Nach Nieren- und Lebertransplantation: Regensburger ist dankbar für sein zweites Leben

Von Martina Groh-Schad · 23. Januar 2024 um 05:00

Weil sein Leben durch Transplantationen gerettet wurde, ist ein Regensburger zum leidenschaftlichen Kämpfer für Organspende geworden.

Hansjörg Hauser hat neulich einen langen Brief geschrieben. Es war ein ausführliches Dankesschreiben an die Angehörigen des Menschen, dessen Niere und Leber er seit gut einem Jahr in seinem Körper trägt. Ob sie den Brief lesen werden, weiß er nicht.

„Die Angehörigen konnten im Transplantationszentrum angeben, ob sie Post vom Empfänger der Organe haben möchten oder nicht“, sagt Hauser. Für viele sei es zu schmerzvoll. Doch dem 59-Jährigen ist es ein großes Anliegen, Danke zu sagen. „Mir wurde ein zweites Leben geschenkt.“

Dass gleichzeitig eine passende Leber und eine Niere zur Verfügung stehen würden, war unwahrscheinlich. Die Zahl der Transplantationen in Deutschland ist insgesamt rückläufig. Hauser möchte sich daher dafür einsetzen, andere davon zu überzeugen, sich einen Spenderausweis ausstellen zu lassen.

2010 nahmen die gesundheitlichen Probleme zu

Viel Lebenszeit wäre dem frühpensionierten Diplom-Agraringenieur, Gästeführer und Kräuterexperten vermutlich ohne die Transplantationen nicht mehr geblieben. „Meine Leber war bereits vier Mal so groß wie normal und hat mir die Lunge abgedrückt“, sagt er. Es bestand die Gefahr, dass bald auch die Bauchaorta betroffen sein könnte. Er merkte zusehends, dass seine Leistungsfähigkeit geringer wurde.

Die Erkrankung kam nicht überraschend. Bereits seine Großmutter kämpfte mit Nierenproblemen, an denen sie starb und auch der Vater musste vor seinem Tod 17 Jahre lang zur Dialyse. „Ich wusste immer, dass es mich auch treffen kann“, sagt er. Vorzeichen wie Bluthochdruck gab es früh. Ab 2010 nahmen die gesundheitlichen Probleme zu und ab 2018 musste er zur Dialyse.

„Es war schlimm für mich“, sagt er. Anfänglich habe sich bei ihm alles gegen die Nadel im Körper gewehrt. Fast fünf Jahre lang, drei Mal die Woche für fünf Stunden gehörte die Blutwäsche zu einem überlebenswichtigen Bestandteil seines Alltags. „Ich wusste, wenn ich das nicht ordentlich mache, dann werde ich sterben.“

Beruflich war er viel unterwegs. Die Dialyse schränkte ihn ein, doch nach und nach gelang es ihm, seine Termine so zu koordinieren, dass er auch in anderen Städten zur Blutwäsche gehen konnte. „So war auch mal Urlaub in Spanien drin“, sagt er. Besonders hart traf ihn die Pandemie, in der es schwierig war, andernorts freie Plätze zur Dialyse zu bekommen. „Ich spürte, wie meine Kraft beständig nachließ.“

Im Oktober 2022 war er zu Besuch bei seiner Schwester in Augsburg, als der Anruf kam, dass ein Spender zur Verfügung stehe. „Zeit zum Überlegen hat man nicht“, sagt er. Die Operation war schon für den nächsten Tag geplant. Hauser setzte sich ins Auto und fuhr zurück nach Regensburg. „Unterwegs begriff ich, dass nicht sicher war, dass ich den Eingriff überleben werde.“

Doch alles ging gut. Zwei Tage nach der Operation erwachte er aus der Narkose. Er war der 1000. Lebertransplantationspatient des Universitätsklinikums. Dass er neue Organe hatte, spürte er. „Es war plötzlich so viel Platz in meinem Bauch.“ Hansjörg Hauser erholte sich schnell, sein Körper nahm die fremden Organe gut an. Nach nur zweieinhalb Wochen konnte er die Klinik verlassen, befreit von der Dialyse.

Hoffen auf neue Lösung in der Organtransplantation

Seither berichtet er anderen von seinem Schicksal. „Ich konfrontiere sie damit, dass mir jemand mein Leben geschenkt hat, weil er einen Spenderausweis hatte.“ Er will sie so beeinflussen, sich einen Ausweis ausstellen zu lassen.

Zudem hofft er, dass Deutschland wie mehrere andere europäische Länder die Widerspruchslösung einführt, was dort zu mehr Organtransplantationen geführt hat. Hirntote Menschen sind dann automatisch Organspender, wenn sie dem nicht zu Lebzeiten widersprechen. Hansjörg Hauser hat dafür einen guten Grund. Denn auch seine Schwester wartet sehnlichst auf eine neue Niere.

Die 1000. Lebertransplantation am Universitätsklinikum Regensburg war Hansjörg Hauser im Oktober 2022. Mit auf dem Bild ist das beteiligte medizinische Team. Foto: Pressestelle Universitätsklinikum
Ein Selfie von Hansjörg Hauser kurz vor der Transplantation im Oktober 2022 Foto: Hauser