Hammer-Angriff auf Seniorin in Regensburg: 41-Jährige erneut beim Richter

Von André Baumgarten · 8. Januar 2025 um 15:00

Griff eine Frau mitten in Regensburg völlig grundlos zwei Menschen an? Handelte sie womöglich im Wahn? Nach zwei Bluttaten am Silvestertag hat sich ein psychiatrischer Gutachter zu der Verdächtigen vorläufig festgelegt.

Zwei brutale Attacken auf eine Seniorin sowie einen Autofahrer erschütterten Regensburg am letzten Tag des Jahres 2024. Täterin soll eine 41-Jährige sein, die am Silvestertag offenbar ohne einen Grund zuschlug – erst an einer Tankstelle in der Kirchmeierstraße, dann in einem nur wenige Hundert Meter entfernten Wohngebiet. Das mehr als 80 Jahre alte Opfer der Frau wird bis heute in einer Klinik behandelt. Zu den Hintergründen gibt es nun erste Details. Und: Die Verdächtige ist nicht mehr in Haft, sie kam in die Psychiatrie.

Wie Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher, Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft, bestätigte, hob das zuständige Amtsgericht den Haftbefehl auf und ordnete die Unterbringung der 41-Jährigen an. Grundlage sei das vorläufige Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen gewesen. Das habe erst am 2. Januar eingeholt werden können. Tags zuvor, am Neujahrstag, war die Tatverdächtige einem Bereitschaftsrichter vorgeführt worden, nachdem sie in Tatortnähe verhaftet worden war.

Die Verdächtige musste also zweimal binnen weniger Tage beim Richter vorgeführt werden. Die Ermittler des für Kapitalverbrechen zuständigen Kommissariats 1 der Regensburger Kripo hatten noch am Silvestertag die Bearbeitung des Falls übernommen. Der 41-Jährigen wird laut einer Mitteilung der Regensburger Polizei versuchter Totschlag sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Darauf lautete zunächst auch der nun aufgehobene Haftbefehl.

Droht statt Anklage eher Unterbringung?

Ob sie dafür allerdings letztlich zur Rechenschaft gezogen werden kann, ist derzeit noch offen. Womöglich war aber ein akuter Krankheitsschub der Auslöser für die Eskalation der Gewalt. Die Beschuldigte soll psychisch krank sein. Handelte sie also im Wahn? Das hätte zur unmittelbaren Folge, dass sie strafrechtlich nichts zu fürchten haben könnte. Sollte eine sogenannte Schuldunfähigkeit tatsächlich infrage kommen, könnte statt einer Anklage- wohl eher eine Antragsschrift folgen.

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Letzteres würde zwar vor dem Schwurgericht enden, aber in einem Sicherungsverfahren münden. Dabei geht es nicht um Schuld oder Unschuld, sondern vielmehr um die Frage nach einer dauerhaften Unterbringung der 41-Jährigen in einer psychiatrischen Klinik – zum Schutze der Allgemeinheit. Final entschieden würde das allerdings erst durch das Landgericht.

Fest steht: Die beiden Vorfälle am Silvestertag stehen offenbar in keinem Zusammenhang. Gegen 5.45 Uhr soll die Frau an einer Tankstelle erstmals auffällig geworden sein. Hier wurde laut Polizei ein Autofahrer verletzt: Ihm soll die Frau einen Gegenstand ins Gesicht geschleudert haben und dann geflüchtet sein. Weniger als fünf Stunden später, Luftlinie nur knapp 300 Meter entfernt, folgte gegen 10.30 Uhr die zweite blutige Attacke.

Auf der Treppe eines Mehrfamilienhauses in der Friedrich-Ebert-Straße, mitten in einem Wohngebiet im Stadtteil Königswiesen, soll die 41-Jährige brutal mit einem Hammer auf eine Seniorin eingeschlagen und diese im Kopfbereich sehr schwer verletzt haben. Lebensgefahr bestand laut den Polizeiangaben jedoch keine. Die ältere Dame, deutlich über 80 Jahre alt, musste aber mehrfach operiert werden. Sie liegt auch gut neun Tage nach dem Angriff noch immer im Krankenhaus.

Kripo sicherte am Tatort akribisch Spuren

Beide Male soll es nach aktuellem Ermittlungsstand der Kriminalpolizei im Vorfeld keinen Auslöser, wie beispielsweise einen Streit, gegeben haben, hieß es. Spezialisten der Kripo sicherten am Tatort akribisch Spuren und ermitteln auch im Umfeld der Tatverdächtigen, die deutsche Staatsbürgerin ist.