Die Physiotherapeutin von Huhn Else: 78-Jährige kümmert sich in Runding um Vierbeiner und Federvieh

Von Tanja Fenzl · 4. Februar 2024 um 19:00

Rosemarie Fandree kümmert sich liebevoll um alles, worum man sich in dem kleinen Ortsteil von Runding so kümmern kann. Zugelaufene Katzen, verletzte Hühner, die Pferde auf der Weide nebenan, die Kühe am Nachbarbauernhof.

Schon der Briefkasten, auf dem bunte Hühner aufgemalt sind, verweist auf die Leidenschaft der Bewohnerin des renovierten Bauernhäuschens unterhalb der Ortsstraße von Lufling. Hühner, Federvieh und auch alles, was vier Beine hat.

Epileptikerin Olga liegt faul auf der Bank, auf dem Stuhl schnarcht die blinde Lili lautstark vor sich hin, Kugelschreiberfetischist Kaspar fläzt sich vorm Feuer im Kaminofen. „Das ist der neueste Zugang“, lacht Fandree, der Kater sei kurz nach Neujahr zugelaufen. Die drei Katzen in der Stube sind ihre ständigen Mitbewohner. Draußen füttert die 78-Jährige Zuagroaste gebürtige Berliner in noch zwei weitere Freigänger-Katzen durch.

Berliner Morgenpost bringt sie nach Runding

Nur ein Hund fehlt noch in der Menagerie. „Den hatten wir von Berlin mitgebracht, auch ein Fundtier, der lag mitten auf der Straße damals, ein Lastwagen hätte ihn beinahe überfahren. Aber der Hund ist inzwischen lange gestorben.“ Inzwischen lebt die quirlige Rentnerin allein in dem kleinen Bauernhaus in Lufling, das sie mit ihrem Lebensgefährten gekauft und hergerichtet hatte – zusammen mit ihren Katzen. Eine Anzeige in der Berliner Morgenpost brachte sie vor 30 Jahren in den Bayerwald. „Das Haus ist über 100 Jahre alt, und hat sogar eine eigene Quelle auf dem Grundstück“, schwärmt Fandree.

Inzwischen ist die gelernte Goldschmiedin, die lange in Cham beim Juwelier Guggenberger gearbeitet hatte, in Rente – und päppelt die Dorftiere auf. Eine Katze fand der Nachbarshund im Graben, halbtot, eine andere lief ihr einfach so zu. „Was soll man machen, man muss sich doch kümmern“, zuckt Fandree mit den Schultern.

Hühner sind ihre Lieblinge

Besonders angetan haben es der 78-Jährigen Zuagroasten Else und ihresgleichen. Die Henne ist offiziell die Nachfolgerin von Frieda, die sieben Jahre lang das Lieblingshuhn von Fandree war, die wiederum Mobbingopfer Babette nachfolgte, die von ihren Mithühnern ständig gepiesackt worden war. Elsa nun hatte es wegen ihrer verschieden langer Beine ebenfalls nicht leicht in ihrem Stall. „Da habe ich Physiotherapie gemacht mit ihr“, erzählt Hühnermama Fandree. Jeden Tag habe sie Elsa geholt und ihr Beinchen bewegt und die Sehnen gestreckt. „Und wirklich, auf einmal konnte die wieder laufen“, freut sich Fandree.

Huhn Erna dagegen hatte keine Nägel unten an den Füßen, konnte auf keiner Stange sitzen. „Die habe ich zu mir geholt; sie läuft unmotorisch, aber sie frisst meinen Buchsbaumzünsler, so hat jeder was vom anderen .“

Kuscheleinheiten mit Else

„Mit Else wird jeden Tag im Arm gekuschelt.“ Überhaupt: „Hühner werden immer unterschätzt, das sind absolut schlaue Tiere. Sie verstehen bis zu 32 Wörter“, ist die rüstige Rentnerin von ihren Lieblingstieren überzeugt.

Auch für die Pferde des Nachbarn hat Fandree stets Möhren oder Äpfel parat, und im Rinderstall des anderen Nachbarn ist sie ebenfalls gerne zu Werke. „Die Kühe tun mir einfach auch leid, ich habe allen Namen gegeben und sie werden immer gestreichelt“, grinst Fandree, die in ihrer Freizeit nicht nur die Tiermutter von Lufling ist, sondern auch Boogie-Woogie tanzt.

Geduld ist wichtig

Ihr Markenzeichen, so scheint es, ist Geduld. Die blinde Katzendame Lili, deren völlig verkrustete Augen am Ende vom Tierarzt zugenäht werde mussten, hat mit ihrer liebevollen Hilfe gelernt, sich im Haus zurecht zu finden. „Beim Treppe-Hinuntersteigen habe ich ihr Stufe für Stufe hinuntergeholfen, immer wieder. “ Draußen im Garten darf das blinde Huhn Lili an der Leine frische Luft schnappen ohne Gefahr, sich zu verlaufen.

„Eigentlich wollte ich nach dem Tod unserer Katze und unseres Hundes aus Berlin kein Tier mehr haben. Aber sie sind alle zugelaufen. Was will man machen?“, sagt Fandree und streichelt ihrer Lili über den Kopf. „Jetzt kann ich eben nicht mehr reisen. Aber das ist nicht schlimm.“

Die Rinder des Nachbarn bekommen ebenfalls regelmäßig Streicheleinheiten. Foto: Fandree
Rosemarie Fandree inmitten der Hühnerschar am Nachbargrundstück. Sie kümmert sich gerne Elsa und ihre Freundinnen. „Man sagt immer, du dummes Huhn, dabei stimmt das gar nicht.“ Foto: Fandree