Es ist der perfekte Zeitpunkt für den Führungs-Wechsel beim Lichtenegger Bund in Rimbach

Von Stefan Weber · 10. Dezember 2024 um 11:00

Der Lichtenegger Bund hat einen neuen Vorsitzenden, und der heißt Ludwig Kern. Was in vielen anderen Vereinen eine Nachricht ist, die großer Grund zur Freude ist in Zeiten, in denen Mitglieder immer seltener Verantwortung übernehmen wollen, hat sie im Fall des LiBu noch eine ganz andere Dimension abseits der Freude.

Denn mit dem scheidenden Vorsitzenden Walter Kolbeck verabschiedet sich nicht nur ein Vorsitzender nach kapp 40 Jahren von der Spitze: Kolbeck hatte den Verein seit seiner Wiederbegründung im Jahr 1985 ununterbrochen geleitet. Damit endet im wahrsten Sinne des Wortes eine Ära in der Vereinsgeschichte.

Verantwortung wiegt schwer

Es waren sehr kleine Anfänge für den Verein, der heute mit seinen Produktionen weit über die Grenzen des Landkreises hin regelmäßig für Aufsehen sorgt. Im Winter 1985 gegründet, knüpften die Spieler unter der Leitung von Walter Kolbeck an die historischen Stücke aus der Feder von Dr. Otto Menzinger an, die viele Jahre zuvor bereits auf der Waldbühne gezeigt worden waren. Ein Konzept, das fünf Jahre lang funktionierte, das aber mit dem „Mühlhiasl“ 1992 auf komplett neue Beine gestellt wurde.

„Ich wusste am Anfang gar nicht, was auf mich zukommt“, sagt Walter Kolbeck im Gespräch mit unserer Zeitung. Theater-Erfahrung hatte er damals nur sehr wenige. „Der Kikeriki, unsere Jungfrau ist wieder hie“ aus dem Grimms-Märchen während der Schulzeit, sehr viel mehr sei da nicht gewesen. Dafür war er seit 1972 aktiver Sänger beim Notz’schen Bayerwaldchor, und der spielt ja seit jeher eine wichtige Rolle bei den Produktionen des Lichtenegger Bundes.

Viel Zeit ist seitdem vergangen, und dass es am Ende 39 und nicht 40 Jahre geworden sind, in denen er dem LiBu vorstand, das habe für ihn nie eine Rolle gespielt. Auch, dass die Neuproduktion des Mühlhiasl im vergangenen Jahr krankheitsbedingt habe ausfallen müssen, sei nicht der Grund für ihn, nun nicht mehr als Vorsitzender fungieren zu wollen. „Wir haben das jetzt drei Jahre lang vorbereitet“, sagt Walter Kolbeck, darum sei es nun an der Zeit. „Der Walter macht sich nicht vom Acker, und um die ,Jahre‘ ging es mir nie“, sagt er.

Doch mit 81 nähmen nicht nur die Ermahnungen seiner Frau zu, wenigstens beim Bühnenbau etwas weniger mit Hand an zu legen; es sei auch die Verantwortung, die „nicht nur schwer auf den Schultern, sondern auch psychisch“ schwer wiege. Groß seien die Kosten für eine Neuproduktion, und wenn sich die Gelegenheit biete, einen neuen Vorsitzenden zu finden, der dieser Aufgabe nicht nur gewachsen, sondern auch dazu bereit sei, dann müsse die genutzt werden. Denn ebenso wichtig wie junge Spieler zu finden sei, Ehrenamtliche zu finden, die Verantwortung in der Führung eines Vereines – nicht nur beim Lichtenegger Bund – übernehmen wollten. Und: „Ich bin ja noch da und nicht für den LiBu verloren“, sagt Walter Kolbeck noch.

Die eine Lieblingsrolle ...

Doch nicht mehr ganz vorne zu stehen und zu wissen, dass mit Ludwig Kern, der in den vergangenen 25 Jahren schon als Kassier und als stellvertretender Vorsitzender in der Vorstandschaft aktiv mitgearbeitet hat, genau der richtige für die Aufgabe gefunden worden sei, das lasse in ihm umso mehr Freude auf die kommende Saison aufkommen. Denn dann wird es wieder den Mühlhiasl unter der Regie von Johannes Reitmeier geben. Der Regisseur, der ebenso lange für die Umsetzung der Stücke auf der Waldbühne verantwortlich zeichnet wie Walter Kolbeck Vorsitzender war, sei für ihn mehr als nur Spielleiter, er sei ein echter Freund, sagt Kolbeck. Dass er in der Neuinszenierung als „alter Mühlhiasl“ wieder eine tragende Rolle bekommen werde, freue ihn umso mehr (denn auch auf der Bühne wird Walter Kolbeck weiter zu sehen sein), weil ihn mit dieser Rolle viel Positives verbinde: „Den Brandner Kaspar, den hätte ich noch einmal sechs Jahre spielen können“, sagt er. „Den musste ich eigentlich fast gar nicht spielen“, fügt Kolbeck hinzu. Die Rolle – gepaart mit Ernst Martin als Boandlkramer – sei seinem Naturell sehr entgegengekommen. Sollte er aber seine Lieblingsrolle der vergangenen fast vier Jahrzehnte benennen, dann würde er zum Mühlhiasl tendieren. Nicht nur, weil der 1992 die Wende des LiBu weg von den historischen Stücken hin zum Erfolgskonzept der vergangenen über 30 Jahre markiere. „Der Mühlhiasl, der hod mi ’packt“, sagt Walter Kolbeck – und das sogar so, dass er, obwohl der Lichtenegger Bund seit seinem Bestehen keine rote Zahl geschrieben habe, vor lauter Begeisterung für den Stoff im Jahr 2000, dem „Millenium“, sich als Vorsitzender erfolgreich dafür eingesetzt habe, das Stück für nur ein einziges Jahr zu spielen.

Ein Aufwand, den er seinem Nachfolger nicht mehr empfehlen würde, nicht nur mit Blick auf das finanzielle Risiko. Doch für 2025 stelle sich diese Frage ja nicht, denn da sei der Mühlhiasl ja ohnehin gesetzt.