Nach Organspende: Regensburger Gästeführer Hansjörg Hauser ist im „zweiten Leben“ angekommen

Von Marion Neumann · 25. Juni 2025 um 09:00

Einheimische und Touristen führt Hansjörg Hauser schon seit 2007 durch Regensburg. Viel für ihn verändert hat sich für den Gästeführer allerdings im Jahr 2022. Damals hat er eine neue Leber und eine neue Niere erhalten. Der 61-Jährige erzählt, wie es im heute geht – und warum das Thema Organspende manchmal auch bei seinen Stadtführungen zur Sprache kommt.

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Von der Steinernen Brücke aus läuft Hansjörg Hauser in Richtung Stadtamhof. „Mit vielen Gruppen fängt man bei der Anlegestelle an und macht hier eine Einführung“, sagt der 61-jährige Gästeführer. „Je länger man das macht, desto lockerer und souveräner wird man, habe ich gemerkt. Man handelt nicht nur nüchtern einzelne Punkte ab, sondern versucht, eine lebendige Geschichte zu erzählen.“

Einheimische und Touristen führt Hauser schon seit 2007 durch Regensburg. Viel für ihn verändert hat sich allerdings im Jahr 2022. Damals hat er im Transplantationszentrum am Universitätsklinikum Regensburg eine neue Leber und eine neue Niere erhalten. Die Transplantation fand damals am 30. Oktober statt, erzählt er. Der Anruf, dass es passende Spenderorgane für ihn gibt, kam nur einen Tag vorher. „Ich bin ganz ehrlich: So ein Datum vergisst man nicht. Das ist so etwas wie mein zweiter Geburtstag“, sagt Hauser. Auch die Unterhaltung, in der die Ärzte ihm sagten, dass er ohne neue Leber gestorben wäre, ist ihm nach wie vor präsent. „Manchmal, wenn ich hier durch die Straßen laufe, kann ich es gar nicht glauben. Ich lebe noch – und das dank jemandem, der einen Organspendeausweis hatte.“

Keine Dialyse mehr

Körperliche Beschwerden hat Hauser heute, mehr als zweieineinhalb Jahre nach der Transplantation, nicht. Er ist angekommen in seinem „zweiten Leben“. Dreimal am Tag muss er Tabletten zur Immunsuppression nehmen. Sie sollen dafür sorgen, dass sein Körper die transplantierten Organe nicht abstößt. Wenn es wie an diesem Tag sonnig und warm ist, trägt er einen Strohhut auf dem Kopf. Bei Transplantationspatienten sei das Hautkrebsrisiko höher, haben ihm die Ärzte gesagt.

„Ich spüre eigentlich nicht, dass ich neue Organe habe - dass da irgendwas ist“, sagt er. Lediglich anfangs habe er sich ein wenig über die neue Niere gewundert. „Sie wurde etwas weiter unten eingesetzt. Wenn ich zum Beispiel Fahrrad fahre, dann merke ich das“, erzählt er. „Die ersten paar Wochen hat mich das irritiert. Bis mir die Ärzte erklärt haben, dass sie etwa 15 Zentimeter tiefer liegt als das alte Organ.“

"Organspende – Entscheide dich", steht auf dem Shirt von Hansjörg Hauser geschrieben. - Foto: Marion Neumann

Gedanklich beschäftigt ihn das Thema Organspende dagegen häufig. „Ich habe eine Schwester, die seit sechs Jahren Dialysepatientin ist und auf eine Niere wartet“, sagt er. „Die Erkrankung ist in unserer Familie genetisch bedingt. Mein Vater ist nach 17 Jahren Dialyse gestorben.“ Selten, aber doch ab und zu, kommt auch bei seinen Stadtführungen sein „zweites Leben“ zur Sprache. Wohl auch wegen der sichtbaren Erinnerungen an seine Dialyse-Zeit – einige Hubbel am linken Unterarm. „Gerade im Sommer fällt das auf“, sagt er. Hauser erklärt dann, dass es sich bei den Erhebungen am Arm um einen sogenannten Shunt handelt. Eine Verbindung zwischen einer Arterie und einer Vene für die Dialyse. „Im Nachgang dazu sage ich dann gerne: Ich hoffe, Sie haben einen Organspendeausweis.“

Im Nachgang sage ich dann gerne: Ich hoffe, Sie haben einen Organspendeausweis.

Hansjörg Hauser, Gästeführer

Jeden Tag, sagt Hauser, würden in Deutschland drei Menschen sterben, weil es zu wenig Spenderorgane gibt. „Wir sind ein meinungsfreies Land und man muss akzeptieren, wenn jemand nicht spenden will“, sagt er. „Allerdings würde ich mir wünschen, dass auch bei uns die Widerspruchslösung eingeführt wird.“

Jeden Tag dankbar

Aktuell gilt in Deutschland die Entscheidungslösung. Eine Entnahme von Organen nach dem Tod ist nur zulässig, wenn dem die verstorbene Person zu Lebzeiten oder die Angehörigen zugestimmt haben. Gesundheitsminister und Ärztevertreter fordern jedoch schon länger, dass auch in der Bundesrepublik jeder potenziell Spender wird, sofern er nicht ausdrücklich widerspricht (siehe Info). „Ich denke, dass es wichtig ist, die Menschen bei diesem Thema auf einer emotionalen Ebene zu berühren. Ich habe es schon mehrmals erlebt, dass Leute noch einmal über einen Organspendeausweis nachgedacht haben, nachdem sie mich kennengelernt haben.“

Für seine Spenderorgane ist Hauser jeden Tag dankbar. „Für mich war das ein riesiges Geschenk“, sagt er. Erst kürzlich, am Tag der Organspende am 7. Juni, habe er andere Transplantationspatienten getroffen, die bereits mehr als 20 Jahre mit einem neuen Organ leben. „Ich fasse oft an die Stellen, wo sich meine neue Niere und meine Leber befinden – und schicke ihnen ein bisschen Energie. Mein Wunsch ist, dass wir uns auch weiter so gut vertragen.“

Info: Widerspruchslösung und Initiative Organspende Ostbayern

• Widerspruch: Während in Deutschland die sogenannte Entscheidungslösung gilt, ist Organspende in anderen Ländern wie Belgien, Frankreich, Finnland, Österreich oder Spanien über eine Widerspruchslösung geregelt. Das heißt, dass Bürger einer Organspende zu Lebzeiten ausdrücklich widersprechen müssen, wenn sie nicht Spender werden wollen.

• Information: In der Region auf die kritische Situation von Patienten auf der Warteliste aufmerksam machen und aufklären, will die Initiative Organspende Ostbayern. Betroffene informieren bei Vorträgen und Veranstaltungen über das Thema. Weitere Infos gibt es online unter www.initiative-oo.de.