Kistenpacken im Neutraublinger Rathaus: Stadtverwaltung zieht wegen Sanierung aus

Von Dagmar Unrecht · 21. Mai 2025 um 19:00

Der Schriftzug am Neutraublinger Rathaus ist schon abmontiert. Anfang Juni ziehen die rund 55 Verwaltungsmitarbeiter aus. Für mindestens zwei Jahre sind sie wegen der Sanierung des Bürgerzentrums in der Pommernstraße 19 untergebracht.

In der ersten Juniwoche ist die Verwaltung für drei Tage nur im Notfall erreichbar. Ab 5. Juni laufen Bürgerbüro und Stadtverwaltung wieder im Normalbetrieb. Für den Abend ist dann die erste Stadtratssitzung im neuen Domizil beim Kaufpark anberaumt. Zuvor war dort übergangsweise die Kassenärztliche Vereinigung Bayern untergebracht.

Alle Unterlagen im Büro von Bürgermeister Harald Stadler müssen verstaut werden. - Foto: Dagmar Unrecht

Im Moment werden im Rathaus überall fleißig Kisten gepackt. In den Schränken schlummern alte Rechenmaschinen, Loseblattsammlungen mit Verwaltungsvorschriften und Ordner über Ordner. Bei Bürgermeister Harald Stadler lehnen die meisten Kartons noch gefaltet an der Wand. „Das Packen mache ich am letzten Tag.“ Im Schrank hängen noch die Roben fürs städtische Christkind und den Nikolaus. Der Bischofsstab steht in der Ecke. Auch seine Amtskette hat Stadler griffbereit. Am Freitag ist Stadtempfang, da kommt sie noch einmal zum Einsatz.

Büros auf einer Ebene

Die Bürofläche in der neuen Bleibe ist größer als im Rathaus. Alle 27 Zimmer liegen auf einer Ebene im zweiten Stock. Stadlers künftiges Büro mit der Nummer 226 befindet mittendrin. Die Rathausmitarbeiter konnten die Räume vorab besichtigen. „Seither sind die letzten Zweifel weg, sie freuen sich“, sagt Andreas Ehmann, der den Umzug federführend organisiert. Schränke sind in den neuen Büros vorhanden, Schreibtische werden mitumgezogen. Im Moment werden die Räumlichkeiten gestrichen.

Das Übergangsquartier in der Pommernstraße befindet sich im zweiten Stock. Der Eingang ist rechts an der Seite. - Foto: Dagmar Unrecht

Im Stadtarchiv in der Königsberger Straße macht sich der Umzug schon länger bemerkbar. Seit Wochen stapeln sich dort Kisten mit alten Akten aus dem Rathaus - 628 Kartons sind es inzwischen. Viel Arbeit für Stadtarchivarin Petra Aichinger. „Das Material vollständig zu sichten, wird sicher ein Jahr dauern.“ An die 50 Kisten habe sie bisher entleert und bearbeitet. Ältere, „archivwürdige Akten“ werden zur dauerhaften Lagerung vorbereitet. Akten, auf die regelmäßig zugegriffen wird, wandern in die „Altregistratur“, so Aichinger. „Die Entscheidung, was archivwürdig ist, treffen wir erst nach der Aufbewahrungsfrist.“ In Neutraubling werde die Altregistratur vollständig erfasst und damit optimal recherchierbar. „Das ist in vielen Kommunen nicht der Fall und braucht seine Zeit.“

Bei Petra Aichinger im Archiv haben sich mehr als 600 Kisten mit Akten angesammelt. - Foto: Dagmar Unrecht

Akten und Fundstücke landen im Archiv

Im Zuge des Umzugs sind bei Aichinger auch besondere Funde aufgetaucht, darunter Akten von Anfang 1950 aus den ersten Jahren der Gemeindegründung. „Der Ordner stand bisher unbeachtet im Rathauskeller“, erzählt sie. „Da hat sich eine Lücke gefüllt, denn die späteren Akten hatte ich schon im Archiv.“ Es sei „wirklich interessant“ in die Unterlagen zu den ersten Gemeinderatssitzungen hineinzulesen. Aichinger hat ihre Rathauskollegen gebeten, Funstücke fürs Archiv einzupacken. „Wir sichten das später in Ruhe.“ Aufgetaucht ist zum Beispiel ein alter Bauhelm von 1973, der vermutlich dem früheren Bürgermeister Herbert Scholz gehörte.

Bei Hochbauamtsleiter Martin Schulze ist beim Büroausräumen ein alter roter Bauhelm aufgetaucht. Er stammt aus dem Jahr 1973 und hat vermutlich dem früheren Neutraublinger Bürgermeister Herbert Scholz gehört. Nun kommt er ins Archiv. - Foto: Dagmar Unrecht

Die Archivarin ist derzeit im Urlaub und kommt erst nach dem Umzug zurück. Bisher hat sie im Einzelbüro gearbeitet, ab Juni wird sie mit mehreren Kollegen in einem größeren Raum sitzen: „Mal eine ganz neue Erfahrung.“

Sanierung für 30 Millionen Euro

Die Sanierung von Rathaus und Stadthalle ist ein Mammutprojekt für Neutraubling. Mehr als 30 Millionen Euro werden investiert, um das 40 Jahre alte Gebäudeensemble zu erneuern. Rund 500 Quadratmeter Fläche kommen neu hinzu, unter anderem entsteht ein Konferenzbereich. Dafür wird über dem Ratskeller angebaut. Auch zusätzliche Büroräume fürs Rathaus werden geschaffen, der bisher eingeschossige Gebäudeteil wird aufgestockt. Ein Verbindungsgang vom Rathaus zur Stadthalle ist ebenfalls geplant, ebenso eine Fluchttreppe vom Sitzungssaal nach draußen. Der Ratskeller ist vom Umbau zunächst noch nicht betroffen und bleibt weiter geöffnet. Erst Anfang 2027 ist nach derzeitigem Stand eine Schließung des Lokals nötig. Der Ratskeller wird zwar nicht umgebaut, aber Küche-, Lüftungs- und Sanitäranlagen werden erneuert.

Veronika Pohl (l.) und Elena Schwering aus der Hochbauabteilung sortieren aus. - Foto: Dagmar Unrecht

Anfang Juni, sobald die Mitarbeiter ausgezogen sind, wird die Baustelle rund um das Rathaus eingerichtet. „Mir ist bewusst, dass das eine anstrengende Zeit wird“, sagt der Bürgermeister. Während der Baustellenphase werden Infotafeln am Bauzaun angebracht, die über den Stand der Arbeiten informieren. Stadler hofft, dass die Stadthalle schon Ende 2026, zum Inthro-Ball der Saturnalia im November, wieder genutzt werden kann. Bis Ende 2027 sollen die Mitarbeiter ins Rathaus zurückkehren - wenn alles nach Plan läuft. Ob Stadler erneut ins Bürgermeisterzimmer einzieht, hängt vom Ausgang der Kommunalwahl im März ab. Er würde gerne, das steht schon fest.

Neue Öffnungszeiten

• Termin: Verwaltung und Bürgerbüro befinden sich ab 5. Juni in der Pommernstraße 19 Süd. Vor Ort gibt es Parkplätze für Besucher und eine Bushaltestelle. Die Telefonnummern bleiben gleich. Im Eingangsbereich befindet sich eine Vermittlungszentrale.

• Schließung: Während des Umzugs von 2. bis 4. Juni sind Rathaus und Bürgerbüro komplett zu. Bereits am Freitag, 30. Mai, werden Anliegen laut Stadt nur mit vorheriger Terminvereinbarung bearbeitet. Wer dringend Dokumente benötigt, sollte diese noch vor dem Umzug beantragen.

• Öffnungszeiten: Ab Juni ändern sich die Öffnungszeiten. Am Dienstagnachmittag ist dann nur noch bis 16 Uhr geöffnet. Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag außerdem von 8 bis 12 Uhr (nur Hochbau hat am Freitag zu), Donnerstagnachmittag von 13 bis 18 Uhr. Mittwoch ist alles zu.

• Notfälle: Während der Schließzeit ist Andreas Ehmann bei dringendem Bedarf unter Tel. (0179) 3264874 erreichbar. Auch „Nothochzeiten“ sind laut Bürgermeister Harald Stadler während der Schließung möglich.