Beim dritten Strongman Cup in Cham gehen Kraftsportler aus ganz Deutschland an ihre Grenzen

Betonkugeln wuchten, Autos anheben, Langhanteln stemmen: Beim Strongman lässt sich Kraftsport auf eine zusätzliche Ebene erfahren. In Cham trafen dafür am Samstag 27 Sportler aus ganz Deutschland und sogar Österreich aufeinander. Einer Regensburgerin gelang dabei ein besonderes Kunststück.
Ein sonniger Samstagnachmittag in der Zitzmann-Lagerhalle im Chamer Westen. Gut 30 Schritte. Anfeuerungsrufe von knapp 100 Zuschauern. Ein kurzer Blick nach links zu den Schiedsrichtern. Der Name wird aufgerufen. Wenig später hebt sich die Hinterachse eines grauen VW in die Luft. Durch reine Kraft.
Mit einem metallenen Krachen kommt die Halterung wieder auf den Boden. Applaus vom Publikum. Nochmal. Und nochmal. Das Gesicht rot vor Anstrengung. „Zieh! Zieh!“ schallt es aus den Lautsprechern. Dann ist die Zeit abgelaufen.

Es ist die dritte Auflage des Oberpfälzer Strongman Cup Deutschland in Cham. Beim Strongman – übersetzt so viel wie Kraftmann – stellen die Teilnehmer in unterschiedlichen Disziplinen ihre Kraft und Koordination unter Beweis. Welche Disziplinen genau, das hängt vom jeweiligen Wettkampf ab. Sandra Bradley betreibt den Sport seit zwölf Jahren. Viermal gewann sie den Titel als stärkste Frau Deutschlands. Sie ist als Schiedsrichterin im Einsatz. „Über den ganzen Tag verteilt müssen sich die Athleten und Athletinnen in vier Disziplinen messen. Bei jeder Disziplin kommen sie auf eine Rangliste, je nach gehobenem Gewicht oder absolvierter Zeit, und sammeln so Punkte. Am Ende des Tages werden alle Punkte zusammengezählt“, erklärt Bradley die Regeln.
Besondere Disziplinen
Die Disziplinen sind im Vergleich mit anderen Kraftsportarten außergewöhnlich. Autos anheben, Betonkugeln auf einen Lastwagen wuchten, eine 110 Kilogramm schwere Langhantel so oft wie möglich in die Luft stemmen: Für die meisten unvorstellbar, zumindest einige Sportler lassen das in der Chamer Frühsommersonne allerdings ganz leicht aussehen.

Heinz Ollesch weiß, wie sich das anfühlt. Zwölfmal war er der stärkste Mann Deutschlands. Heute ist er als Präsident der German Federation of Strength Athletes als Organisator dabei. „Es ist auf jeden Fall vielseitig. Hier ist viel Bewegung drin. Viel Dynamik. Ich glaub das kommt bei den Zuschauern gut an und bei den Athleten sowieso“, beschreibt er seine Faszination für den Sport. „Betonsteine heben, Lkw ziehen, das ist einfach so was Besonderes, das kannst du mit nichts anderem im Fitnessstudio vergleichen. Das gibt einem so einen krassen Selbstbewusstseinsschub, wenn man sich vorher denkt: Boah, ich weiß nicht, ob ich das schaff“, sagt Bradley.
Insgesamt 27 gehen an den Start. 22 Männer und – erstmals – fünf Frauen. Vor ihrer ersten Herausforderung ruft sie Moderatorin Martina Ollesch mit Namen und Heimatort auf. Berlin, Mönchengladbach, Biberach: Einige nehmen für den Wettkampf eine sehr lange Anreise in Kauf. Einer von ihnen ist Alexander Weinzierl. Er kommt aus der Nähe von St. Pölten in Niederösterreich. „Es ist schön, in einem anderen Land anzutreten“, erklärt er. Es ist bereits sein vierter Wettkampf in Deutschland und der erste in Cham.

Christoph Haslbeck aus Wörth ist dagegen schon fast aus der Nachbarschaft. „Es ist einfach geil, wenn du mit der Kraft spielen kannst“, sagt er und führt aus: „Im Wettkampf selber fühlst du nichts. Du fühlst wenig Schmerz, weil das Adrenalin da ist. Du packst halt an und dann hoch damit. Da gibt’s nichts zum Fühlen, das kommt dann danach.“
Die vier Disziplinen finden nacheinander statt. Im Lager wurde dafür extra ein etwa fünfzig mal zehn Meter großer Korridor mit Bauzäunen abgegrenzt. „Es ist immer wieder spannend, wenn man hierherkommt. Wir haben bis um 12 Uhr noch regulären Lagerbetrieb gehabt. Hier waren Staplerfahrer und Kunden auf der Fläche“, sagt Philipp Zitzmann, Geschäftsführer der Zitzmann Baustoffe-Betonwerk GmbH, zu dem Aufbau. Nach jeder Disziplin wird binnen kurzer Zeit umgebaut beziehungsweise umgeparkt.
Jede Wiederholung feiern
Was auffällt: Der Umgang der Athleten ist trotz der Konkurrenzsituation sehr fair. Ständig sind nicht nur die Zuschauer zu hören, auch die Teilnehmer feuern sich lautstark an. Besonders dann, wenn die Muskeln anfangen zu zittern und die nächste Wiederholung sichtlich zum Kampf wird. Über das Mikrofon werden sie von Martina Ollesch motiviert. „Komm Alexander, aufstehen!“ „Das packst du!“ Jede Wiederholung wird gefeiert. „Man lernt sich über die Wettkämpfe immer mehr kennen“, sagt Haslbeck. Die Atmosphäre unter den Teilnehmern sei daher „fast familiär“.

Vergleichsweise neu mit dabei ist die Regensburgerin Ramona Koschinski. „Nicht ganz eineinhalb Jahre“, ist sie mit dabei. Davor war Koschinski im Schwimmen und im Reitsport aktiv. „Also eigentlich ganz branchenfremd.“ An ihrer neuen Sportart hat sie Gefallen gefunden: „Ich find‘s schön, die anderen anzufeuern, sich gegenseitig zu challengen. Das macht wahnsinnig Spaß.“ An diesem Nachmittag in Cham zieht Koschinski allen davon, landet bei allen vier Einzeldisziplinen ganz vorne und sichert sich so Platz eins in der Gesamtwertung. Der geht bei den Männern an Peter Olbrich, Thomas Heß sichert sich seinerseits den Spitzenplatz in der Klasse bis 105 Kilogramm. Es folgt die Siegerehrung, bei der jeder Starter einzeln ausgerufen wird und am Ende eines anstrengenden Nachmittags seine verdiente Urkunde erhält.