Windvorrangflächen im Landkreis Regensburg: Gebiete um die Walhalla sind raus

Jetzt ist es erst einmal amtlich: Im Gebiet um die Walhalla, im Bereich der Hohen Linie bei Tegernheim, im Kreuther Forst und im Forstmühler Forst werden keine Vorrangflächen für Windräder ausgewiesen – und damit genau dort, wo in den Wäldern des Hauses Thurn und Taxis bis zu 55 Anlagen geplant sind. Das hat der Planungsausschuss des Regionalen Planungsverbandes am Montag beschlossen.
Zumindest finden sich diese Gebiete nicht mehr in dem Flächenentwurf, den der Planungsausschuss am frühen Abend mit 21:3 Stimmen verabschiedet hat. Nicht angetastet wurden dagegen die zuletzt heftig umstrittenen Vorrangflächen im Regental.Darauf hatte sicherlich ein Großteil der Besucher gehofft, die sich nicht nur im Festsaal des Bezirks, sondern auch auf dem Gang davor drängten. Knapp 70 von ihnen saßen rund um die 24 Verbandsräte und zahlreichen Fachleute im Saal, insgesamt mögen es aber wohl mehr als 100 Bürger gewesen sein, die die Sitzung gespannt und konzentriert mitverfolgten. Nur einmal ermahnte sie der Verbandsvorsitzende und Neumarkter Landrat Willibald Gailler – als der Redebeitrag des Regenstaufer Bürgermeister Josef Schindler mit Beifall bedacht wurde.
Bürgermeister beklagt zu viel Belastung
„Die Belastungsgrenze der Bürger des Marktes Regenstauf insbesondere im Regental ist durch die derzeitig vorliegende Planung deutlich überschritten“, kritisierte Schindler, der den vorgelegten Kriterienkatalog zu den Windvorrangflächen ebenso ablehnte wie der Bad Abbacher Bürgermeister Dr. Benedikt Grünewald und sein Kollege aus Saal, Christian Nerb. Dabei hatte das Nein der Verbandsräte aus dem Landkreis Kelheim den entgegengesetzten Grund. Denn hier gibt es nicht zu viele Vorrangflächen, sondern gar keine – weil die Bundeswehr bei den militärischen Sperrzonen zu keinerlei Kompromissen bereit ist. „Unwillige und unflexible Bundesbehörden torpedieren unsere Planungen“, schimpfte Grünewald und war sich mit der Regensburger Landrätin Tanja Schweiger einig, dass den Kommunen vom Bund der Windkraft-Ausbau aufs Auge gedrückt wurde.
Dass die Bundeswehr beim Thema Windkraft nicht mit sich reden lässt, hatte zuvor auch Regionsbeauftragter Christoph Hüttl deutlich gemacht. Seinen Worten zufolge ist ein Großteil des Landkreises Kelheim und ein Teil des südlichen Landkreises Regensburg von den militärischen Sperrzonen betroffen. Statt den eigentlich angepeilten 1,8 Prozent an Windvorrangflächen bleiben im nun vorliegenden Entwurf für den Landkreis Kelheim nur 1,5 Prozent übrig. In Neumarkt sind es 1.9 Prozent, in Cham 2,3 Prozent und in Stadt und Landkreis Regensburg 2,0 Prozent der Flächen, die für Windkraft ausgewiesen werden sollen. Vor allem im zunächst stark belasteten Landkreis Regensburg wurden die für Windkraft vorgesehenen Gebiete gegenüber dem Entwurf vom letzten Jahr deutlich reduziert. Damals waren noch 4,9 Prozent an Vorrangflächen vorgesehen. Die gesamte Planungsregion Regensburg käme nun in der aktuellen Fassung auf etwa 1,85 Prozent.
Abstandsvorgaben wurden geändert
Geändert wurden auch die Abstandsvorgaben zu Siedlungen. Demnach müssen Windräder nun von der Innerortsbebauung mindestens 900 Meter entfernt sein. 550 Meter sind es jetzt zur Außenortsbebauung. Nach Auskunft von Hüttl ist das auf die mittlerweile angepassten Standardhöhen von Windkraftanlagen zurückzuführen. Statt 250 Meter werden jetzt 260 Meter angesetzt.
Insgesamt berichtete der Regionsbeauftragte von 175 Stellungnahmen, die im Beteiligungsverfahren eingegangen sind. Alle wurden seinen Angaben zufolge berücksichtigt und werden demnächst veröffentlicht. Für den Landkreis Regensburg ist vor allem der Denkmalschutz ein Knackpunkt.
Kein Kompromiss bei der Walhalla
Zwar gibt es in der Planungsregion insgesamt zwölf besonders landschaftsprägende Denkmäler, doch nur bei der Walhalla gibt es keinen Kompromiss. Innerhalb eines Prüfradius von zehn Kilometern rund um die Walhalla sind nach Ansicht der Denkmalschützer keine Windräder genehmigungsfähig. „Wir haben das Gespräch gesucht, aber es werden erhebliche Beeinträchtigungen gesehen“, erklärte Hüttl. Die Folge: Die Hohe Linie, der Kreuther Forst und der Forstmühler Forst mussten aus dem Katalog der Vorrangflächen gestrichen werden. Nur ein kleines Gebiet bei Wiesent ist davon nicht betroffen.
Landrätin sieht „Dissens“
„Einen Dissens“ machte hier die Regensburger Landrätin aus. Ihrer Meinung nach muss sich das Landesamt die Frage stellen lassen, warum beispielsweise die die Befreiungshalle nicht genauso streng bewertet wird. Schweiger griff zudem einen Kritikpunkt des Vereins Erholungsregion Regental auf, der mit zahlreichen Mitgliedern zur Sitzung gekommen war. Dabei geht es darum, ob das Level der Umweltverträglichkeitsprüfung bei Windvorrangflächen genauso hoch ist wie bei Einzelfallgenehmigungen von Windrädern.
„Der Arten- und Naturschutz ist hier nicht weniger wichtig“, betonte dazu Martin Kiesl von der Regierung der Oberpfalz. Er sorgte auch für ein Fünkchen Hoffnung beim Beratzhausener Bürgermeister Matthias Beer. Denn nach den Worten von Kiesl steht noch nicht fest, welche Planungsverbände 2032 tatsächlich das Ziel von 1,8 Prozent an Vorrangflächen erreichen müssen. Zudem sei die Stellungnahme des Denkmalschutzes zum Gebiet um die Walhalla möglicherweise noch nicht in Stein gemeißelt. „Dazu braucht es aber fachlichen Input“, erklärte Kiesl.
„
