Illegale Transporte bringen Tierheime ans Limit: Auch in Regensburg landen immer wieder viel zu junge Welpen

Von Marion Neumann · 8. Juli 2025 um 19:00

Unterernährt, ungeimpft, viel zu jung und häufig noch schwer krank: In diesem Zustand kommen Welpen ins Regensburger Tierheim, die aus illegalen Hundetransporten stammen. Warum die Tiere die Mitarbeiter an die Belastungsgrenze bringen und weshalb unseriöse Züchter gar nicht so leicht zu erkennen sind, erklären Ariane Weckerle und Andrea Aumeier vom Tierschutzverein Regensburg.

An die jungen Hunde aus dem letzten Welpentransport, die im Regensburger Tierheim Zuflucht fanden, erinnert sich Andrea Aumeier noch genau. „Die Tiere waren gerade einmal drei oder vier Wochen alt. Sie waren in einem Anhänger mit Pferden untergebracht – und voller Pferdeurin. Sie haben jämmerlich gestunken.“

Dieser Vorfall, bei dem insgesamt 17 Welpen von der Polizei bei Nittendorf sichergestellt wurden, ist mittlerweile rund zwei Jahre her. Aumeier, Leiterin des Hundehauses des Tierheims und zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins Regensburg, hat aber noch bildlich vor Augen, in welch schlechtem Zustand die Hunde waren. „Zum Teil haben sie Fieber bekommen oder waren total apathisch. Die mussten richtig aufgepäppelt und alle paar Stunden gefüttert werden, auch in der Nacht. Das hat auch uns an die Belastungsgrenze gebracht.“

Unterernährt und ungeimpft

Überlebt haben von den 17 Welpen, bei denen es sich um beliebte Rassen wie Pudel, Pomeranian und Dackel handelte, glücklicherweise alle. Vom Tierheim aus konnten sie nach einiger Zeit an neue Besitzer vermittelt werden. Eine Selbstverständlichkeit sei das allerdings nicht. „Die Hunde, die bei solchen Transporten aufgegriffen werden, sind zum Teil sterbenskrank. Sie müssten in diesem Alter eigentlich noch Muttermilch trinken“, sagt Ariane Weckerle, die erste Vorsitzende des Tierschutzvereins.

Drei Welpen toben mit ihrer Hundemama und Ariane Weckerle im Auslauf – sie stammen allerdings nicht von einem illegalen Transport, sondern sind aus einem anderen Tierheim nach Regensburg gekommen, erzählt sie. - Foto: Marion Neumann

Erst im Juni hatten Bundespolizisten bei einer Grenzkontrolle auf der A6 bei Waidhaus in einem Kofferraum wieder 20 Hundewelpen aufgegriffen. Die unterernährten und ungeimpften Dackel- und Pudelmischlinge sollten laut dem Fahrer nach Belgien gebracht werden. Nachdem die Polizei den Transport gestoppt hatte, waren die Tiere auf verschiedene Tierheime aufgeteilt worden. Regensburg hatte in diesem Fall keinen Anruf erhalten – doch es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch dort wieder viel zu junge Hunde die Quarantänestation belegen werden müssen.

Illegale Welpentransporte: Pudel in einer Sporttasche

„In so einer Situation wird zunächst einmal das Veterinäramt informiert“, erklärt Weckerle. „Meist werden die Autos und Lkws ja in den Grenzregionen gestoppt. Die koordinieren das weitere Vorgehen und versuchen, die Hunde auf die Tierheime in der Region zu verteilen.“ Trotz Kontrollen nimmt die Zahl der Transporte nicht ab, so der Eindruck der Tierschützerinnen. „Im Gegenteil“, sagt Weckerle, „während es früher so war, dass es vor allem vor Weihnachten und Ostern illegale Transporte gab, gibt es diese Fälle mittlerweile eigentlich das ganze Jahr über.“ Was sich ein wenig verändert habe, sei das Vorgehen, „Dass die Hunde in großen Transportern untergebracht sind, ist etwas seltener geworden“, sagt Aumeier. „Ich erinnere mich da noch an den ersten Welpentransport vor etwa zehn Jahren, bei dem ein Lastwagen mit 150 Tieren angehalten worden ist. Heute ist es so, dass man eher auf normale Autos zurückgreift, in denen sich dann fünf oder sechs Welpen befinden.“

Am Anfang sind das Horror-Tage. Die Hunde sind krank und haben starken Durchfall.

Andrea Aumeier, Hundehaus-Leitung

Weckerle und Aumeier denken da auch an vier Pudelwelpen, eingepfercht in einer Sporttasche. Auch diese Tiere wurden im Regensburger Tierheim aufgepäppelt. „Am Anfang sind das Horror-Tage“, sagt Aumeier. „Die Hunde sind krank und haben starken Durchfall. Man freut sich, wenn ein Tier zehn Gramm zunimmt – und dann nimmt es am nächsten Tag wieder ab. Das ist auch für uns großer seelischer Stress.“

Hundewelpen mit gefälschten Papiere

Doch ganz gleich, wie sehr sich Tierheimmitarbeiter bemühen: Nicht immer würden alle Hunde durchgekommen. So zuletzt auch bei einem weiteren Fall in Schwandorf, bei dem nur die Hälfte der elf illegal ins Land gebrachten Pudelwelpen überlebte. „Man versucht, die Tiere direkt zu impfen. Aber teilweise ist es Glück, ob sie überleben.“ Um das Tierleid einzudämmen, rät Aumeier dringend davon ab, Welpen über das Internet zu kaufen. „Unseriöse Züchter gehen geschickt vor. Sie kaufen junge Hunde aus dem Ausland, die sie zu den Elterntieren und deren Welpen legen. Teilweise haben diese Hunde dann auch gut gefälschte Papiere.“

Dieser Pomeranians ist einer der 17 Welpen, die 2023 ins Tierheim nach Regensburg gebracht wurden. - Foto: Ariane Weckerle

Grundsätzlich, so appellieren die Tierschützerinnen, sollten sich Interessenten in den Tierheimen umschauen. „Dort gibt es auch Rassehunde oder junge Hunde“, sagt Aumeier. „Wichtig ist, dass man sich vorher Gedanken macht – auch darüber, ob man die finanziellen Mittel hat, um die Versorgung eines Hundes zu gewährleisten. Es ist eben ein Tier – nicht bloß eine Sache.“