Nicht nur die Kosten für Futter sind enorm gestiegen: Wird der Hund zum Luxus?

Von Marion Neumann · 9. November 2024 um 15:00

Wie belastend die Preissteigerungen ist bei der Sozialen Futterstelle in Regensburg nur zu gut bekannt. Der Verein, der bedürftige Tierbesitzer unterstützt, greift derzeit 147 Menschen mit 49 Hunden und mehr als doppelt so vielen Katzen unter die Arme.

Seit sechs Wochen geht es bei den Pfannenschmids rund. Zusätzlich zu den sieben erwachsenen Hunden fordern noch sechs kleine Dalmatiner die Aufmerksamkeit der Familie. „Die Welpen wachsen bei uns im Haus auf“, sagt Frank Pfannenschmid, „mittlerweile fressen sie schon festes Futter“.

Seit rund zwölf Jahren gibt es die Hobbyzucht „Dalmatiner vom Roten Herzfleck“ im Nordosten der Stadt bereits. „Wir möchten die Rasse erhalten und die schönen Eigenschaften dieser Hunde in die nächste Generation bringen“, sagt er, „es geht nicht um die Produktion von möglichst vielen Welpen“.

Was das zukünftige Zuhause des jüngsten Nachwuchses betrifft, werden zunächst einmal Anfragen gesammelt. „Wir schauen uns sehr sorgfältig an, ob einer unserer Hund wirklich zu den Interessenten passt – und ob sie in der Lage sind, ein Leben lang für ihn zu sorgen.“ Dass Hundehaltung nicht nur eine Zeit-, sondern auch eine Kostenfrage ist, sollte zukünftigen Besitzern bewusst sein. „Auf das Leben des Tieres gerechnet, sind das wahrscheinlich die Kosten eines Klein- oder Mittelklassewagens“.

Nur einer der Kostenfaktoren, den Halter miteinberechnen müssen, sind die Preise für Hundefutter – und die sind im vergangenen Jahr deutlich in die Höhe gegangen. So verzeichnet das Statistische Bundesamt für 2023 eine Steigerung von 16,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Die Gesamtteuerung lag im gleichen Zeitraum bei 5,9 Prozent.

Tierarzt kann teuer werden

Bei den Pfannenschmids selbst spielen die Futterkosten eine eher untergeordnete Rolle. „Wir machen Rohfütterung, das ist von Grund auf etwas teurer. Dafür kaufen wir gleich in größeren Mengen und machen die Gefriertruhe voll.“ Trotzdem spürt auch der Hobbyzüchter: „Hunde werden immer mehr zum Luxus.“ Sichtbar werde das seinem Empfinden nach vor allem durch die gestiegenen Tierarztkosten. „Wenn ein Welpe Durchfall bekommt, könnte man von den Behandlungskosten sehr viel Futter bezahlen“, sagt er.

Dass diese Kosten gestiegen sind, hängt mit der aktuellen Gebührenordnung für Tierärzte zusammen, die im November 2022 in Kraft getreten ist. Die Bundestierärztekammer hatte darin die Kosten für Behandlungen erhöht. Da es auch in den Praxen in den vergangenen Jahren massive Kostensteigerungen durch Gehaltserhöhungen sowie höhere Kosten für Energie, Arzneimittel und Praxisbedarf gegeben hatte, sei eine Anpassung längst überfällig gewesen, so die Begründung. Gerade für die Besitzer älterer Hunde seien die hohen Behandlungskosten eine große Belastung, so Pfannenschmid. „Ich kenne Leute, die sich deswegen persönlich sehr einschränken müssen. In den Urlaub gefahren wird da schon lange nicht mehr. Sie leben eigentlich nur für das Tier.“

Wie belastend die Preissteigerungen sowohl beim Futter als auch für den Tierarzt seien, weiß Helga Graef-Henke, erste Vorsitzende der Sozialen Futterstelle in Regensburg, nur zu gut. Der Verein, der bedürftige Tierbesitzer unterstützt, greift derzeit 147 Menschen mit 49 Hunden und mehr als doppelt so vielen Katzen unter die Arme. „Wir merken es extrem. Vor allem qualitativ hochwertiges und medizinisch indiziertes Futter, etwa für Tiere mit einer Nierenerkrankung oder Diabetes, ist sehr teuer geworden“, sagt sie. Für ältere Menschen mit geringer Rente würden schon ein oder zwei Euro mehr viel ausmachen. „Die Scham darüber ist riesig“, sagt Graef-Henke.

Gleichzeitig sei auch die Zahl der Futterspenden seit etwa einem dreiviertel Jahr deutlich zurückgegangen. „Die Leute haben weniger Geld. Dadurch müssen wir mehr zukaufen“, so die Vorsitzende. Über Unterstützung in Form von Futter- oder Geldspenden würde sich der Verein daher besonders freuen. Dass die Preise für Hundefutter deutlich gestiegen sind, geht auch Ariane Weckerle, Vorsitzende des Tierschutzverein Regensburg, nicht vorbei.

Angewiesen auf Spenden

„Zum Glück spenden viele Leute noch, obwohl die Kosten allgemein steigen. Dafür sind wir sehr dankbar und ohne würde es auch nicht gehen.“ Derzeit sind 15 Hunde im Tierheim in der Pettendorfer Straße untergebracht. „Damit sind wir noch im grünen Bereich“, sagt sie, „allerdings ist das natürlich eine Momentaufnahme“. Die Aussage, dass Hundehaltung ein Stück weit zum Luxus geworden ist, kann sie gut nachvollziehen. „Vor allem, was die Tierarztkosten betrifft. Man muss schon überlegen, ob man der Verantwortung gerecht werden kann.“

Wer sich diesen Schritt gut überlegt hat und auch finanziell ein Leben lang für das Tier aufkommen kann, hat mit einem Hund aus dem Tierheim aus Kostensicht zumindest eine ganz kleine Erleichterung: „Wer einen Hund aus dem Tierheim aufnimmt, ist in der Stadt Regensburg ein Jahr lang von der Hundesteuer befreit“, so Weckerle.

Mehr Tiernahrung zukaufen muss die Sozialen Futterstelle Regensburg, erzählt die erste Vorsitzende Helga Graef-Henke. Foto: Graef-Henke