Lichtenegger Bund feiert Premiere mit dem „Mühlhiasl“ und der Geschichte eines Außenseiters

Von Stefan Weber · 13. Juli 2025 um 19:00

Vielleicht ist es auch für Regisseur Johannes Reitmeier ein Stück weit „zurück zu den Wurzeln“, als sich am Samstag um 20.30 Uhr nicht der Vorhang hebt, sondern die Bretterwand vor der ebenfalls aus schlichten Brettern gefertigten Rund-Bühne öffnet. Der „Mühlhiasl“ erzählt – dem Tod schon nahe – einem Geistlichen im Siechenhaus auf einem Strohsack liegend seine Geschichte.

Eine Geschichte, die Reitmeier 1992 selbst für den Lichtenegger Bund geschrieben hatte. Die Regie führt er schon seit der Wiedergründung und dem ersten Stück 1986. Der „Mühlhiasl“ kennzeichnete aber den Wechsel des Vereins unter einem neuen Konzept, das sagenhafte Gestalten aus dem Bayerwald in den Vordergrund stellt.

Der Tod spielt mit

Letztmals wurde das Stück im Jahr 2000 auf Burg Lichtenegg gezeigt; In elf einzelnen Szenen geht es um den Müller Matthäus Lang, der erst nicht in sein vorgegebenes Leben und – als die Familie in Armut stürzt – eigentlich gar nicht mehr in die Gesellschaft passen will. Wenn der in sich gekehrte „Mühlhiasl“ doch etwas sagt, dann eckt er nur an. Sei es mit Aussagen über Glauben und Gesellschaft, oder auch wegen seiner heute noch berühmten Weissagungen, die stets viel Raum für Interpretationen lassen.

Dass Walter Kolbeck im 40. Jahr der Neugründung des Vereins einmal mehr in der Hauptrolle alle Zuschauer in seinen Bann zieht, versteht sich quasi von selbst. Doch gerade weil das Stück wie ein Kammerspiel angelegt ist, wird nicht nur vom Hauptdarsteller, sondern von allen auf der Waldbühne (und dahinter) alles gefordert und – typisch LiBu – natürlich auch geliefert. Mehrere Regenschauer am Premierenabend taten dem keinerlie Abbruch.

Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl
Impressionen von der Premiere auf Burg Lichtenegg - Foto: Simon Tschannerl

Die Bühne verändert sich während der elf aufeinanderfolgenden Sequenzen nur minimal. Mal nur ein Baum, ein Kreuz, vier Mehlsäcke – mehr braucht es nicht, denn gefangen wird der Zuschauer vor allem vom Spiel selbst. Damit für die Gäste auf der Burg in den kurzen Umbauphasen, während derer das Bühnenbild wieder geschlossen ist, der Spannungsbogen weiter gehalten wird, braucht es immer nur einen Mann: Den Moritatensänger (Thomas A. Gruber und Stefan Tscherney). Der, wie ihn der Mühlhiasl bezeichnen würde, „Bänkabräumer“ – also der Tod – singt nach jedem Bild eine Prophezeiung des Weissagers und hat sich am Ende der Premiere am Samstag seinen ganz eigenen Applaus mehr als verdient.

Bis ins letzte Detail

Zur spielerischen Leistung gehört gerade auf der kleinen Bühne im Schatten des Palas der Burgruine auch immer ein besonderes Bühnenbild, und hier haben sich die Macher für die Produktion des Mühlhiasl selbst übertroffen. Die bogenförmige Arena, zwölf Meter breit und über fünf Meter hoch, wurde aus der Bühne des zuvor gespielten Brander Kasper gefertigt. Was das an sich schlichte Bühnenbild kann, das offenbart sich dem Zuschauer allerdings erst in der zweiten Hälfte des Stückes, wenn die Dunkelheit heraufzieht und das Licht angeht.

Dann ergeben sich mit LED-Beleuchtung und dann erst sichtbar werdender Dreiteiligkeit der Rückwand Lichteffekte, die es so in der Region noch nicht gegeben hat – kein Wunder: Johannes Reitmeier, langjähriger Intendant des Landestheaters Tirol in Innsbruck, hatte den bekannten Bühnenbildner Michael Zimmermann für das Projekt gewinnen können.

Das Lebensende steht am Anfang des Stückes. - Foto: Simon Tschannerl

Wo alles auf das Wesentliche reduziert ist, spielen die Kostüme – und in diesem Falle auch die Farbe – eine entscheidende Rolle. Kostümbildner Eva Bablick hat aus den Grundfarben Erd- und Rottönen so ziemlich alles aus der Farbpalette herausgeholt, und so werden die Zuschauer beim „Mühlhiasl“ nicht nur bei den Weissagungen des Matthäus Lang ins Grübeln kommen, sondern auch bei den vielen Facetten und Details, die der Lichtenegger Bund auf die an sich schlichte Bühne für die Produktion gezaubert hat.

Die Aufführungen in dieser Saison sind bereits ausverkauft, doch es gibt im kommenden Jahr sicher wieder die Gelegenheit, den „Mühlhiasl“ sehen zu können und herauszufinden, was er meint, wenn er sagt: „Und no im Doud kimm i eich aus.“