Hammer-Attacke an Silvester: Opfer aus Regensburg lebt bis heute in Angst

Von André Baumgarten · 3. Juli 2025 um 09:00

Im Flur eines Mehrfamilienhauses wird eine Seniorin am letzten Tag des Jahres brutal angegriffen. Sie überlebt die Tat im Wahn nur knapp. Eine 41-Jährigen steht dafür im Sicherungsverfahren vor dem Landgericht. Der Regensburgerin droht eine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie.

Mit einem Hammer wird eine Seniorin am Silvestertag fast totgeschlagen. Für die blutige Attacke aus dem Nichts muss sich nun eine 41-Jährige vor dem Schwurgericht verantworten. Sie schweigt auf Anraten ihrer Anwältin – nicht zuletzt, weil sie zum Zeitpunkt der Tat wohl im Wahn handelte. „Es tut ihr ganz schrecklich leid“, betont Narine Schulz. Ihre Mandantin wolle aus einem Erbe unbedingt Wiedergutmachung leisten. Das Opfer indes leidet bis heute. Sie sagte unter Tränen vor Gericht aus.

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Mit einem Gehstock führt Nebenklage-Anwalt Julian Wunderlich die über 80-Jährige zum Zeugenstuhl. Die Beschuldigte hat freiwillig den Platz gewechselt, wendet sich ab, wird zusätzlich von einem Wachmann abgeschirmt. Denn die Seniorin hat Angst, ihr im Gerichtssaal gegenüberzutreten. Ärzte fürchten eine weitere Traumatisierung. Doch „sie will aussagen“ und „es hinter sich bringen“, um abschließen zu können mit dem, was am 31. Dezember geschah. Das sagt die Seniorin einem psychiatrischen Gutachter.

Unter Tränen: Hochbetagt Seniorin sagt vor Gericht aus

Die Aussage vor dem Schwurgericht fällt der hochbetagten, zierlichen Dame schwer. Als sie schildert, woran sie sich erinnert, wird ihre Stimme brüchig, sie schluchzt, weint: „Auf einmal fühl ich von hinten, dass mich jemand schlägt. So intensiv, dass alles geblutet hat.“ Wohl um an den Schlüssel zu kommen, „hat sie mir die Hand gebrochen, mit dem Hammer“. Selbst als sie zu Boden gegangen war, hörte es nicht auf. Sie habe um Hilfe gerufen, „dann hab ich nimmer können“. Gekannt habe sie die 41-Jährige nicht. „Warum läuft die frei rum, wenn sie psychisch krank ist“, fragt sie.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 41-Jährige „grausam und unbarmherzig“ töten wollte, aber im Zustand der Schuldunfähigkeit handelte. Sie soll erst von der Geschädigten abgelassen haben, als an jenem Tag ein Nachbar zu Hilfe kam. Das Landgericht hat in dem sogenannten Sicherungsverfahren zu entscheiden, ob die Beschuldigte dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht wird. Aufgrund paranoider Schizophrenie sei die Frau eine Gefahr für die Allgemeinheit, so die Argumentation der Regensburger Staatsanwaltschaft.

Ich hoffe, dass das nicht mehr vorkommt, und sie ihre Strafe bekommt.

Die geschädigte Seniorin sagte am Mittwoch vor Gericht aus

„Wenn sie eingesperrt ist, dann ist alles in Ordnung für mich“, sagt die über 80-Jährige am Ende ihrer Aussage. Nicht nur seelisch kämpft die Seniorin bis heute mit den Folgen. Sie leide unter Angstzuständen, habe noch immer Schmerzen am Kopf, ist an einem Arm eingeschränkt und gehe seitdem wegen Schwindelattacken am Stock. Die Frau, die dafür verantwortlich sein soll, verfolgt die Schilderungen der Zeugin durchgehend mit gesenktem Blick, atmet teils immer wieder tief durch. Sie wirkt jedoch völlig klar und auch gut sortiert.

- Foto: Baumgarten

Ganz anders war das wohl am Tattag: „Dieser Blick“, sagt ein Nachbar, „das war meiner Ansicht nach psychotisch“. Der 47-Jährige kennt die Beschuldigte „vom Sehen und von der Arbeit“. Er ist Sozialpädagoge und in der Psychiatrie tätig. Am 31. Dezember eilte er der Seniorin sofort zu Hilfe. Er kam hinzu, als die Angreiferin über ihr Opfer gebeugt noch mit dem Hammer auf die Frau einschlug. Das Scheppern, das er in dem Überraschungsmoment hörte, ordnete er später der Tatwaffe zu. Den handelsüblichen Hammer ließ die Frau zurück, als sie von ihrem Opfer abließ und flüchtete.

Nach dem Notruf versorgen der Nachbar und seine Freundin die Seniorin. Der Polizei gelingt kurze Zeit später die Festnahme der mutmaßlichen Täterin; knapp 300 Meter vom Tatort in der Friedrich-Ebert-Straße entfernt. Sie kam zunächst in U-Haft, dann ins Bezirksklinikum. Schon vor der Hammer-Attacke kam es zu einem Angriff, der ebenfalls Thema vor Gericht ist. Die 41-Jährige soll einen Autofahrer an einer nahen Tankstelle mit einem Spielzeugschwert aus Holz geschlagen haben. Auch er sagte am ersten Tag vor Gericht aus.

Gutachter und weitere Zeugen werden angehört

Das Landgericht rechnet spätestens Ende Juli mit einer Entscheidung. Maßgeblich dafür dürfte die Prognose eines Sachverständigen werden, der die Frau untersucht hat. Bis dahin sollen weitere Zeugen zu Wort kommen. Drei weitere Verhandlungstage sind geplant.