Organspende: Betroffene, Verbände und Politiker machen auf fehlende Spenden aufmerksam

8100 zum Teil schwerkranke Menschen in Deutschland warten aktuell auf ein Spenderorgan. Beim 43. Tag der Organspende in Regensburg wurde auf ihre Not aufmerksam gemacht. In der Domstadt fand die zentrale bayerische Veranstaltung der bundesweiten Aktion statt.
Während auf dem Podium auf dem Neupfarrplatz in Regensburg Politiker und Verbandsvertreter sprechen, wandert der Finger des 16-jährigen Tim Nowak aus Cham immer wieder in die Höhe. Er will etwas sagen und es drängt ihn auf die Bühne. Als Moderatorin Marina Gottschalk ihn nach oben holt, sprudelt es aus ihm heraus. Tim setzt sich für die Widerspruchslösung ein, nach der alle automatisch Organspender sind, so lange sie nicht ihren Widerspruch registrieren lassen. „Es ist dann immer noch ein Nein möglich“, betont Tim und weist darauf hin, dass man sich immer noch umentscheiden könnte. Tim weiß, wovon er spricht, denn er braucht aufgrund eines Gen-Defekts dringend ein neues Herz.
8100 zum Teil schwerkranke Menschen in Deutschland warten aktuell auf ein Spenderorgan. Beim 43. Tag der Organspende in Regensburg wurde auf ihre Not aufmerksam gemacht. In der Domstadt fand die zentrale bayerische Veranstaltung der bundesweiten Aktion statt.
Viele Info-Stände zum Thema
Auch der 1. Tag der Organspende wurde einst in Regensburg durchgeführt. Damals wie heute kam es durch eine Patienteninitiative zu der Informationsveranstaltung, die die gängige Transplantationspraxis erklärt, auf die Not der Betroffenen aufmerksam macht und für politische Weichenstellungen plädiert, mehr Organspenden zu fördern. An mehreren Info-Ständen wurde die Thematik aus Sicht von Gesundheitseinrichtungen wie Krankenkassen, Ärztevertretungen und Vereinen wie KUNO e.V. und der Initiative Organspende Bayern beleuchtet.
Überall lag der Organspendeausweis aus, um sich zu registrieren. Auf dem Podium rückte visuell „Geschenkte Lebenszeit“ in den Mittelpunkt und Betroffene drängten sich dicht an dicht auf der Bühne. Auf einem Schild hatten sie die Jahre notiert, die ihnen durch eine Organtransplantation bereits geschenkt wurde. Insgesamt kamen die Teilnehmer dabei auf die Summe von 1173 Lebensjahren. „Sie alle geben den Organspenden ein Gesicht“, erklärte die Moderatorin.
Kampf für die Widerspruchslösung
Mit dabei auch Hansjörg Hauser aus Regensburg, der im hiesigen Transplantationszentrum im Herbst 2022 eine neue Leber und eine neue Niere bekommen hat. „Mir wurde ein neues Leben geschenkt“, erklärt er. Vorher musste er jahrelang mehrmals die Woche zur Dialyse ins Nierenzentrum. Für Professor Bernhard Banas, dem Leiter des Transplantationszentrums Regensburg des Universitätsklinikums, war er die 1000. Lebertransplantation der Einrichtung. Banas kämpft seit Jahren für die Einführung der Widerspruchslösung. Allein in Regensburg würden 500 Patienten auf eine Transplantation warten, darunter 115 Kinder, die eine Lebertransplantation benötigen. „In unseren unmittelbaren Nachbarländern können die Leute doppelt so oft transplantiert werden“, sagt er und plädiert: „Wir müssen das Transplantationsgesetz endlich ändern.“ Neben der Widerspruchslösung wünscht er sich die Überarbeitung der Lebendspenderregelung. In anderen Ländern gebe es die Möglichkeit der Organspende bereits nach Feststellung des Kreislauf-Todes – und nicht wie in Deutschland nur nach einem Hirntod. „Das will man in Deutschland noch gar nicht diskutieren.“ Er stehe für mehr Offenheit gegenüber dem Thema. „Meinen Patienten läuft die Zeit davon“, betont er. „Wir müssen machen, was uns die Nachbarländer erfolgreich vormachen.“
Zum 43. Tag der Organspende kam auch Georg Kippels, der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesgesundheitsministeriums, nach Regensburg. Er erklärte, dass es eine große Übereinstimmung in der Bevölkerung gebe, dass die Organspende eine segensreiche Versorgungsform sei. „Wir müssen diese gesellschaftliche Akzeptanz in eine akzeptable Regelung gießen.“