ADFC-Fahrradklimatest: Neutraublings Radler sind unzufrieden

Von Dagmar Unrecht · 14. Juli 2025 um 15:00

Edwin Schicker aus Neutraubling im Landkreis Regensburg fühlt sich als Radfahrer „nicht willkommen“ in seiner Heimatstadt. Er sieht sich durch den aktuellen Fahrradklimatest bestätigt und fordert zum Beispiel sichere Radweg zu den Schulen.

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Edwin Schicker ist in Neutraubling als leidenschaftlicher Radler bekannt. Die Strecke zur OTH, seinem früheren Arbeitsort, ist der Professor für Informatik bei Wind und Wetter geradelt. Als Stadtrat der Aktiven Bürger in Neutraubling ist es für ihn seit Jahren eine Herzensangelegenheit, die Lage für Radler zu verbessern. Dass dabei einiges im Argen liegt, steht für ihn außer Frage. „Ich fühle mich als Radfahrer in Neutraubling nicht willkommen.“ Schicker sieht sich durch den aktuellen Fahrradklimatest bestätigt.

Alle zwei Jahre führt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) eine Befragung durch, in der die Fahrradfreundlichkeit vor Ort bewertet wird. Wie breit sind Fahrradwege? Dürfen Einbahnstraßen befahren werden? Wie sicher fühlt man sich als Radfahrer? Fragen wie diese können auf einer sechsstufigen Skala – vergleichbar mit Schulnoten – bewertet werden. Bis Ende November 2024 konnte abgestimmt werden. Inzwischen liegen die Ergebnisse vor. Neutraubling hat mit 4,20 abgeschnitten, nur einen Hauch besser als 2022 (4,3). Damit waren in Bayern nur 14 Kommunen ähnlicher Größe schlechter bewertet als Neutraubling. Allerdings haben dieses Mal mit 134 Teilnehmern fast doppelt so viele Menschen in Neutraubling abgestimmt wie 2022.

Die größte Stadt im Landkreis wird etwas schlechter bewertet als Regensburg (3,99), Lappersdorf (3,90) und Regenstauf (3,88). Lappersdorf liegt auf Rang 58 von 95 in Bayern, Regenstauf auf Platz 56 und Neutraublinger auf Rand 81. Weitere Gemeinden des Landkreises sind beim Test nicht vertreten, weil die Mindestteilnehmerzahl (50) nicht erreicht wurde. In Regenstauf haben 53 Menschen abgestimmt, in Lappersdorf 64.

„Nichts passiert“

„Es wird im Test deutlich bemängelt, dass in Neutraubling für Radfahrer nichts passiert“, moniert Schicker. In den Anmerkungen werde der Frust deutlich. „Da kann ich mich nur anschließen. Neutraubling muss mehr für Radfahrer tun.“ Dazu gehören für Schicker Radwege, auf denen insbesondere Schüler sicher unterwegs sein könnten. „Für weit über 3000 Schulkinder stehen innerorts keine Radwege in beiden Richtungen zur Verfügung. Im Gegenteil, es müssen gefährliche Kreuzungen überquert werden.“ Es sei kein Wunder, wenn Elterntaxis überhandnähmen. Gleiches gelte für den Weg zum Einkaufen im Kaufpark. Mit Note 4,7 werde das schlechte Sicherheitsgefühl abgestraft. Für Klaus Wörle vom ADFC Regensburg vermittelt der Test „ein gutes Abbild der radfahrenden Bevölkerung und deren Expertenmeinung“. Dass sich Regenstauf verbessert habe – von 4,3 (2022) auf nun 3,88 – sei seines Erachtens aber auf einen Sondereffekt zurückzuführen: 2022 sei in Regenstauf die langwierige Umgestaltung der Ortsdurchfahrt in vollem Gang gewesen. „Das hat für Radfahrer erhebliche Probleme mit sich gebracht.“

Der Landkreis steht Wörles Einschätzung nach beim Thema Radverkehr insgesamt „mittelprächtig“ da. Gut könne man aber an den Flüssen entlang radeln. Vom Regentalweg profitierten auch Regenstauf und Lappersdorf, vermutlich sei daher deren Testergebnis auch besser, meint Wörle. Sowohl in Regenstauf als auch in Lappersdorf und Neutraubling wurde von Testteilnehmern kritisiert, dass man das Rad nicht mit dem ÖPNV mitnehmen könne. Dafür können die Kommunen aber nichts. Schicker hat vor einigen Jahren eine eigene Studie zum Radverkehr in Neutraubling verfasst und darin einige der im Test angesprochenen Punkte aufgeführt. „Ich habe auch Lösungsvorschläge ausgearbeitet. Aber es geht nichts voran.“ Dabei hat Neutraubling gute Bedingungen für Radler: Es ist flach und die Wege sind kurz.

Stadtrat Edwin Schicker, Klaus Wörle vom ADFC, Neutraublings Bürgermeister Harald Stadler und Klimaschutzmanager Manfred Pfauntsch (von rechts) bewerten die Situation für Radler unterschiedlich. - Foto: Dagmar Unrecht

Option Fahrradstraße

Neutraublings Bürgermeister Harald Stadtler mag Schickers Kritik so nicht stehen lassen. Die Stadt liege im Fahrradklimatest „nicht jenseits von Gut und Böse, sondern im Mittelfeld“, sagt er. Radler könnten sich auf ihrem Weg durch die Stadt ruhigere Nebenstraßen suchen. „80 Prozent des Stadtgebiets ist Tempo-30-Zone.“ Der Bürgermeister räumt aber ein, dass die Situation für Radler besser sein könnte. „Wenn eine Straße saniert wird, setzen wir das auch um.“ Das sei in engen Straßen aber oft nur möglich, wenn die Stadt Grund erwerben könne. Wörle könnte sich vorstellen, dass Neutraubling von einer Fahrradstraße profitieren würde, davon gehe auch eine „Botschaft“ aus. Bei Stadler läuft er damit ins Leere.

„Wenn sich etwas entwickeln soll, braucht es Überzeugungen und Begeisterung“, sagt Wörle. Neutraubling sei zu „mutlos“. Das sieht auch Schicker so. Planungen würden verschoben und aufgeweicht. So schaffe man es nicht, dass Leute aufs Rad umsteigen. „Wir brauchen ein Wohlfühlklima für Radler.“