Lotto-Laden-Chef aus Regensburg wegen Mordes in Schwabach angeklagt

Tötete er heimtückisch den Ehemann seiner Geliebten? Ein 60-Jähriger muss sich ab 11. Juli in Nürnberg vor dem Schwurgericht verantworten. Die angeklagte Bluttat vor einem Wohnblock in Schwabach hatte auch Folgen in Regensburg. Das Geschäft des Angeklagten blieb von heute auf morgen geschlossen – und rund 100 Pakete liegen.
Wochenlang hat das plötzliche Aus des Lotto-Ladens am Fischmarkt im Sommer 2024 für Empörung gesorgt. Von einem Tag auf den anderen war geschlossen. An rund 100 Pakete, die zur Abholung dort lagerten, war kein Rankommen. Das, worüber hinter vorgehaltener Hand geredet wurde, ist jetzt offiziell: Dem Geschäftsmann wird Mord aus Heimtücke vorgeworfen. Ab 11. Juli wird ihm in Nürnberg der Prozess gemacht.
Bluttat spielt in einem Stadtteil von Schwabach
Immer wieder stehen im August und September verwunderte Bürger vor dem Lotto-Laden samt Paketshop. Doch die Metalltür mit Graffitis und zahllosen Aufklebern bleibt verriegelt. Am 17. August, einem Samstag, haben sie sich das letzte Mal geöffnet. Nicht wenige Kunden hatten da noch ihre Pakete aufgegeben, die aber wohl nie vom Dienstleister abgeholt wurden. Auch der stand vor verschlossener Tür. Erst Ende September bekam DHL wieder Zugang – und räumte die Pakete in Windeseile aus dem Laden.
Glaubt man einer aktuellen Anklage der Staatsanwaltschaft, ist eine Bluttat am Montag darauf (19. August) der wahre Grund dafür. Denn der heute 60-Jährige, der den Laden am Donauufer am Rand der Regensburger Altstadt betrieb, soll einen Mann getötet haben. Vom Lotto-Laden bis zum Tatort im Schwabacher Stadtteil Eichwasen sind es mehr als 100 Kilometer. Auf dem Weg dorthin, da sind sich die Ermittler sicher, soll er den Mord schon geplant haben.
Das Opfer, das damals direkt vor einem Wohnblock seinen Stichverletzungen erlag, soll der Ehemann der Geliebten des Regensburgers gewesen sein. Auslöser soll dessen feste Überzeugung gewesen sein, die Frau würde zu Hause nicht gut behandelt. Fakt ist: Als der heute 60-Jährige ihm am frühen Morgen auflauerte, kam es zu tödlichen Messerstichen. Die Frau soll noch versucht haben, ihn von der Tat abzuhalten. Der Angeklagte schubste sie jedoch weg. Die 30-Zentimeter-Klinge des Küchenmessers traf ihren Ehemann offenbar ins Herz, als er am Boden gelegen haben soll. Sechs Tage später wurde der Verdächtige festgenommen und kam in U-Haft.
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Die Anklage sieht darin Mord aus Heimtücke. Seit 2019 soll der Regensburger mit der zur Tatzeit 40-jährigen Ehefrau ein Verhältnis gehabt haben. Und: Zur Tat soll sich der Angeklagte auch schon geäußert haben. Das bestätigten die Strafverteidiger Sandra Rothschild und Michael Haizmann auf Nachfrage. Zum Prozessauftakt am 11. Juli „werden wir uns nochmal ausführlich zur Sache einlassen“, kündigten sie an.
Der Angeklagte führt Notwehr als Grund an
Der Angeklagte berufe sich auf Notwehr und will sich an jenem Montag im August 2024 nur verteidigt haben. Nach MZ-Informationen gibt es zur Bluttat in Schwabach allerdings auch Augenzeugen. Nachbarn sollen Teile der Tat beobachtet haben. Was genau sie sahen, wird sich wohl erst vor dem Schwurgericht zeigen. Das Nürnberger Landgericht hat insgesamt elf Prozesstage bis zum 1. August angesetzt. „Uns steht im Prozess eine lange und schwierige Beweisaufnahme bevor“, sagte Michael Haizmann zur MZ.