Rathaus und Stadthalle: Leistet sich Neutraubling rote Solarziegel?

Von Michael Sperger · 7. Juni 2025 um 10:00

Vor dem Sanierungsstart des Neutraublinger Bürgerzentrums (Landkreis Regensburg) berät der Stadtrat über die Photovoltaikanlage auf dem Dach. Planer und Architekten wünschen sich rote Ziegel, um die Optik des Ensembles zu erhalten. Doch die sind teurer und produzieren weniger Strom. So lief die Diskussion im Stadtrat.

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Das Licht im Neutraublinger Rathaus bleibt aktuell aus, das Stadt-Wappen ist bereits von der Fassade verschwunden. Innerhalb von drei Tagen ist die Verwaltung wegen der anstehenden Sanierung des Bürgerzentrums ins Übergangsquartier im Gewerbepark gezogen. „Hut ab an alle, die in der Verwaltung mit diesem Mammutakt beschäftigt waren“, lobte Bürgermeister Harald Stadler. „Es war eine große Herausforderung, die alle mit Bravour gemeistert haben.“

Erstmals traf sich der Stadtrat am Donnerstag im provisorischen Sitzungssaal in der Pommernstraße. Bestimmendes Thema war dort mal wieder die anstehende Sanierung des Rathauses und der Stadthalle.

Neutraublinger Bürgerzentrum: Das Dach wird erneuert

Im Zuge der Maßnahme wird auch das Dach erneuert. Bei dieser Gelegenheit sollen Rathaus und Stadthalle flächendeckend mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet werden. Aus Statik-Gründen wird die Gesamtfläche jedoch kleiner ausfallen als ursprünglich vorgesehen, erklärten die Planer nun.

Um Kosten zu sparen, hatte sich der Stadtrat Ende 2024 bereits für die schwarzen Standard-PV-Module entschieden. Jetzt brachten die Planer das Thema nochmal auf den Tisch. Ihnen sei wichtig, mit Hilfe der dunklen Fenster, der weißen Fassade und der roten Dächer die Optik des Ensembles zu erhalten. „Die Dächer sind auf allen Fotos und aus dem Innenhof zu sehen. Deshalb ist es legitim, nochmal darüber abzustimmen“, sagte der Bürgermeister.

Optik und Schönheit liegen im Auge des Betrachters, aber die roten Ziegel sind einfach unwirtschaftlich und produzieren zu wenig Energie.

Michael Melcher, CSU

Im Gespräch ist eine Lösung mit innovativen roten Solarziegeln. Diese unterscheiden sich optisch kaum von den normalen Dachziegeln. Sie bringen jedoch eine geringere Leistung als herkömmliche PV-Module – und kosten mehr Geld. „Optik und Schönheit liegen im Auge des Betrachters, aber die roten Ziegel sind einfach unwirtschaftlich und produzieren zu wenig Energie“, gab Michael Melcher (CSU) zu bedenken. Der Großteil des Daches sei zumindest im Sommer ohnehin durch Bäume bedeckt, ergänzte Markus Pesth (SPD). „Es geht hier um bis zu 300 000 Euro Mehrkosten, belohnt durch ein Viertel weniger Leistung“, sagte Edwin Schicker (Aktive Bürger). Doch die optischen Aspekte brachten Teile des Stadtrats zum Überlegen. „Durch die schwarzen Elemente würde das Ensemble gebrochen“, befürchtete Ulrich Brossmann (Freie Wähler). „Schön ist etwas anderes“, sagte Bürgermeister Stadler. „Wir stehen auch dem Architekten im Wort“, meinte Karl-Heinz Mathy (CSU).

Appell des Architekts: „Die roten Dächer sind bedeutend“

Schon länger ist klar: Die schwarzen PV-Module sind Architekt Josef Winkler ein Dorn im Auge. Mit seinem Modell hatte er sich vor 40 Jahren bei der Ausschreibung des Neutraublinger Bürgerzentrums durchgesetzt. Der Architekt fürchtet, dass das Erscheinungsbild des ganzen Ensembles unter den Änderungen leidet. Zur Reminiszenz an Siena gehören für Winkler auch zwingend die roten Ziegeldächer als Kontrast zu den dunklen Fenstern und Brüstungsflächen des Bürgerzentrums. „Die roten Dächer sind bedeutend“, betonte er. Dunkle Standard-Aufdach-Module würden der Optik weh tun. „Rote Dächer wirken ganz anders.“

Die schwarzen PV-Module sind Architekt Josef Winkler ein Dorn im Auge. Mit seinem Modell hatte er sich vor 40 Jahren bei der Ausschreibung des Neutraublinger Bürgerzentrums durchgesetzt. - Foto: Dagmar Unrecht

Optik oder Funktionalität? Das sei keine einfache Entscheidung, gab Bürgermeister Stadler zu. „Wir haben jetzt vier Wochen Zeit, um die Argumente abzuwägen und ein ähnliches Projekt in Regensburg zu besichtigen.“ In der nächsten Sitzung soll dann die Entscheidung fallen.

Kugelgarn soll Schall mindern

Auch die Bodenbeläge für Rathaus und Stadthalle standen zur Debatte. Andreas Ascherl vom Architekturbüro Ascherl stellte dem Stadtrat mögliche Optionen vor. Fürs Rathaus kommen laut Ascherl Kugelgarn oder Linoleum in Frage. „Das Kugelgarn sorgt für einen Kontrast zur Klinkerfassade und mindert den Schall“, warb der Architekt.

Für die Stadthalle legte Ascherl den Stadträten einen Terrazzo-Boden ans Herz. Dieser soll mit roten Elementen einen Bezug zum Klinkerbau herstellen. Hier waren noch nicht alle Stadt-Politiker überzeugt. „Ich sehe hier einen ästhetischen Bruch mit dem Klinkerbau im Treppenhaus und dem hellen Belag am Boden. Wir hätten da einfach gerne mehr Optionen“, sagte Dr. Philipp Ramin (CSU). Die Zeit drängt: In der nächsten Sitzung soll auch hier die Entscheidung fallen. Bürgermeister Stadler versprach, bis dahin auch die Rathaus-Mitarbeiter nach ihrer Meinung zu fragen.