Metzgerei aus Pfatter ist unter den zehn besten in Bayern – Aber Bürokratie macht ihnen zu schaffen

Von Lorenz Nix · 8. Juli 2025 um 16:02

Die Metzgerei Gierstorfer aus Pfatter im Landkreis Regensburg wurde zum zweiten Mal mit dem Staatsehrenpreis ausgezeichnet. Das Unternehmen fühlt sich insgesamt gut aufgestellt, ärgert sich aber unter anderem über überbordende Bürokratie und hohe Energiepreise.

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Die heißen Tage sind vorerst vorbei. Bei Temperaturen um die 20 Grad macht es Hobbyköchen vielleicht wieder Spaß, in der Küche zu stehen. Ganz anders während der Hitzewelle: Schnelle, leichte Sommerküche war für viele angesagt. Herd und Ofen blieben oft aus. Allerdings: Um an ihr Abendessen zu kommen, heizten trotzdem viele kräftig ein – nur eben draußen. Wer abends durch die Straßen lief, konnte feststellen: Grillen gehört immer noch zu einem Lieblingshobby der Deutschen.

Davon profitiert unter anderem eine Berufsgruppe besonders: Metzger. Im Freistaat gibt es laut dem bayerischen Landwirtschaftsministerium immerhin noch 2549 entsprechende Betriebe – bundesweit die meisten. Einer davon ist die Metzgerei Gierstorfer aus Pfatter im Landkreis Regensburg. Das Unternehmen wurde kürzlich als eine der zehn besten Metzgereien in Bayern ausgezeichnet.

Grillsaison ist auch für die Metzgerei Gierstorfer aus Pfatter wichtig

Auch für den Handwerksbetrieb, der neben dem Haupthaus in Pfatter zwei Filialen in Regensburg betreibt, ist die Grillsaison im Sommer sehr wichtig. Aber Kunde ist dabei längst nicht mehr nur der klischeehafte Prototyp des deutschen Grillers – Mann über 40 mit Bierbauch. Einer Studie aus dem Jahr 2022 zufolge zeigt mittlerweile auch die Altersgruppe bis 30 ganz besonders gerne ihr Können am Rost. Das ist nachvollziehbar, schließlich sind es überwiegend Jüngere, die auf Kurzvideoplattformen wie Instagram oder Tiktok unterwegs sind. Und dort wird mittlerweile nicht mehr nur einfach gerillt. Stattdessen wird Fleisch dort von Influencern unter anderem geräuchert, auf Holzplanken gegart und sogar rückwärts gegrillt.

Klar ist: Wer entsprechenden Aufwand betreibt, will auch qualitativ hochwertiges Fleisch. Deshalb sei in dem Bereich ein großer Markt da, so Anton Gierstorfer. „Wer etwas Gescheites will, geht zum Metzger“, sagt er. Das gelte generell, nicht nur in der Grillsaison: In den vergangenen Jahren sei insgesamt das Bewusstsein für gute Fleischprodukte gestiegen. „Wir haben jedes Jahr steigende Umsätze“, freut sich der Metzgermeister.

Metzger-Cup führte zum Staatsehrenpreis für Gierstorfer

Die Qualität der eigenen Ware stellt das Oberpfälzer Unternehmen regelmäßig beim sogenannten Metzger-Cup des Landesinnungsverbands unter Beweis. Über fünf Jahre sehr gute Ergebnisse – etwa 4000 Proben mussten insgesamt eingeschickt werden - führten nun dazu, dass die Metzgerei Gierstorfer im Juni durch die bayerische Ernährungsministerin Michaela Kaniber (CSU) nach 2022 zum zweiten Mal mit dem Staatsehrenpreis ausgezeichnet wurde – als eine von zehn Metzgereien im Freistaat.

Ernährungsministerin Michaela Kaniber (CSU, links) und Landesinnungsmeister Konrad Ammon beglückwünschten Thomas, Julia, Artur und Annette Gierstorfer (von links) in München zum Staatsehrenpreis. - Foto: Tobias Hase, StMELF

Insgesamt hatten sich 188 Betriebe darum beworben. Aus der Oberpfalz wurde neben der Metzgerei Gierstorfer auch die Metzgerei Hirsch aus Ursensollen im Landkreis Amberg-Sulzbach ausgezeichnet. „Sie stehen mit Ihren Betrieben für Qualität, Tradition und Innovation“, sagte Kaniber bei der Preisverleihung. Die Unternehmen seien Vorbilder für die gesamte Fleischwirtschaft. Allerdings sinkt die Zahl der entsprechenden Unternehmen seit Jahren. 2014 waren es – ohne Filialen – noch 928 Metzgereibetriebe in Niederbayern und der Oberpfalz, teilt die Handwerkskammer mit.

Für 2024 weist die Statistik 852 Firmen aus. Allerdings: Seit 2022 müssen aufgrund eines Gerichtsurteils auch Frischfleischtheken in Supermärkten in die Handwerksrolle eingetragen sein – auch wenn dort keine Produktion stattfindet. Die Zahl der „echten“ Metzgereien dürfte also viel stärker gesunken sein, als in der Statistik angegeben.

„Es ist schade, wenn immer mehr Betriebe zumachen“, sagt Artur Gierstorfer. Seine Lösung: immer investieren. Allerdings steht auch das Unternehmen in Pfatter vor Herausforderungen. Eines davon ist der Personalmangel. Es sei schwierig Auszubildende zu finden, sagt der 63-Jährige. Mittlerweile absolvieren unter anderem zwei Vietnamesen, bald auch zwei Kirgisen ihre Lehre bei Gierstorfer.

Immerhin die Betriebsnachfolge in dem Unternehmen mit 45 Mitarbeitern ist gesichert: Sohn Thomas Gierstorfer ist die vierte Metzgermeister-Generation in der Familie. Bereits seit über zehn Jahren ist der 35-Jährige gemeinsam mit seinem Vater hauptverantwortlich für die Gierstorfer-Produkte.

Strompreise belasten

Bei der täglichen Arbeit ärgert sich das Vater-Sohn-Gespann allerdings über die in ihren Augen überbordende Bürokratie. Viel zu viele Dokumentationspflichten gebe es, kritisieren die beiden Unternehmer. Zudem treibt die Metzgermeister das Thema Energiepreise um. Früher habe man 5,5 Cent je Kilowattstunde gezahlt, sagt Artur Gierstorfer. Nach zwischenzeitlich 16 Cent liege der Preis nun bei 12 Cent. Zunächst hatte es so ausgesehen, dass die von der schwarz-roten Koalition im Bund angekündigte Senkung der Stromsteuer nur für Industriebetriebe kommen soll. Bei der Metzgerei Gierstorfer sorgt das für Unverständnis. Vor kurzem hieß es nun aber, dass die Steuersenkung auch dem breiten Mittelstand zugute kommt: Regierungssprecher Stefan Kornelius betonte, dass „wirklich auch kleine Betriebe, Bäckereien, Metzgereien, Handwerker, Bau, Wasserwirtschaft“ und andere davon profitierten.

Das Handwerk fordert allerdings weiterhin, die im Koalitionsvertrag angekündigte Senkung für alle – sämtliche Unternehmen und Privathaushalte – umzusetzen. Auch der Metzgerei Gierstorfer dürfte das zugute kommen. Schließlich betont der Handelsverband Deutschland, dass durch geringere Stromkosten für Verbraucher auch der Konsum angekurbelt wird.