Ein Spaziergang durch die virtuelle Stadt der Zukunft: Stadträte wollen die Anregungen der Schüler mitnehmen

Von Luis Woppmann und Andreas Loscher
„Wenn ich an Regensburg im Jahr 2050 denke, dann ...?“ - Seit Januar diesen Jahres arbeiten Schülergruppen aus fünf verschiedenen Bildungseinrichtungen an einem Projekt der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. Darunter auch drei Regensburger Schulen. Die Jugendlichen haben sich intensiv mit der Zukunft der Stadt beschäftigt.
Am vergangenen Dienstag stellten sie ihre Ergebnisse in der Berufsoberschule (BOS) vor. Mit dabei war Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) und die Stadträte Theresa Eberlein (Grüne) und Alexander Irmisch (SPD). Der Clou: Zur Veranschaulichung bauten die Jugendlichen ihre Vorschläge in Minecraft nach. In diesem Videospiel kann man mit Blöcken ganze Welten erschaffen. So entstanden simulierte Stadtteile von Regensburg, durch die die Schüler während der Präsentation navigierten. In Gruppendiskussionen besprachen die Schüler ihre Ideen mit den Politikern. Freudenstein tauschte sich mit Schülern der Otto-Schwerdt-Mittelschule über die Idee eines Jugendparks aus. „Ich bin Anwohnerin der Jahninsel und weiß daher, dass dort bis weit nach Mitternacht gefeiert wird“, sagte sie zur Problematik fehlender Aufenthaltsorte für Jugendliche. „Wir können uns vorstellen, noch in diesem Jahr eine Online-Umfrage zu diesem Thema zu machen.“
Ein paar Meter weiter saß Grünen-Stadträtin Eberlein mit Schülern des Goethe-Gymnasiums zusammen. Mit ihnen unterhielt sie sich über Ideen zur Umgestaltung der Maximiliansstraße. Diese leide unter mangelnder Aufenthaltsqualität. Vorgeschlagen wurde zum Beispiel eine Überdachung, wie sie in Südeuropa bereits an vielen Plätzen zu finden ist. Die Stadträtin staunte über den Einfallsreichtum der Schüler: „Ich nehme die Ideen mit in die Fraktion, das könnte viele interessieren“, sagte sie zu den Schülern. „Allerdings brauchen solche großen Ideen in einer Verwaltung viel Zeit, aber das Bild der Straße ändert sich schon jetzt.“
SPD-Stadtrat Irmisch saß mit Schülern der BOS zusammen. Sie sprachen über die Wünsche der Jugendlichen – und die Realität in der Stadtverwaltung. „Die Stadt versucht sich um alles zu kümmern, ich wohne selbst in der Altstadt und kann viele eurer Anliegen nachvollziehen“, sagte er. „Die SPD-Fraktion hat schon viele Anträge gestellt, die sich genau mit diesen Themen beschäftigen.“
Wie viele der Ideen einmal in die Realität umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. So zum Beispiel der „Bahnhof der Zukunft“ mit einer Schwebebahn, den Schüler der BOS vorstellten. Einer von ihnen sagte: „Wir wollen, dass der Bahnhof ein Ort wird, an dem man mit Freunden etwas unternehmen kann.“ Visualisiert wird diese Idee durch bessere Radwege, mehr Grünflächen, öffentliche Toiletten und eine Hundewiese, die allesamt die Attraktivität als Treffpunkt fördern und zudem klimaneutral sein sollen.
Bürgermeisterin Astrid Freudenstein gab sich am Ende durchaus optimistisch: „Wir müssen sehen, was möglich ist.“