Altstadt-Tour oder Knackersemmel: Was macht Regensburg-Touristen glücklich?

Sie kommen aus dem Norden Deutschlands, aber auch aus Italien, Griechenland oder Neuseeland: Derzeit erkunden viele Touristen das Weltkulturerbe. Was den Reisenden in Regensburg am besten gefällt und ob es auch Tipps aus dem Reiseführer gibt, die sie überbewertet finden, verraten sie hier.
An der Thundorfer Straße bilden sich kleine Grüppchen. Immer wieder zücken mit Sonnenhut, Kamera und Tagesrucksack ausgestattete Touristen ihr Smartphone. Die Skulptur am Donauufer, welche die Stadt um 1700 zeigt, ist ein beliebtes Fotomotiv. Während viele der Besucher, die ein Stimmengewirr aus Deutsch, Englisch und Französisch umgibt, auf die Historische Wurstkuchl und die Anlegestelle der Donau Schifffahrt zusteuern, gehen Paula und Alan Renwick in Richtung Steinerne Brücke.
„Wir laufen am liebsten herum, schauen uns die Stadt und die schönen Häuser an“, sagt der 59-Jährige, der gemeinsam mit seiner Frau in die Domstadt gekommen ist. Neun Wochen lang reist das Paar aus Auckland, Neuseeland, durch Europa. „Wir besuchen Frankreich, Spanien und die Schweiz – aber vor allem sind wir in Deutschland unterwegs“, sagt Alan Renwick.
Neuseeländer lieben die Regensburger Parks
Auf Regensburg sind die beiden unter anderem aufgrund vieler positiver Erfahrungsberichte im Internet gekommen. „Alle Google-Bewertungen waren gut. Da mussten wir einfach herkommen.“ In bekannte Museen wie das Haus der Bayerischen Geschichte zieht es die Urlauber, die zwei Nächte bleiben, allerdings nicht. „Wir haben schon so viele Museen angeschaut – zum Beispiel in Berlin und Nürnberg“, erklärt Paula Renwick. Beeindruckt sei sie vielmehr von den Gärten und Parks in der Stadt. „Der Donaupark ist wunderschön.“
Dass es für die Neuseeländer später an diesem Tag noch den obligatorischen Stopp für eine Knackersemmel mit Allem an der Wurstkuchl gibt, schließen sie nicht aus. „Highlight“ ihres Trips wird das aber wahrscheinlich nicht. „Wurst ist eigentlich nicht so mein Ding. Aber vielleicht werden wir noch eine probieren“, sagt Alan Renwick.
„Es ist zauberhaft hier“
Etwas weiter östlich am Marc-Aurel-Ufer ist Jenny Bako unterwegs. So eine „richtige“ Touristin sei sie ja eigentlich gar nicht mehr, erzählt die 28-Jährige. Vor einem Monat ist sie mit ihrem Mann von Thessaloniki in Griechenland in die Domstadt gezogen. „Aktuell besuche ich noch eine Sprachschule und lerne Deutsch. Da ich noch nicht richtig angefangen habe zu arbeiten, fühlt es sich noch wie ein Urlaub an“, erklärt sie.
Die Stimmung, die Architektur – und wie sauber und gepflegt hier alles sei, das gefällt Bako an Regensburg besonders. „Es ist zauberhaft hier. Man kann es nicht mit Griechenland vergleichen.“ Walhalla, Dom, Altes Rathaus: Bislang sei sie von allen Sehenswürdigkeiten in Regensburg und der Region begeistert gewesen. Überbewertet sei für sie eigentlich nur eine Sache, fügt sie nach einigem Überlegen hinzu. „Bier“, sagt die 28-Jährige und lacht, „aber das ist auch das Einzige, was ich hier nicht mag“.
Aus Italien in die Regensburger Altstadt
Dass sich die Stadt auch mit Kinderwagen gut erkunden lässt, finden Giovanna Ucci und Denis di Gonza. Mit ihrer zweijährigen Tochter verbringt die italienische Familie aus Vasto in der Region Abruzzen insgesamt zwei Wochen in Süddeutschland, zwei Tage davon in Regensburg. „Mit Kind zu reisen, ist hier definitiv einfacher als in Italien“, sagt Ucci.
Ausgestattet mit einem Reiseführer und einer aufgefalteten Stadtkarte aus der Tourist Information am Rathausplatz, steuern sie von dort in Richtung Haidplatz. „In unserem Reiseführer werden klassische Sehenswürdigkeiten wie der Dom, empfohlen“, sagt die 28-Jährige, „was mir bisher aber am besten gefallen hat, ist die Altstadt im Allgemeinen: Die Lage an der Donau und die historische Architektur“. Im Vergleich zu Städten wie München, wo die Urlauber zuvor Halt gemacht haben, seien auch die Preise hier noch sehr erträglich, sagt Ucci.
Lob für die Infrastruktur
Der Dom St. Peter gehört auch für Bernd-Uwe Brüning aus dem norddeutschen Herford zu den Sehenswürdigkeiten, die er auf jeden Fall besuchen möchte. Bevor er gleich mit Frau und Sohn vom aufgeheizten Domplatz in das kühle Innere der Kathedrale treten wird, nimmt er sich kurz Zeit für ein erstes Fazit zu seinem Regensburg-Besuch.
„Unser Sohn wohnt hier – sonst hätte es uns wahrscheinlich nicht hierher verschlagen“, erklärt er. Sehr positiv wahrgenommen habe er, dass die Stadt nicht nur schön und alt, sondern auch sehr international sei. „Im Vergleich zu Herford finde ich außerdem die Infrastruktur super. Dass der Busverkehr eine separate Spur hat und Elektro-Busse fahren, ist fortschrittlich.“Weniger gelungen empfinde der Urlauber dagegen die sonstige Verkehrssituation in der Altstadt. „Was etwas stört, ist der Lieferverkehr. Dass es hier keine autofreie Fußgängerzone gibt, ist mir direkt negativ aufgefallen“, sagt er.
Info: Erfreuliche Besucherzahlen
Zahlen: Die bisherigen Besucherzahlen für das Jahr 2024 können sich sehen lassen, sagt Sabine Teisinger, Leitung der Tourist Information der Regensburg Tourismus GmbH. Gerade im ersten Quartal des Jahres, eigentlich einer eher schwächere Reisezeit, seien mehr Touristen als gewöhnlich nach Regensburg gekommen. Das hätte kleinere Einbrüche, etwa während des Hochwassers im Juni, wieder wettgemacht.
Übernachtungen: Zwei Übernachtungen in Regensburg – ist das ausreichend? Wer neben den Klassikern etwa noch Besuche im Document Kepler, dem Dackelmuseum oder oder in der Walhalla of Whisky unterbringen möchte, sollte etwas mehr Zeit einplanen, so Teisinger. „Das Angebot ist wirklich groß – und die Aufenthaltsdauer an einem Ort zu verlängern, macht auch in Sachen Nachhaltigkeit Sinn“, sagt si


