Bürgerzentrum putzt sich heraus: Rathaus und Stadthalle in Neutraubling werden saniert

Von Dagmar Unrecht · 24. Mai 2024 um 17:00

Faschingsbälle, Stadtempfänge, Konzerte: Die Neutraublinger Stadthalle ist traditionell Schauplatz für eine Fülle von Veranstaltungen. Doch damit ist erst einmal Schluss. Das Gebäude wird, ebenso wie das Rathaus, in den kommenden Jahren energetisch modernisiert. Bei der Gelegenheit werden weitere bauliche Mängel beseitigt. „Dann geht es in einem Rutsch“, sagt Bürgermeister Harald Stadler. Die Stadtverwaltung muss dafür für eineinhalb Jahre umziehen.

Das Bürgerzentrum ist fast 40 Jahre alt. „In all den Jahren wurden aber nur Kleinigkeiten renoviert“, sagt Hochbauamtsleiter Martin Schulze. 2004 sei zum Beispiel ein neuer Gaskessel ins Rathaus eingebaut worden. Die Heizung versorgt auch die Stadthalle mit. Jetzt will die Stadt weg vom Gas und eine Wärmepumpe installieren. Außerdem soll statt der bestehenden Fußbodenheizung auf Klimadecken umgestellt werden – zum Heizen und Kühlen. „Dafür müssen wir den Boden nicht herausreißen“, so Schulze.

Auch die Fenster sollen energetisch ertüchtigt werden. „Wir wollen aber die Optik möglichst erhalten und auch ressourcenschonend sanieren“, sagt Stadler. Noch sei man in der Findungsphase. Was genau gemacht werden soll, wird derzeit geplant. Die Fenster werden wohl eine Dreifach-Verglasung bekommen, sagt Schulze. Dazu eine neue Dichtung. Auch die Rollos sind in die Jahre gekommen. Ein weiterer Knackpunkt ist das Dach. Es soll besser isoliert werden und muss künftig stabil genug sein, um eine weitere PV-Anlage zu tragen. Auch Solarziegel wären eine Option. Darüber hinaus steht die Dämmung der Fassade auf der Agenda. „Die Putzstruktur ist sehr prägend. Das muss am Ende auch optisch passen“, sagt Schulze.

„Keine Bausünde“

Der Bauamtsleiter ist von der Qualität des Bürgerzentrums angetan. „Sehr hochwertig“ sei damals geplant und gebaut worden. „Die Substanz ist sehr gut.“ Auch der Baukörper sei nach wie vor aktuell, findet Stadler. „Das ist keine Bausünde. Den Komplex könnte man heute noch so bauen.“ Daher stehe der Erhalt im Vordergrund, es soll keine unnötigen optischen Veränderung geben.

Die Verbesserungen im Sinne des Klimaschutzes werden gefördert – vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Damit ist eine schnelle Umsetzung verpflichtend verbunden: Spätestens Ende 2027 muss alles fertig sein.

Umbau soll 2025 beginnen

Weil bei Voruntersuchungen leichte Risse im Dachstuhl der Stadthalle ans Licht kamen, wurde diese aus Sicherheitsgründen bereits gesperrt. „Es besteht aber keine Gefahr, das das Dach einstürzen könnte“, versichert Schulze. Aber die Risse müssten verklebt werden.

Neben der ökologischen Ertüchtigung sollen mit dem Umbau weitere Verbesserungen umgesetzt werden. So soll zum Beispiel die Technik effizienter werden und auch in den kühleren Keller umziehen. Die Galerie der Stadthalle kann bisher nicht genutzt werden, weil ein zweiter Rettungsweg fehlt. Das soll sich ändern. „Für weitere Verbesserungsvorschläge der Architekten sind wir offen“, sagt Stadler. Auch im Rathaus wird vom Sitzungssaal aus ein zweiter Rettungsweg eingerichtet. „Der muss auf jeden Fall schön gestaltet werden.“ Außerdem soll die Büroorganisation im Rathaus – aktuell Arbeitsplatz für 59 Mitarbeiter – optimiert werden.

Die Planungen werden noch bis zum Jahresende dauern, 2025 soll der Umbau beginnen. Im ersten Quartal des kommenden Jahres wird die Stadtverwaltung ausgelagert – laut Stadler für eine Dauer von rund eineinhalb Jahren. Ausweichräumlichkeiten würden angemietet. Nur das Einwohnermeldeamt, das in der ehemaligen Bücherei untergebracht ist, soll bleiben. Eine Gelegenheit zum gründlichen Ausmisten ist der vorübergehende Umzug allemal. „Das digitale Rathaus wird beflügelt“, hofft Stadler. Der Service für die Bürger soll durch die Baumaßnahmen aber nicht leiden, versichert er.

Ratskeller zeitweise zu

Von den Baumaßnahmen betroffen ist auch der Ratskeller. Das Restaurant wird laut Stadler zumindest zeitweise schließen, weil die Küche saniert wird. Das Standesamt kann für Trauungen eventuell ins Kulturhaus ausweichen. Für die Stadtratssitzungen wird noch ein Ausweichquartier gesucht. Alternativen für die Stadthalle hat Neutraubling nicht. „Da merkt man, wie wertvoll die Stadthalle ist.“

Bauamtsleiter Schulze ist vor der Baustelle nicht bang. „Nach dem neuen Hallenbad wird das die reinste Erholung.“ Dennoch sei das Ganze nicht ohne: „Wir müssen extrem viel vorplanen.“ Stadler spricht von einem „Leuchtturmprojekt“. Das Bürgerzentrum sei ein Aushängeschild. „Wir haben eine Vorbildfunktion und müssen mit gutem Beispiel vorangehen.“ Im Investitionsprogramm sind derzeit gut acht Millionen Euro für die Gesamtsanierung vorgesehen. Bis zu 90 Prozent der Ausgaben sind laut Stadt förderfähig. Auch das Außengelände soll grüner und klimafreundlicher werden – allerdings wird das erst im Nachgang umgesetzt.

Infos zur Historie

Ursprung: Das Bürgerzentrum wurde auf dem Areal der Offiziersbauten erbaut. Dafür wurden einer der O-Bauten, die Arkaden und das ehemalige Casino abgebrochen. Nur das Ziegelgewölbe, in dem sich heute der Ratskeller befindet, existiert noch.

Neubau: Grundsteinlegung war 1984. 1986 war das Bürgerzentrum fertig.

Die Aufnahme von 1968 zeigt die Offiziersbauten mit Tankstelle (und Casino-Gebäude) Foto: Stadt Neutraubling