Neuerung soll homosexuellen Männern Blutspende erleichtern: Bald greift sie in Regensburg

Am Montag veröffentlichte die Bundesärztekammer die neue Richtlinie Hämotherapie. Sie soll Diskiminierung bei der Auswahl von Blutspendern vermeiden. Doch auch in Regensburg steht der Wortlaut nun in der Kritik.
So sagt Robert Offner, Leiter der Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Regensburg, dass die am Montag veröffentlichten Kriterien voraussichtlich noch in dieser Woche in den Arbeitsanweisungen des Klinikums umgesetzt werden sollen. Der neue einheitliche Spenderfragebogen sei schon da. „Wir werden die Formulierungen aus der Richtlinie übernehmen und exakt nach Wortlaut handeln, beziehungsweise die Spendeeignung feststellen“, kündigt Offner an.
Beim Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) soll das in den kommenden drei bis vier Wochen passieren. „Die Richtlinie soll schnellstmöglich in die konkrete Ausführung gehen“, sagt Pressesprecher Patric Nohe. Zuvor müsse der neue Fragebogen aber beispielsweise noch in die EDV übernommen werden.
Das hat sich geändert
Offner erklärt, was sich verändert hat: Die Bewertung eines durch das Sexualverhalten bedingten Risikos, das zu einer Rückstellung von der Spende führt, habe nunmehr auf Grundlage des jeweiligen individuellen Sexualverhaltens der spendewilligen Person zu erfolgen. Zeitlich begrenzt von der Spende zurückzustellen sei beispielsweise eine Person mit einem Sexualverhalten, das ein innerhalb der letzten vier Monate deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten birgt. Zudem werden mehrere Risikoszenarien aufgeführt, etwa Sexualarbeit. „Die sexuelle Orientierung und die Geschlechtsidentität der spendewilligen Person oder deren Sexualpartner sowie Transgeschlechtlichkeit werden bei der Bewertung des Risikos nicht berücksichtigt“, sagt Offner.
Er verdeutlicht: Wer also in der Vergangenheit wegen mancher dieser Fragen abgelehnt oder zeitlich zurückgestellt worden ist, könne den Fragebogen noch einmal ausfüllen und – wenn alle heute geltenden Kriterien passen – zur Blutspende zugelassen werden.
„Wir begrüßen die neue Richtlinie, denn sie wird von Mal zu Mal präziser und eindeutiger“, sagt der Leiter der Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum. Er fände es schön, wenn durch die veränderte Richtlinie mehr Menschen Blut spenden, wisse aber nicht, ob sich sein Wunsch erfüllt. Die strengen Auswahlkriterien sind seiner Einschätzung nach bestimmt nicht der Hauptgrund für die sinkende Blutspendebereitschaft.
Ob durch die neue Richtlinie mehr homosexuelle Männer Blut spenden, werde nicht herauszubekommen sein. Es werde sich lediglich zeigen, ob insgesamt mehr gespendet wird, erklärt Nohe. Natürlich habe er diese Hoffnung. Allerdings sehe er auch, dass die Fragen an die Spendewilligen nun intimer geworden sind. „Ich weiß nicht, ob das auch nicht jemanden vom Spenden abhält“, überlegt der Pressesprecher.
Auch Alexander Irmisch, der nicht nur für die Sozialdemokraten im Regensburger Stadtrat sitzt, sondern auch stellvertretender Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft SPD queer ist, bemängelt, dass sich Spendewillige so weiter vor Wildfremden erklären müssen. Er hat das Thema gespannt verfolg und zeigt sich enttäuscht vom Wortlaut der Richtlinie.
Kritik an der Novelle
Dass in den Fragen nun speziell auf das Thema Analverkehr eingegangen wird, setzt die Stigmatisierung in seinen Augen nahtlos fort. „Den praktizieren vorrangig homosexuelle Männer. Das kommt einem Outing gleich“, sagt Irmisch. Deswegen kündigt er an, mit dem Bundesvorstand der SPD queer dafür zu kämpfen, dass diese Richtlinie entsprechend angepasst wird.