Nach über fünf Wochen: 100 Pakete aus Lotto-Laden am Regensburger Fischmarkt geborgen

Von Rainer Wendl · 24. September 2024 um 17:00

Weil der Inhaber in U-Haft sitzt, hatte den Paket-Shop und Lotto-Laden am Fischmarkt in Regensburg seit 37 Tagen hatte niemand mehr betreten. Ebenso lange wartete eine Vielzahl an Sendungen vergeblich auf Auslieferung.

Am Montagnachmittag aber ging dann plötzlich alles ganz schnell: Um 15 Uhr fuhr ein gelber DHL-Lieferwagen vor und ein fünfköpfiger Trupp des Paket-Dienstleisters begann umgehend mit der Räumung des Geschäfts. Keine Viertelstunde später war alles erledigt.

Exakt diesen Ablauf bestätigt auch Sonja Radojicic, Sprecherin von DHL/Deutsche Post. Weiter führt sie aus, dass es sich um rund 100 Sendungen handelte, die vor mehr als fünf Wochen in dem Geschäft gestrandet waren. Eine schnellere Lösung des Problems sei nicht möglich gewesen, denn: „Der Filialpartner ist kein Angestellter der DHL und wir haben kein Hausrecht. Daher möchte ich nochmals betonen, dass DHL für die Verzögerungen nicht verantwortlich ist. Unsere Kollegen haben sich unter Hochdruck für unsere Kunden eingesetzt.“

„Lösung liegt bei Anwälten“

Doch nicht nur bei der Post musste man sich in den vergangenen Wochen mit der Frage beschäftigen, wie man sich Zutritt zu dem Laden verschaffen kann. Bei der Stadt war der Fall ebenfalls bekannt. Da der Shop am Fischmarkt für Anwohner wie Gewerbetreibende aus der zentralen Altstadt eine wichtige Adresse zum Aufgeben von Paketen war, wusste Altstadtkümmerer Stephan Bergmann zeitnah über die missliche Lage Bescheid – beschleunigen konnte aber auch er nichts.

Denn den Schlüssel zu den Geschäftsräumen hat ein Mann, der in Untersuchungshaft sitzt. Schon bald nach dem Beginn der unangekündigten Schließung am 19. August hatte das Gerücht die Runde gemacht, dass der Grund dafür die Verwicklung des Inhabers in ein Gewaltverbrechen in Schwabach sein soll. Dort wurden am frühen Morgen jenes Tages einem Mann (42) mit einem Messer tödliche Stichwunden zugefügt, eine zwei Jahre jüngere Frau wurde schwer verletzt.

Der 59-jährige Tatverdächtige, so teilte es die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth gut zwei Wochen später mit, wohnt im Raum Regensburg. Diese Information und jeder weitere Tag, an dem der Laden am Fischmarkt geschlossen blieb, ließen das genannte Gerücht immer handfester werden. Zuletzt war eigentlich nur noch die Frage offen, wann und von wem die Eingangstür zum Paket-Shop endlich wieder geöffnet wird.

Das Aufsperren von Läden und die Beseitigung von Liefer-Engpässen zählen jedoch nicht zu den Zuständigkeiten der Ermittlungsbehörden. Mit den Worten „Die Lösung eines solchen Problems liegt oft in den Händen der involvierten Rechtsanwälte“ zeigte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken am Freitag einen Weg auf.

Postalisch ist der Fall gelöst

Genau so ist es nun gekommen: Der Schlüssel traf in Regensburg ein, so dass die Sendungen – darunter auch ein großes Smart-TV-Gerät – nach 37 Tagen endlich geborgen werden konnten. „Die Pakete werden zeitnah zugestellt“, sicherte Sonja Radojicic noch am Montagabend zu und bedankte sich für die Geduld der Kunden.

Aus postalischer Sicht ist der Fall damit gelöst, aus juristischer Sicht geht er erst richtig los. Der Laden am Fischmarkt ist nach der viertelstündigen Ausräumaktion am Montag wieder zu – und wird es wohl auch für längere Zeit bleiben.