Chamer Kanuten bieten Schnupperkurs für Einsteiger an – Doch wie schwer ist das eigentlich?

Wie schwer ist eigentlich Kanufahren? Kann man binnen kürzester Zeit mühelos über das Wasser gleiten, oder endet das Abenteuer mit einer unfreiwilligen Landung im kalten Nass? Ein Selbstversuch auf dem Regen in Cham bringt die Antwort – und brennende Schultern.
Für alle Interessierten bietet der KC Cham im Vereinsheim in der Badstraße ein Schnupperpaddeln an. Kanu ist dabei der Gattungsbegriff für Boote ohne Motor, in denen man in Fahrtrichtung paddelt – anders als beim Rudern, wo man rückwärts fährt. Bei den Kanus selbst gibt es wiederum unterschiedliche Bootstypen. So etwa die nach oben offenen Kanadier und die Kajaks. Die sind je nach Einsatz unterschiedlich gebaut und sowohl im Wildwasser als auch beim Flusswandern über längere Distanzen im Einsatz.
Selbst wenn man eine Strecke kennt und mehrfach paddelt, ist es jedes Mal wieder anders. Das Wassererlebnis ist jedes Mal wieder neu und die Natur schaut jedes Mal wieder anders aus.
Doris Wutz, Vorsitzende des KC Cham
Etwa 50 Mitglieder sind beim KC organisiert. Die Vorsitzende ist Doris Wutz. Gut 1000 Kilometer ist sie im Jahr auf dem Wasser unterwegs. Was fasziniert sie so an dem Sport, dass sie ihm so viel Zeit widmet? „Es ist die Begegnung mit der Natur. Selbst wenn man eine Strecke kennt und mehrfach paddelt, ist es jedes Mal wieder anders. Das Wassererlebnis ist jedes Mal wieder neu und die Natur schaut jedes Mal wieder anders aus“, beschreibt sie. Zudem bekomme „man Tiere zu sehen, die man sonst eigentlich vom Land aus nicht sieht. Zum Beispiel ein Reh, das über die Donau schwimmt, das sind dann doch besondere Erlebnisse.“ Wer auf der Suche nach schönen Strecken ist, muss nicht lange suchen: „Vom Regen her eine der schönsten Strecken haben wir direkt vor der Haustür: die Strecke zwischen Blaibach und Chamerau“, sagt Wutz.
Schwerer als erwartet
Heute gibt sie mir einen Einblick in den Sport. Zunächst steht die Wahl des Boots an: Ein Kajak soll es werden. Dazu bekomme ich eine Schwimmweste und hoffe inständig, sie nicht zu brauchen. Bevor es aufs Wasser geht, erklärt Wutz mir die Grundlagen auf der Wiese nebenan. Das mit dem Ein- und Aussteigen zum Beispiel. Klingt trivial, stellt sich im ersten Moment aber kniffliger dar als erwartet. Die zweite Erkenntnis: Das Ruder wird vor jedem Zug leicht gedreht. Die Bewegung gibt in meinem Fall die rechte Hand vor.
Dann geht es aufs Wasser. Gemeinsam tragen wir die beiden Kajaks zur Einstiegsstelle. „Mit dem Boot geradeaus fahren, das ist am Anfang das Schwierigste“, erklärt Wutz und fügt an: „Es ist eigentlich ganz leicht, man muss wirklich nur gleichmäßig paddeln. Aber es hat jeder eine starke und eine schwache Seite.“
Am Regen angekommen wird es kompliziert. Der Reporter muss ins Kajak. Am besten ohne zu kentern. Weil ich die richtige Technik zwar grundsätzlich erklärt bekommen habe, aber beim ersten leichten Wackler der Hartplastikschale in Panik gerate, müssen Doris und ihr Bruder Thomas Wutz das Boot mit vereinten Kräften festhalten.

Die Strömung ist gering, dem niedrigen Wasserpegel sei Dank. Gemeinsam fahren wir flussaufwärts. Oder in meinem Fall: Wir versuchen es. Als hätte es einen Beweis für die Ankündigung im Vorfeld gebraucht, dreht sich mein Kajak munter mal in die eine, dann in die andere Richtung. Immer wieder muss ich mit dem Paddel bremsen, um mich wieder halbwegs gerade auszurichten. Immer wieder muss ich von Neuem beschleunigen, die Schultern beginnen zu brennen. Meine Lehrerin dagegen bewegt sich spielend durch die leichten Wellen. „Das fordert ein wenig Geduld. Da kann man gar nicht so viel helfen, das muss jeder für sich selber rauskriegen“, erklärt sie mir später.
Neue Perspektiven
Als Erstes führt uns die Tour unter der B22 hindurch, die von hier aus wie ein tiefgrauer Koloss über der Landschaft liegt. Für die Schwierigkeiten beim Paddeln werde ich mit einem besonderen Ausblick entschädigt. Blühende Pflanzen am Flussufer, Schwalben, die in halsbrecherischem Tempo nur wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche entlangjagen, und das Geräusch unserer Paddel im Wasser. Später bahnen wir uns vorsichtig den Weg unter der Angelschnur eines Fischers hindurch – eine kleine Herausforderung. Den Wendepunkt markiert ein kleines Wehr, wenige hundert Meter weiter.
Wutz steuert ihr Kajak geschickt durch die Wellen am unteren Ende hin und her. Für mich ist das noch keine Option. Vorsichtig taste ich mich an den letzten Ausläufer heran. Von unten prasselt das Wasser an die Fassade, das Boot wackelt bedenklich – zumindest kommt es mir so vor. Es ist Zeit zum Umkehren. Mit der Strömung paddelt es sich dann doch leichter. Für einen kurzen Moment kann ich auch mal etwas Tempo aufnehmen. Dann dreht sich das Boot wieder. Beim Ausstieg bin ich erneut auf tatkräftige Hilfe angewiesen. Danach habe ich wieder festen Boden unter den Füßen. Mit brennenden Schultern, aber dafür um eine Erfahrung reicher.
Wer von sich aus im Sommer mit dem Boot oder einem SUP auf das Wasser will, dem rät die KC-Vorsitzende in erster Linie, auf das Wetter zu achten. Gerade Hochwasser sei sehr gefährlich. „Ansonsten sollte man wissen, wie man sich in der Natur verhält“, führt sie weiter aus. Dazu zähle es, keine Tiere zu stören, Abstand zu halten und auf Angler Rücksicht zu nehmen. „Also eigentlich Sachen, die man normal für selbstverständlich hält.“ Wer sich daran hält, dürfte auch in diesem Sommer auf dem Regen oder der Donau wieder einige besondere Ausblicke erleben dürfen.