Rathaus und Stadthalle hübschen sich auf: Neutraubling leistet sich Sanierung für 30 Millionen Euro

Das Bürgerzentrum rund um den Rathausplatz in Neutraubling wird runderneuert und ausgebaut. Etwa 30 Millionen Euro soll das kosten. Die Stadtverwaltung zieht vorübergehend aus.
Bei der Eröffnung vor 40 Jahren wurde das Neutraublinger Bürgerzentrum als großer Wurf gefeiert. Bis heute ist der runde Platz mit Stadthalle und Rathaus die markante Stelle im nicht vorhandenen Ortskern. Nun steht die Generalsanierung des Bürgerzentrums an. Im Juni geht es los. Rund 30 Millionen Euro nimmt die Stadt in die Hand.
Damit gehört das Vorhaben in eine Reihe von Großprojekten, die sich Neutraubling in den vergangenen Jahren gegönnt hat – vom Kulturhaus bis zum neuen Hallenbad. Ursprünglich war für Rathaus und Stadthalle nur eine energetische Modernisierung angedacht. Von rund neun Millionen Euro war anfangs die Rede. Den Anstoß dazu habe ein Förderprogramm gegeben, erzählt Bürgermeister Harald Stadler. Dann habe man beschlossen, den Komplex „zukunftsfähig“ zu machen. Die Kosten sind enorm. Zum Vergleich: Schierling kalkuliert für den kompletten Neubau des Rathauses mit rund zehn Millionen.
„Einmaliger Bau“
„Das Bürgerzentrum hat Alleinstellungsmerkmal“, sagt der Neutraublinger Bauamtsleiter Martin Schulze. „Das gesamte Ensemble ist stimmig, ein einmaliger Bau“, lobt der Bürgermeister. Auch die Substanz sei sehr gut, ergänzt Schulze. Es wird aber nicht nur saniert, sondern auch erweitert. Insgesamt kommen rund 500 Quadratmeter Fläche dazu. So wird über dem Ratskeller aufgestockt. Dort entsteht ein Konferenzbereich mit Cateringzone in Holzständerbauweise. „Das ist leichter als Beton und Stahl, schließlich befindet sich das alte Casino darunter“, erläutert Schulze. Die Tagungsräume werden teilbar. Rund 300 Quadratmeter Raum werden so geschaffen. Dazu kommt ein Anbau für ein neues Stuhllager mit einer Fläche von fast 130 Quadratmetern. Konferenzbereich und Stuhllager kosten zusammen rund 2,4 Millionen Euro.
Der Teil des Rathauses, der an die Stadthalle anschließt, wird ebenfalls aufgestockt. Zwei Etagen mit je 33 Quadratmeter kommen auf den bisher eingeschossigen Gebäudeteil drauf. „Dort sollen Großraumbüros entstehen, um auch ämterübergreifendes Arbeiten zu ermöglichen“, sagt Schulze. Den zusätzlichen Platz könne man gut gebrauchen. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Stadler. 55 Mitarbeiter arbeiten derzeit im Rathaus.
Rathaus und Stadthalle sollen außerdem mit einem Übergang verbunden werden, der im neuen Konferenzbereich mündet. „Er soll luftig wirken“, sagt Schulze. Er könne sich eine Stahl-Glas-Konstruktion vorstellen. Details sind noch offen. Der Verbindungsgang kostet rund 350 000 Euro und ist im Stadtrat umstritten. Edwin Schicker (Aktive Bürger) hält ihn für „reinen Luxus“, auch die SPD findet ihn überflüssig. Für den Bürgermeister ist das Thema nach dem positiven Stadtratsvotum durch, er betont aber: „Sollte eine neue Streichrunde nötig sein, könnte ich auch auf den Übergang verzichten.“
Neue Fluchttreppe
Im Rathaus soll überdies aus Brandschutzgründen eine neue Fluchttreppe vom Sitzungssaal nach draußen gebaut werden. Kosten: rund 280 000 Euro. Laut Schulze laufen die Planungen dafür erst an. Außerdem wird für Rathausbesucher ein barrierefreier Zugang mit Lift gebaut. Mitarbeiter können sich unter anderem über frische Böden, Klimadecken und neue Möbel freuen, zählt Stadler auf. Die Eichenfenster bleiben und werden dreifach verglast.
Im Juni starten die Bauarbeiten mit der Dachsanierung. Nächstes Jahr folgt der Konferenzbereich über dem Ratskeller. Das Restaurant ist erst 2027 von den Baumaßnahmen betroffen und wird von Januar bis März 2027 schließen. Der Ratskeller wird zwar nicht umgebaut, aber Küche-, Lüftungs- und Sanitäranlagen werden neu gemacht. Vorübergehend wird das Lokal zum Frühjahr 2027 einen Stock höher ziehen, in den dann fertigen neuen Anbau. „Der Ratskeller soll so kurz wie möglich geschlossen sein“, betont Stadler. Er hofft, dass die Stadthalle Ende 2027 fertig ist, „zum Inthroball“ der Saturnalia im November.
Verwaltung zieht aus
Die Stadtverwaltung wird Anfang Juni komplett ausgelagert und kommt übergangsweise in der Pommernstraße 17 und 19 unter – in den ehemaligen Räumen der Kassenärztlichen Vereinigung. „Ich hoffe, dass Anfang 2028 alle wieder im Rathaus sind“, sagt Stadler. „Die Mitarbeiter bekommen attraktivere Arbeitsplätze“, freut sich Schulze. Das sei wichtig, denn werde es immer schwieriger, gute Leute zu finden.
Wenn der Rathausplatz zur Baustelle wird, werden dort auch Kräne stehen. „Aber nur zwei“, betont der Bürgermeister. Beim Bau des neuen Hallenbades war Kran Nummer drei umgestürzt.
So verteilen sich die Kosten
Gebäude: Ins Rathaus fließen laut Stadt 13,5 Millionen Euro, in die Stadthalle 8,8 und in den Ratskeller 3,4 Millionen Euro .
Außenanlage: Die Sanierung kostet zusätzlich knapp zwei Millionen Euro.


