Tot in der Tiefgarage: Der Fall Marie G. sorgte für Entsetzen in Regensburg und der Region

Anfang Mai erschütterte ein grausiges Verbrechen die Region: Abgelegt im Kofferraum ihres Autos wird in einer Tiefgarage in der Frankenstraße in Regensburg die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Tags darauf schickt ein Richter den Ex der 19-Jährigen in U-Haft. Nun gibt es dazu ein bedeutendes neues Detail.
Seitdem ist es ruhig geworden, Mordermittler aus Regensburg und Amberg arbeiten Hand in Hand. Bis heute, wie ein Sprecher der Amberger Staatsanwaltschaft aktuell bestätigt. Neu ist: Der Haftbefehl gegen den Tatverdächtigen ist angepasst worden – er lautet nun auf Mord.
Rückblick: Weil der Polizei ein dunkelblauer Opel Corsa mit eingeschlagener Seitenscheibe gemeldet wurde, rückt am 4. Mai eine Polizeistreife an. Das Auto, zugelassen auf einen Elternteil von Marie G., steht in der nachts unversperrten Tiefgarage. Eine routinemäßige Kontrolle, denken sich die Beamten an jenem Morgen sicherlich. Sie durchsuchen den Kleinwagen, finden im Inneren den Geldbeutel. Schon da dürften Zweifel daran aufgekommen sein, es liege ein einfacher Fahrzeugaufbruch vor.
Fitnessstudio durchsucht
Als ein naher Angehörige in der Frankenstraße eintrifft, überprüfen die Polizisten und er das Umfeld. Darunter ein Fitnessstudio, in dem die 19-Jährige wohl trainierte. Nichts. Schon da war klar, dass Marie seit Freitag für ihre Familie nicht mehr erreichbar gewesen ist. Die schlimmsten Befürchtungen werden am Vormittag dann Realität: Die lebensfrohe junge Frau, die gerade die Ausbildung als Bestatterin abgeschlossen hatte, ist tot.
Mehr noch: Sie wurde Opfer eines schrecklichen Gewaltverbrechens. Nachdem die Leiche der 19-Jährigen im Kofferraum entdeckt wurde, riegelte die Polizei die Tiefgarage für einen Baumarkt und das Fitnessstudio komplett ab. Spezialisten der Spurensicherung übernehmen vor Ort, dazu Ermittler des für Kapitalverbrechen zuständigen Kommissariat 1 der Kriminalpolizei. Die ganze Familie des Opfers wird psychologisch betreut – auch, weil ein Verwandter Augenzeuge wurde, als der Leichnam der 19-Jährigen im Kofferraum des Kleinwagens entdeckt wurde.Rechtsanwalt Robert Hankowetz vertrat früh die Angehörigen und bat „ganz dringend darum, die Privatsphäre der Familie zu akzeptieren“. Für diese zähle „einzig und allein, die Tat aufzuklären“, betonte er damals. Das sei auch bis heute der Wunsch geblieben, wie er auf aktuelle Anfrage betonte. „Wir haben vollstes Vertrauen in die Arbeit der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft“, sagte Hankowetz nun. Dass das eine gewisse Zeit in Anspruch nehme, sei ganz normal. „Wir sprechen schließlich von Ermittlungen wegen Mordes, darauf steht nicht weniger als lebenslänglich.“
Die Höchststrafe im deutschen Strafrecht könnte dem Beschuldigten tatsächlich drohen. Wie Tobias Kinzler, stellvertretender Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft in Amberg, nun bestätigte, wurde der Haftbefehl angepasst. Statt auf Totschlag lautetet der Vorwurf mittlerweile auf Mord. Ändern würde das für den 55-Jährigen nichts – für ihn gelte bis zu einem Urteil die Unschuldsvermutung, betonte Oberstaatsanwalt Kinzler weiter. Wann in dem Fall Anklage erhoben werde, könne er nicht sagen. „Dafür ist es zu früh, die polizeilichen Ermittlungen stehen aber kurz vor dem Abschluss.“ Details dazu, was dem Mann konkret vorgeworfen wird, wollte die Anklagebehörde nicht preisgeben.
Todesursache war nach MZ-Recherchen Erwürgen. Tatort soll nicht die Tiefgarage, sondern das Wohnhaus des Verdächtigen in Maxhütte-Haidhof (Landkreis Schwandorf) sein – darauf deuteten früh Blutanhaftungen der Toten. Die hatten Ermittler gefunden, eine DNA-Analyse ordnete sie eindeutig dem Opfer zu. Das etwas zurückgesetzt liegende Anwesen in einem kleinen Ortsteil war über Tage hinweg durchsucht worden. Davon zeugten zahlreiche Markierungen, unter anderem an der Haustür und am Türknauf zur Garage. Deshalb wechselte die Zuständigkeit an die Amberger Ankläger.
Der Beschuldigte schweigt
Über den Mann, der Marie ermordet haben soll, war und ist wenig bekannt. Fest steht: Er war ein Arbeitskollege und hatte eine Beziehung mit der jungen Frau aus dem Landkreis Cham. Die 19-Jährige hatte sich aber wohl getrennt. Bei den Ermittlern, die ihn nur wenige Stunden nach dem schrecklichen Fund in Regensburg ins Visier genommen hatten, schweigt er bis heute – das bestätigte Strafverteidiger Dr. Christian Meisl, der den Bestatter mit Christian Reiser und Helmut Mörtl vertritt. „Nach unserer Kenntnis laufen noch Ermittlungen.“
Viel deutet auf einen Femizid hin. So nennt man es, wenn Frauen getötet werden, weil sie Frauen sind. Oftmals durch die Hand ihres Partner oder Ex, in vielen Fällen aus Besitzdenken, weil sie sich trennten oder es vorhatten. Laut Zahlen des Bundeskriminalamts gab es 2023 beinahe jeden Tag einen Femizid in Deutschland: 360 Mädchen und Frauen verloren im vergangenes Jahr so ihr Leben. Marie G. war eine davon.

