Manuel Schwarz geht mit vielen Hunden gleichzeitig Gassi und macht die Fellnasen glücklich

Von Alexander Frimberger · 2. November 2023 um 05:00

Wenn Manuel Schwarz durch Furth im Wald (Landkreis Cham) marschiert, dann winken ihm Autofahrer aus geöffneten Fenstern zu, Spaziergänger bleiben lächelnd stehen, fotografieren und blicken ihm hinterher. Als Dogwalker, also professioneller Gassigeher, ist er das gewohnt.

Jedem bekennenden Hundemenschen geht das Herz auf, wenn er den 33-Jährigen mit seinem Rudel auf der Straße trifft. Da ist der sieben Monate alte Hogan. Der Irish Wolfhound ist ein sensibles Riesenbaby, das ebenso brav mitläuft, wie Dogge Apachie oder die kleine Französische Bulldogge Henry. Insgesamt neun Hunde nimmt Schwarz an diesem Tag mit auf einen ausgiebigen Spaziergang. „Können auch schon mal zehn und mehr sein“, so Schwarz.

Aus Rüpeln werden Lämmer

Unterstützt wird er diesmal von seiner Frau Jessica, „Ich komme gerne mit, wenn ich Zeit habe“, sagt sie. Was natürlich sofort auffällt: Kein Ziehen an der Leine, kein aufgeregtes Bellen. Außenreize, wie andere Hunde, Autos, knatternde Mofas oder spielende Kinder prallen an den folgsamen Vierbeinern völlig ab. Sie bleiben ruhig und entspannt, kennen ihren Platz im Rudel. Erstaunlich, vor allem, wenn er Henrys Geschichte erzählt: „Der ist früher auf jeden Hund losgegangen, heute ist er fast der bravste von allen.“

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Um einen Beinamen zu strapazieren, der für den amerikanischen Kult-Hundetrainer Cesar Millan erfunden wurde: Wie trainiert der Oberpfälzer Hundeflüsterer das? Schwarz winkt ab: „Ich trainiere weder Menschen noch Hunde, ich bilde sie auch nicht aus, das machen Hundetrainer.“ Als Dogwalker ist er dafür zuständig, die Grundbedürfnisse eines Hundes nach Bewegung und sozialen Kontakten zu befriedigen. „Und wir kommunizieren mit ihnen.“Positiver Nebeneffekt: Die Hunde lernen so, auch Außenreize zu ignorieren. „Den Unterschied könnte man so erklären: In der Hundeschule gilt das Prinzip ein Hund, ein Mensch, bei einem Dogwalker lautet die Formel ein Mensch, viele Hunde.“

Es wirkt, das merken auch die Besitzer ihrer Lieblinge, die teilweise gar nicht glauben können, wie sich ihre kleinen und großen Problemfälle zu angenehmen Begleitern entwickeln. Für Schwarz liegt das aber auf der Hand: „Nur ein ausgeglichener Hund ist ein guter Gefährte.“

Fragt man ihn nach der Zauberformel, auch schwierige Charakter in sein Rudel integrieren zu können, lächelt er und zeigt auf seine drei wichtigsten Mitarbeiter: Den weißen, sieben Jahre alten Golden- Retriever-Mix Edgar, die dreijährige Schäferhündin Lotte und Alma, eine zweieinhalbjährige schwarze Labradorhündin. Die drei sind dabei, wenn er zu einem Hund gerufen wird: „Dann schaue ich mir erst einmal an, was für eine Energie der Neue hat.“ Anschließend wird der Hund in sein eigenes Rudel integriert. Nach gut einer Stunde ist das passiert und das Rudel um ein Teilzeitmitglied erweitert. „Wir haben bisher noch keinen Hund abgelehnt, behalten uns lediglich vor, einen Maulkorb anzulegen“, erzählt Jessica Schwarz. „Aber auch das war bisher noch nicht notwendig.“ Auslauf, Respekt und Liebe, also Stimulierung von Körper, Geist und Herz, das ist in den Augen des gelernten Friseurs der Schlüssel fürs Hundeglück.

Ausstrahlung und Technik

„Als Mensch brauchst du die richtige Mischung aus Ausstrahlung, Technik und Erfahrung, damit es klappt.“ Schwarz hat mit einem Hund angefangen. Wenn man sich wohl und sicher fühlt, nimmt man einen weiteren dazu und so weiter. „15 auf ein Mal traue ich mir zu.“ Seit rund fünf Monaten fährt er jetzt die Region ab, lädt Hunde ein und geht mit Ihnen zwischen eineinhalb und zwei Stunden spazieren. 22,50 Euro kostet das, wer ein Abo nimmt, kommt günstiger weg. Der Ausführservice Rudelzeit ( Tel. 0151/70855069) ist unter anderem montags in Furth im Wald unterwegs. Er eignet sich für Hundebesitzer, die beruflich stark eingespannt sind oder geänderte Lebensumstände haben.

Letzte Frage: Bleibt es bei drei Hunden? Manuel Schwarz schaut seine Frau an und grinst: „Von mir aus könnten es zehn sein.“ Auch wenn sie nicht Nein sagt, daraus wird wohl erst einmal nichts: „Wir haben doch gar nicht den Platz dafür.“

Neun auf einen Streich: Egal ob riesige Dogge oder Papillon, Hunde lieben den sozialen Kontakt untereinander und lange Spaziergänge. Fotos: Frimberger