Tierische Sprechstunde an der Uni: Hunde helfen Studierenden beim Runterkommen

Beim Hundestreicheln wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, das für Entspannung sorgt. Gerade zum Semesterende hin, wo viele Prüfungen anstehen, ist es für viele Studierende wichtig, zwischendurch den Kopf freizubekommen.
Phoebes Lieblingstrick heißt „Garage“. Auf Kommando platziert sich die italienische Wasserhündin zwischen den Füßen einer Studentin. Perfekt eingeparkt, könnte man sagen. Die anderen Studierenden, die auf bunten Sitzkissen in einem Kreis auf dem Teppichboden sitzen, lachen.
Die Stimmung ist ausgelassen in dem Seminarraum an der Uni Regensburg, in dem es eine Stunde lang um Schnüffelspiele, Pfote geben und ganz viele Streicheleinheiten geht. Professorin Silke Schworm und ihr Paws2Study-Team veranstalten hier regelmäßig ihre „Tierische Sprechstunde“, bei der ausgebildete Universitätsbegleithunde mit Studierenden zusammenkommen.
Streicheln vor der Prüfung
„Die Ursache ist noch gar nicht so genau erforscht“, sagt Schworm, „aber es ist so, dass beim Hundestreicheln Oxytocin ausgeschüttet wird. Das ist der Gegenspieler zum Stresshormon Cortisol und sorgt dafür, dass wir uns entspannen.“
Gerade jetzt zum Semesterende hin, wo viele Prüfungen anstehen, sei es wichtig, zwischendurch den Kopf freizubekommen. „Viele Studierende sitzen den ganzen Tag in der Bibliothek und lernen. Die Beschäftigung mit den Hunden reißt sie raus. Es geht dabei um körperliche Interaktion – und auch um Achtsamkeit. Die Hunde merken es sofort, wenn man nicht bei der Sache ist.“
Auch Magnus, der Englisch und Geschichte auf Lehramt studiert, ist froh über die kleine Auszeit. Er ist zum zweiten Mal in der Tierischen Sprechstunde. Unter Anleitung von Phoebes Besitzerin Katrin Schopka bereitet er ein Suchspiel für die Hündin vor und versteckt Leckerlis. Bis sie die Snacks erschnüffelt hat, dauert es nicht lange. „Ich bin auf dem Land aufgewachsen und habe als Kind immer gerne mit den Nachbarshunden gespielt“, sagt er, „auch jetzt, wo ich viel am Lernen bin, hilft mir das gegen den Stress.“
Für Schworm, die eine Professur für Erziehungswissenschaft an der Uni hat und „tiergestützte Intervention in Lehrkontexten“ zu einem ihrer Forschungsschwerpunkte gemacht hat, ist es ein Herzensprojekt. In Zusammenarbeit mit der psychotherapeutischen Beratungsstelle und der Lernberatung der Uni bietet sie auch Einzeltermine für Studierende an. Tierischer Protagonist ist dabei unter anderem ihr Australian Shepherd-Rüde Aljosha.
„Eine junge Frau musste zum Beispiel ihren Hund zuhause lassen, als sie zum Studieren gegangen ist. Ihr hat der Kontakt sehr gut getan“, erzählt sie. Andere kämen kurz vor der Prüfung vorbei, um noch einmal auf andere Gedanken zu kommen. „Ich habe schon den Eindruck, dass der Druck für Studierende mehr geworden ist“, sagt Schworm, „seit der Corona-Pandemie haben auf jeden Fall auch psychische Beschwerden zugenommen.“ Eine Psychotherapie könne und wolle das ehrenamtliche Projekt auf keinen Fall ersetzen, betont sie. „Was wir anbieten, ist eine tiergestützte Aktivität zum Stressabbau.“
Ganz wichtig ist der Professorin auch, dass die Termine für die Tiere nicht in Stress ausarten. „Nicht alle Hunde, die menschenfreundlich sind, eignen sich“, sagt sie. Man müsse sehr genau darauf achten, wann sich ein Tier wohlfühle. „Ansonsten birgt so etwas Risiken und ist auch unfair dem Hund gegenüber“, sagt sie. Alle teilnehmenden Hunde und auch ihre Besitzer hätten eine spezielle Ausbildung durchlaufen. Jährlich werden die Tiere neu geprüft.
Schnüffeln ist Arbeit
„Das Wohl der Hunde steht an erster Stelle“, sagt Schworm, „für die ist das Arbeit.“ Etwa 30 Minuten lang könnten sie sich auf die Studierenden konzentrieren. Dann bräuchten sie Pause von Kuscheln, Schnüffeln und Kommandos befolgen. Am besten geht es danach eine Runde nach draußen.
Auch für Phoebe ist der Termin mit den Studierenden nach einer guten halbe Stunde vorbei. Im Anschluss übernimmt ein anderer Hunde-Kollege aus dem Team. „Aufräumen muss ich ihr noch beibringen“, scherzt Phoebes Besitzerin, als sie Becher, Leckerlis, Plüschmöhren und anderes Spielzeug zurück in ihre Tasche packt.
Schoka selbst ist Psychologie-Studentin und mit ihrer Hündin seit Beginn des Projektes im Wintersemester 2022/23 dabei. „Man merkt, dass Phoebe viel Freude daran hat“, sagt sie, „schon, wenn wir vom Auto in Richtung Uni gehen, ist sie ganz aufgedreht.“
