Günstiger Strom und Planungssicherheit: Unternehmen in und um Regensburg wünschen sich Windräder

Von Benedikt Baumgartner · 29. März 2025 um 05:00

Die Windkraft-Wünsche von Unternehmen sind laut Industrie- und Handelskammer (IHK), Energieagentur und Landratsamt recht eindeutig: zügiger Ausbau, möglichst hohe Einspeisung regionaler Windenergie ins Stromnetz, Planungssicherheit. Welche Wünsche Wirklichkeit werden, zeigt sich am Montag, wenn der Planungsausschuss diskutiert, wo künftig Windkraftanlagen errichtet werden können und wo nicht.

„Wir brauchen diese Windkraftanlagen“, sagt Richard Röck, Energieexperte der IHK Regensburg, mit Nachdruck. Sie seien essenziell für „passende Energiepreise“ und Versorgungssicherheit. Ludwig Friedl, Geschäftsführer der Energieagentur, stimmt ein: „Die Unternehmen haben eine sehr hohe Erwartungshaltung, was den regionalen Ausbau von Windenergieanlagen betrifft.“

Billiger Strom im Norden, teurer im Süden?

Röck beunruhigt zudem die Diskussion um eine Teilung von Stromgebotszonen. Die politische Idee dahinter: Wo viel Strom produziert wird, etwa in Norddeutschland, soll der Strom günstiger sein als dort, wo wenig Strom produziert wird, wie in Bayern. Steigen aber hier die Strompreise, wird die Region unattraktiver für Unternehmen. Große Firmen hätten hier hochqualifizierte Produktionsstätten mit entsprechender Belegschaft, sagt Röck. „Die wandern nicht so leicht ab, aber die investieren hier auch nicht weiter.“ Grundsätzlich gelte: „Die Unternehmen gehen da hin, wo der Strom günstig ist. Und der Strom ist da günstig, wo er produziert wird.“

Großzügige Flächen erhofft

Entsprechend lobt er den Ansatz des Planungsverbands, direkt die erst in einem zweiten Schritt geforderten 1,8 Prozent des Gebiets auszuweisen. Das sei ein politisches Signal, dass man sich eilends auf den Weg der Energiewende mache. Entsprechend fordert er bei Ausweisung von Vorrangflächen: „Bitte nicht Spitz auf Knopf nähen, sondern mit ein paar Promille mehr.“ Die im Planungsausschuss präsentierten Vorrangflächen machen 1,85 Prozent der Planungsregion aus. Für Stadt und Landkreis Regensburg sind zwei Prozent für Windkraft vorgesehen. „Das begrüßen wir sehr“, sagt Röck.

Zuletzt hatten die CSU-Bundes- und Landtagsabgeordneten Peter Aumer und Patrick Grossmann dafür gekämpft, zunächst nur die bis 2027 geforderten 1,1 Prozent der Fläche auszuweisen. Das würde für höhere Akzeptanz der Landkreisbevölkerung sorgen, lautete ein Argument.

Walhalla-Umfeld ist Streitpunkt

Friedl hält aus Unternehmenssicht dagegen: „Ich hoffe, dass man den Leuten mehr an Belastung zutraut.“ Wo bereits Windräder gebaut wurden, habe es im Vorfeld massiven Protest gegeben, nach Bau der Anlagen sei der schnell abgeebbt. „Die Unternehmen brauchen Planungssicherheit und kein Vertagen der Diskussion“, sagt Friedl. Zwei Runden an Flächenausweisungen würden die Diskussionen nur in die Länge ziehen.

Im Zentrum der Debatten um die Vorrangflächen steht das Areal um die Walhalla. Das Landesamt für Denkmalpflege hat einen zehn Kilometer weiten Bannkreis um das klassizistische Bauwerk gezogen. „Wenn die Windradplanung da komplett plattgemacht wird, haben viele Unternehmen dafür kein Verständnis“, sagt Friedl. Allem Anschein nach wird sich der Regionale Planungsverband aber an die Einschätzung der Denkmalschützer halten. Damit wären Windräder im Kreuther und Forstmühler Forst – die dortigen Vorranggebiete machen mit 2200 Hektar Fläche 0,4 Prozent im Planungsgebiet aus – ausgeschlossen. „Aufgrund der räumlichen Nähe zu industriellen Standorten wäre ein Ausbau dort aus Sicht einiger Unternehmen von Interesse gewesen“, bestätigt Landkreissprecher Hans Fichtl.

750 Millionen Kilowatt braucht Regensburgs Wirtschaft

Friedl beziffert den Strombedarf der Wirtschaft allein in der Stadt Regensburg auf 750 Millionen Kilowatt im Jahr. Über Power Purchase Agreements (PPA) können große produzierende Unternehmen oder kleinere Firmen in einem Zusammenschluss direkt mit den Windkraftbetreibern Stromkaufverträge abschließen, um grünen Strom aus der Region zu beziehen. Bei der beträchtlichen Entfernung der geplanten Vorrangflächen zu den großen Firmen spielen Direktleitungen keine Rolle, sagt Röck. „Eine möglichst große Nähe zu unserem Werk kann von Vorteil sein, ist aber nicht der einzige Faktor, der bei der Energieversorgung eine Rolle spielt“, informiert Krones-Sprecher Peter Mörtl auf MZ-Anfrage. Maschinenfabrik Reinhausen und BMW äußern sich nicht zum Thema.

Eigene Windräder für Firmen?

Laut Fichtl prüfen einige Betriebe im Landkreis die Möglichkeit, durch eigene Windkraftanlagen einen direkten Beitrag zur Energieversorgung zu leisten. Die deutschen Krones-Werke setzen bereits vollständig auf Ökostrom mit Herkunftsnachweis, sagt Mörtl. Wie viel Ökostrom von Windrädern bald den Herkunftsnachweis „Landkreis Regensburg“ trägt, dafür stellt am Montag der Planungsausschuss die Weichen.