CSD: Der Regenbogen landet in Stadtamhof

Von Heike Haala · 27. Juli 2023 um 15:00

Regensburg. Der Christopher-Street-Day (CSD) am Samstag ist eine Feuertaufe für den Dachverband Queeres Regensburg. Das Bündnis organisiert die Parade und veränderte die Route so, dass sie nun über die Donau führt.

Damit verpasst der Dachverband dem CSD erstmals eine eigene Handschrift. Denn bis vor einigen Jahren organisierte den die Regensburger Schwulen- und Lesbeninitiative Resi , wie auch schon den ersten CSD in der Domstadt im Jahr 1984 . Seit 1996 gab es ihn jährlich. Ziel der Parade mit der Bühne für Drag Shows, Musik und politische Statements war dabei lange Zeit der Haidplatz.

Grund für die Veränderung ist laut Vorsitzender Sabine Jokuschies, natürlich auch das Flair des Stadtteils. „Stadtamhof ist einfach ein Superschöner Veranstaltungsort“, sagt sie. Queere Regensburger würden sich hier gern zum Essen oder auf ein Aperölchen verabreden. Wegen mehrerer queerfreundlicher Anlaufpunkte würden sie sich hier aber auch sicher fühlen und müssten keine Angst vor Pöbeleien haben. „Wie etwa am Petersweg“, verdeutlicht Jokuschies. Diese Anlaufpunkte in Stadtamhof seien etwa das La Strada oder die Schierstadt, die Alexander Irmisch, SPD-Stadtrat und Covorsitzender bei Queeres Regensburg, betreibt.

Kein Weinfest, aber CSD

Der hat bis vor wenigen Jahren mit dem Verein Pro Stadtamhof die legendären Weinfeste am dritten Septemberwochenende veranstaltet und damit so etwas wie die inoffizielle Klassenparty des gesamten Stadtteils. Allerdings drängten sich die Menschen zuletzt so eng zwischen Brückenbasar und Walhallabockerl, dass der Verein im Jahr 2019 lieber das Handtuch warf. Die Begründung: Das habe nichts mehr mit der Idee des Festes zu tun.

Auf die Frage, wieso der CSD dort dann funktionieren könne, argumentiert Jokuschies mit der Besucherzahl: Sie rechne höchstens mit 2000 Teilnehmern. „Die queere Zielgruppe ist nicht so etabliert. Hier geht nicht die gesamte Stadt auf den CSD, wie anderswo. Deswegen glaube ich nicht, dass es so überlaufen wird, wie am Weinfest“, sagt sie. Bespielt werde auch lediglich der Bereich zwischen Perivoli, wo die Bühne stehen soll, und Schierstadt – jedoch nicht die Straße. Dort soll es 15 Essens-, Getränke- und Infostände geben.

Als Themen, bei denen sich im Sinne der queeren Regensburger noch einiges tun müsste, nennt Jokuschies etwa die Sichtbarkeit. Ein Weg dabei führe über Vielfalt in der Werbung – etwa könnten sich auch lokale Unternehmen des Regenbogens bedienen oder queere Menschen abbilden, schlägt Jokuschies vor. Zudem klagt sie, zuletzt wieder von mehr Beleidigungen und Übergriffen mit queerfeindlichem Hintergrund in Regensburg gehört zu haben.

Nicht zuletzt geht es auch ums Geld. Die Fraktion der Brücke hatte im März im Stadtrat gefordert, den CSD nicht nur mit einer fallweisen Unterstützung fördern zu wollen, sondern mit jährlich 5000 Euro. Das scheiterte allerdings daran, dass Dachverband damals noch nicht als Verein eingetragen war, was aber Voraussetzung für diese Art der Förderung sei, erklärt Fraktionschef Thomas Thurow. Die Sache liege inzwischen beim Notar und sei so gut wie durch, sagt Jokuschies, die ebenfalls Mitglied bei der Brücke ist. Thurow aber verdeutlicht, dass die Zeit inzwischen mehr als dränge und der Verein den Antrag auf Förderung bald stellen müsste, um nicht noch ein Jahr warten zu müssen: „Die Haushaltsrunde läuft, das muss nun über den Sommer passieren.“ Sollte es sinnvoll sein, werde die Brücke den Verein mit einer weiteren Positionierung im Stadtrat unterstützen, verspricht er.

Ärger vor der Demo

Dass es auch unterschiedliche Meinungen dazu gibt, wie die Belange von queeren Menschen eingefordert werden sollen, zeigt derweil ein Statement des Arbeitskreises (AK) Queer auf Instagram. Der CSD sei zu einem Marketing-Gag verkommen man würde keine Polizisten auf der Bühne dulden, ist dort zu lesen. „Das ist keine echte Befreiung, das ist die gleiche Scheiße in Regenbogenglittzer“, klagt der AK und kündigte einen Demoblock an. Wie der konkret aussehen soll, war auf Nachfrage aber nicht zu erfahren.

Forderungen und Programm:

Queerer Aktionsplan: Mit dem Christopher-Street-Day (CSD) setzt sich auch Queeres Regensburg für einen queeren Aktionsplan in Bayern ein, sagt Vorsitzende Sabine Jokuschies.

Maßnahmen: So fordern die Teilnehmer des CSD unter anderem Vielfalt in den Lehrplänen, die Dokumentation von Hassverbrechen oder die Einführung einer Landesbeauftragte.

Samstag: Die Parade startet um 12 Uhr am Alten Rathaus. Sie führt über den Arnulfsplatz, die Gesandtenstraße und den Neupfarrplatz nach Stadtamhof, wo um 12.30 Uhr das Bühnenprogramm startet.