Während an der Stadthalle bereits der Kran aufgebaut wird und erste Arbeiten laufen, bleiben manche Detailfragen noch ungeklärt. Bei der jüngsten Sitzung am Donnerstag standen deshalb die Bodenbeläge und die PV-Anlage erneut auf der Tagesordnung. Wie schwierig die Entscheidung zu den Bodenbelägen ist, zeigte auch eine Befragung der Rathaus-Angestellten. 19 entschieden sich für Kugelgarn in den Büros, 18 votierten für Linoleum. „Wir hatten auf ein eindeutigeres Votum der Mitarbeiter gehofft“, sagte Patricia Dillschnitter (SPD). Linoleum ist ein Naturprodukt, was besonders bei den Aktiven Bürgern/Grünen gut ankommt. Kugelgarn dagegen ist pflegeleicht und überzeugt beim Schallschutz. „Hier gäbe es aber noch andere Möglichkeiten, die uns besser gefallen würden“, gab Dr. Philipp Ramin (CSU) zu bedenken. Dazu soll vor der endgültigen Entscheidung ein Experte für Schallschutz Auskunft erteilen.

Teure Materialien: Neutraublinger Stadtrat kann sich nicht entscheiden

Für die Stadthalle und den Ratskeller tendiert man zu regionalem Naturstein oder Terrazzo. Hier seien beide Materialien denkbar, so Stadler. Man befinde sich ohnehin in einem hochpreisigen Bereich. Der helle Terrazzo-Boden könnte vor allem dem Ratskeller seine Gemütlichkeit nehmen, fürchtet Ramin. Der Naturstein dagegen sei nachhaltig, regional und hochwertig. Ein Problem könne es jedoch mit den Fugen geben, gab Hochbauamtsleiter Martin Schulze zu bedenken. Eine Entscheidung gab es auch hier nicht. Bürgermeister Stadler schlug vor, die verschiedenen Varianten zusammenzustellen und sich mit Mustern vor Ort ein Bild zu machen. Einen Beschluss soll der Stadtrat dann im September fassen.

„Innovative Technik“ dank roter Solarziegel auf dem Neutraublinger Rathaus

Auch die Entscheidung zur Photovoltaik-Anlage auf dem Dach wurde bereits mehrfach aufgeschoben. Zur Debatte stand neben einer konventionellen Anlage mit schwarzen Paneelen auch eine Lösung mit roten Solarziegeln. Diese bringen zwar weniger Leistung und sind teurer, sollen aber die Optik des in den 80er Jahren errichteten Rathaus-Ensembles erhalten. „Das Bürgerzentrum steht nicht unter Denkmal- oder Ensembleschutz. Deshalb sollten wir so viel Strom wie möglich produzieren“, sagte Dr. Edwin Schicker (Aktive Bürger). Man verzichte auf bis zu 500 000 Euro Cashflow zugunsten der Optik. „Wir sind eine moderne Stadt. Solarmodule gehören zum Stadtbild dazu“, sagte Patricia Dillschnitter.

Mit Solarziegeln gedeckt ist auch das Dach des barocken Kongregationshauses der Erlöserschwestern in der Innenstadt von Würzburg. - Foto: picture alliance/dpa

Die Mehrheit des Stadtrates sah das anders und votierte für eine Variante mit roten Solarziegeln an den Rathaus-Innenflächen sowie roten Aufdachpaneelen an den Außenflächen des Rathauses und der Stadthalle – diese Teile sind vom Innenhof aus nicht sichtbar. Insgesamt soll die Anschaffung 490 000 Euro kosten. „Wir wollen dieser innovativen Technik eine Chance geben“, sagte Ramin. Matthias Schelter (Freie Wähler) bekräftigte, der Erhalt des Rathaus-Ensembles sei ein wichtiger Punkt bei der Sanierung - und sei auch im Rahmen der Förderung essenziell.

Die Umbauarbeiten am Bürgerzentrum laufen indes auf Hochtouren. Zahlreiche Aufträge sind bereits vergeben. Im nichtöffentlichen Teil sollten nun die Estrich-Arbeiten vergeben werden, wie Bauamtsleiter Schulze erklärte. Die Sanierung wird in etwa drei Jahre in Anspruch nehmen.

Neutraublinger Schlangebau soll grüner werden

Immer wieder diskutiert der Stadtrat, wie man den Schlangenbau im Neutraublinger Stadtzentrum attraktiver machen kann. Statt einer Flaniermeile prägen aktuell teils leere Gewerbe und Beton die Sudetenstraße. Nun soll der Vorbereich rund um die Hausnummern 20 bis 24 neugestaltet werden. Dabei geht es auch um den Außenbereich vor dem Eis Iglu. Das Büro mks Architekten-Ingenieure stellte einen Entwurf vor.

Maßnahme: Das Areal soll barrierefrei und mit mehr Grün ausgestaltet werden. Die Architekten setzen auf Entsieglung. Etwa 543 000 Euro soll die Neugestaltung kosten. Ein Förderantrag wird zeitnah gestellt. „In dieser Straße haben wir an vielen Stellen Handlungsbedarf“, sagte Dr. Philipp Ramin. Die Maßnahme sei ein Schritt in die richtige Richtung. „Der Schlangenbau kann nur schöner werden“, bekräftigte Dr. Edwin Schicker.