Hansjörg Hauser ist in Regensburg auf den Spuren von Barbara Blomberg

Stadtführer Hansjörg Hauser spricht nach einem Studienjahr in Südamerika sehr gut Spanisch und so fällt ihm im Auftrag des Gästeführervereins Kulttouren e.V. immer wieder die Aufgabe zu, spanische Touristen durch Regensburg zu begleiten.
Bei ihrer Ankunft wissen die Besucher meist schon, dass es in der Domstadt ein großes Denkmal für Don Juan gibt. Die Statue steht am Zieroldsplatz beim Alten Rathaus und ist aufgrund des geköpften Osmanen, den Don Juan mit den Füßen tritt, umstritten in der Stadt. Stadtführer Hauser steht der Statue ebenfalls kritisch gegenüber, doch vor allem stört ihn: „Ich hätte mir in Regensburg eher ein Denkmal für Barbara Blomberg gewünscht“, sagt er. „Wenn von Barbara gesprochen wird, hat das oft einen sexistischen Unterton, der mich ärgert.“
Liebesbeziehung mit Karl V.
Das Leben der 1527 in Regensburg geborenen Bürgerstochter, die eine Liebschaft mit dem Habsburger-Kaiser Karl V. hatte und mit ihm 1547 den unehelichen Sohn Don Juan zeugte, beschäftigt Hauser schon seit vielen Jahren. Blomberg musste nach der folgenreichen Liaison zunächst nach Belgien und dann in ein spanisches Kloster umziehen, der Sohn wuchs getrennt von der Mutter in Spanien auf und wurde auf Wunsch des Kaisers von Pflegeeltern erzogen.
Nachdem Hauser im vergangenen Sommer ein spanisches Ehepaar durch Regensburg geführt hatte und diese ihm von den Wohnstätten Blombergs und des Kaisersohns in der spanischen Provinz berichtet hatten, war seine Neugier geweckt. Im November machte Hauser eine Rundreise durch das Gebiet zwischen Madrid und der portugiesischen Grenze und suchte in den Orten, in denen Blomberg und ihr Sohn gelebt hatten, nach Spuren von Regensburg. Nicht überrascht, aber trotzdem enttäuscht hat ihn: „Die Spanier beachten vor allem die Geschichte des Mannes Don Juan.“
Der siegreiche Feldherr gegen die Osmanen in der Schlacht von Lepanto 1571 mit Regensburger Wurzeln ist in Spanien bekannt und viele Plätze sowie Straßen sind nach ihm benannt. An Regensburg und seine Mutter erinnert wenig. In Villagarcia de Campos, wo er als Kind von Pflegeeltern in einem Palast erzogen wurde, hat Hauser jedoch ein Schild entdeckt, auf dem auch Barbara Blomberg und ihrer beider Herkunft aus Regensburg benannt wird. „In Gesprächen konnte ich feststellen, dass zumindest einigen Leuten Barbara Blomberg ein Begriff ist“, sagt der Stadtführer.
Hauser war auch in dem Dorf San Cebrian de Mazote bei Valladolid, in dem die Überreste des Klosters stehen, in das Barbara auf Wunsch ihres Sohnes ziehen musste, um ein weniger ausschweifendes Leben als in Brüssel zu führen.
Eine beschauliche Gegend
Wie schon Villagarcia de Campos ist auch San Cebrian de Mazote bei Valladolid sehr ländlich geprägt. „Es hat nur 60 Einwohner, im Sommer sind es 150“, berichtet Hauser. Schon zu Lebzeiten von Blomberg und ihrem Sohn war es eine sehr beschauliche Gegend. Das Kloster, in dem Blomberg einige Jahre lebte, stehe zum Verkauf und ist aktuell nicht begehbar. Er traf sich mit dem Bürgermeister und stellte fest, dass man vor Ort nur oberflächlich über Blomberg Bescheid weiß.
Für Hauser hat sich die Reise gelohnt. „Ich kann meiner Erlebnisse gut in meine Führungen von Spaniern durch Regensburg integrieren“, sagt er. Er habe die Erfahrung gemacht, dass man leichter einen Draht zu Gästen finde, wenn man Details aus ihrem Land kenne und selbst vor Ort war. „Das beeindruckt viele.“
Aktuell hat sich Hauser auf Spurensuche nach einem anderen Kind der Region gemacht. Er ist nach Argentinien gereist und will herausfinden, ob Ulrich Schmiedl dort Spuren seiner Geburtsstadt Straubing oder dem Todesort Regensburg hinterlassen hat. Schmiedl ging als junger Söldner nach Südamerika und zählt zu den Mitbegründern von Buenos Aires.