Die Weber sind zurück am Ludwigsberg: Kötztinger Festspieler beginnen jetzt mit den Proben für die Saison

Auf zur Revolution heißt es seit diesem Wochenende wieder auf dem Kötztinger Ludwigsberg, denn: Die Weber aus Gerhart Hauptmanns gleichnamigem Stück sind zurück auf der Waldbühne. Ein zweites und letztes Mal zeigen die Festspieler heuer das Sozialdrama in bairischer Fassung und sind schon wieder mittendrin – im Proben, Kulissenbauen und Vorbereiten auf den Theatersommer.
„Der Webstuhl kracht, das Schiffchen fliegt, wir weben emsig Tag und Nacht.“ Dieser Auszug aus der Ballade Die schlesischen Weber von Heinrich Heine trifft die Arbeitseinstellung der ausgebeuteten Weber, die 1892 auch Gerhart Hauptmann in seinem Drama porträtiert. Sie rackern und werkeln und das alles für einen Hungerlohn, den sie von den Fabrikanten bekommen. Kein Wunder, dass es eines Tages eskaliert. Als ein kleiner Weberjunge geschwächt zusammenbricht, beginnen die Weber eine Revolution, die ihresgleichen sucht.
Publikum in Bann ziehen
„Die große Aufgabe der Spieler besteht wieder darin, diese Revolution authentisch zu transportieren“, sagt Sascha Edenhofer, künstlerischer Leiter der Festspielgemeinschaft (FSG). Dazu müsse das Publikum vor allem auf emotionaler Ebene in Bann gezogen werden. Dass dies gelingt, soll nun durch die Probenwochenenden bis zur Premiere am 26. Juli sichergestellt werden. „Das werden vier intensive Wochen“, blickt Edenhofer voraus. „Aber die Spieler sind gut vorbereitet, textsicher und nach letztem Jahr auch miteinander gut eingespielt.“ Jetzt gelte es vor allem, am Feinschliff zu arbeiten. „Letztes Jahr sind wir auf den Punkt fertig geworden“, erinnert sich der künstlerische Leiter, viel Raum für Detailverliebtheit habe es da nicht mehr gegeben.
Das soll jetzt anders werden. Eine besondere Freude macht Edenhofer damit dem Spielersprecher der FSG, Markus Kilger: „Das reizt uns alle so am zweiten Jahr, dass man seine Rolle noch besser entwickeln und verstehen kann.“ Das richtige Schauspiel beginne nämlich erst dann, wenn die Routine einsetzt und man sich nicht mehr darum sorgt, dass man den nächsten Einsatz verpasst. „Dann fängt’s an, so richtig Spaß zu machen“, weiß Markus Kilger aus Erfahrung.
Der Kötztinger steht seit über zehn Jahren konstant auf der Ludwigsberger Bühne, meistens in großen Rollen, wie aktuell in der des rebellischen Webers Bäcker. Als dieser pöbelt er am Freitagabend auch schon wieder munter auf der Bühne herum, provoziert sich in seine Rolle hinein, wie er sagt. Auch vor dem Fabrikanten, gespielt von Johannes Bachl, macht er nicht Halt.
Dabei ist es egal, dass die beiden gerade noch fröhlich miteinander gescherzt haben - auf der Bühne sind sie verfeindet und liefern sich ein Duell, dass die Fetzen fliegen. Man merkt: Die Theaterpause war lang, da hat sich viel angestaut, was jetzt nach außen will. Und so geht es auch den Mitspielern der beiden, nach spätestens einem Durchgang sind sie alle wieder drin in ihren Rollen und im Weber-Fieber.

„Dieses Stück funktioniert nur als Gemeinschaftsleistung“, sagt Sascha Edenhofer dazu und meint nicht nur die Akteure auf der Bühne. Auch hinter den Kulissen laufen bereits wieder verschiedene Prozesse, um in knapp einem Monat bereit zu sein für die Besucher. Hier werden die Requisiten kontrolliert und Akt-weise vorsortiert, damit sie im Ernstfall schnell zur Hand sind.
Perfekte Punktlandung?
Da wird im Brotzeitverkauf aufgeräumt und aufgelistet, was es zur Verpflegung der Zuschauer braucht. Und dort wird an der Bühne emsig gewerkelt, Unkraut gezupft, morsches Holz ausgetauscht und sogar neu tapeziert. Doch trotz aller Hektik und dem Chaos, das ein Saisonstart üblicherweise mit sich bringt, ist Markus Kilger sicher: „Wir helfen wie immer alle zusammen und dann schaffen wir auch heuer eine perfekte Punktlandung zur Hauptprobe II.“ Denn dann kommen als erste Zuschauer auch heuer wieder einige Schüler aus der Region, bevor die Weber am 26. Juli ein letztes Mal Premiere feiern.
Aufführungen
Die Weber finden heuer statt am: 26. Juli (Premiere), 29. Juli, 1.,2.,5.,8. und 9. August. Tickets unter: waldfestspiele.de oder beim Kur- und Gästeservice Bad Kötzting.