Attacke mit Messer: Mord-Alarm führt zu Großeinsatz in Neutraubling

Bewaffnete Polizisten und Retter rücken nach einem dramatischen Notruf im Zentrum von Neutraubling im Landkreis Regensburg an. Die Beamten suchen ein Haus ab und öffnen eine Wohnung. Der vermeintliche „Täter“ kommt wenig später völlig arglos dazu – das „Opfer“ und ein Kind im Schlepptau. Hat der falsche Notruf nun Folgen?
Maschinenpistolen im Anschlag, zig Polizisten in Zivil und Uniform – ein Notruf hat am Mittwoch für große Verunsicherung in Neutraubling gesorgt. Kurz vor 17 Uhr beziehen Einsatzkräfte in der Neudeker Straße mit einem Großaufgebot Stellung. Sie sichern die Umgebung, suchen in einem Haus ein schwer verletztes Opfer, das vom Ehemann mit einem Messer brutal attackiert worden sein sollte. Der kam nur wenig später nichtsahnend zum „Tatort“.
Anrufer meldet Gewalttat mit einem Messer
Wie Polizeisprecher Alexander Schmitt bestätigt, war gegen 16.40 Uhr per Notruf eine Gewalttat gemeldet worden. „Und, dass es zu schwersten Verletzungen gekommen sein soll“. Man habe sich personell also auch entsprechend aufgestellt. Schwer bewaffnet durchkämmen die Einsatzkräfte daraufhin das Wohn- und Geschäftshaus. Auch Rettungsdienst und Notarzt haben Stellung bezogen. Es verdichtet sich alles auf ein Paar. Doch die Wohnung wird nicht geöffnet.
Mit einem Ersatzschlüssel gelingt es den Beamten schließlich, ins Innere zu kommen. Vom Mordopfer oder von einem Täter gibt es keine Spur. Die Räumlichkeiten sind leer. Den Mann, der mit seiner Familie dort lebt, treffen die Polizisten dann vor dem Haus. Er fällt aus allen Wolken, als er mit dem Verdacht konfrontiert wird. Der Lage löst sich schnell auf: Die vermeintlich schwerstverletzte Ehefrau und ein Kind stehen direkt hinter ihm. „Letztlich war gar nichts dran“, erklärt Schmitt. „Bald wurde klar, dass keine Gefahr besteht.“ Es habe keine Gefahr gegeben.

Details zum Notruf, der laut Schmitt aus einem Geschäft getätigt wurde, führen schnell zu einem älteren Herrn. Er hatte angerufen und den Hörer aufgrund einer Sprachbarriere zeitweise auch an eine Frau übergeben. Eine Anzeige wegen Notrufmissbrauchs „droht dem Mann nach aktueller Einschätzung nicht“, sagt der Polizeisprecher. Man gehe davon aus, dass der Neutraublinger die Polizei nicht bewusst falsch informiert hat. Offenbar glaubte der Mann, was er sagte. Es deute daher viel auf einen psychischen Ausnahmezustand hin.
Kosten für Einsatz können umgelegt werden
Diese derzeit noch vorläufige Bewertung will das Polizeipräsidium Oberpfalz aber noch verifizieren. „Die Überprüfungen dazu laufen bereits“, betont Schmitt. Grundsätzlich steht der Missbrauch von Notrufen unter Strafe. Nicht nur das: Auch die Kosten von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst, die dann anrücken, können in Rechnung gestellt werden. In diesem Fall aber trägt die wohl der Steuerzahler.