Chamer Polizei grübelt nach Unfall-Serie zu Beginn der Motorradsaison

Im Landkreis Cham sind heuer besonders viele Motorräder unterwegs – deutschlandweit sind eine rekordverdächtige Zahl der Maschinen angemeldet. Das sorgt nicht nur für eine große Nachfrage bei den örtlichen Motorradhändlern, sondern auch für immer mehr tödliche Unfälle, die für Schlagzeilen sorgen.
Laut Landratsamt waren im Landkreis Cham zu Beginn des Jahres 15 197 Motorräder angemeldet. Alleine im Monat April erfasste das Landratsamt laut Pressesprecher Michael Gruber 46 Neuzulassungen.
Nicht ohne Grund belegte der Landkreis Cham den zweiten Platz mit Blick auf die zugelassenen Motorrädern in deutschen Landkreisen, wie eine Auswertung von Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes ergeben hatte.
Franziska Dirnberger, Geschäftsführerin beim gleichnamigen Motorradhändler in Cham, bekommt die Motorrad-Euphorie tagtäglich zu spüren. „Der Andrang ist heuer mal wieder enorm“, berichtet die 33-Jährige. Egal ob Motorräder oder die passende Ausrüstung, alles sei gefragt. Der Grund: „Wir haben halt die schönsten Motorradstrecken direkt vor unserer Haustüre“, meint Dirnberger.
Beliebteste Fahrzeugklasse
Eine Fahrzeugklasse unter den Motorrädern ist laut der Geschäftsführerin besonders beliebt: Die Sport- und Reisemotorräder. Diese bieten nach ihren Worten sowohl Platz für zwei Personen, als auch einen besseren Komfort für lange Reisen. „Damit sind dann auch größere Touren ohne Probleme möglich und die bieten sich natürlich ideal für unseren Landkreis an.“
Auch junge Leute greifen laut Dirnberger immer öfter auf das Motorrad zurück. Bei der Jugend sei vor allem die Mobilität im Alltag der entscheidende Punkt. „Mal schnell zur Schule oder zum Supermarkt, im ländlichen Raum wird das schnell zum Problem“, sagt sie und ergänzt: „Außerdem ist das Motorradfahren auch einfach eine coole Sache.“

Fahrspaß hin oder her, für Dirnberger steht fest, „dass die Sicherheit immer absolute Priorität haben muss“. Deshalb biete der Motorradhändler auch immer mehr Schutzausrüstung an. In den vergangenen Wochen habe sich vor allem die Motorrad-Airbag-Weste vermehrt verkauft. Für die 33-Jährige ein gutes Zeichen: „Den meisten Fahrern ist die Gefahr bewusst.“
Uns fällt auf, dass die Motorradfahrer immer seltener die Unfallverursacher sind, sondern einfach nur Pech haben
Andrea Maro, Mechanikerin
Spätestens in der Werkstatt des Motorradhändlers wird klar, wie schnell die Gefahr zur Realität werden kann. „Bei uns kommen jede Menge Unfallfahrzeuge rein“, erzählt Andrea Maro. Die Mechanikerin hat nach eigenen Worten immer mehr Auffahrunfälle abzuarbeiten. „Uns fällt auf, dass die Motorradfahrer immer seltener die Unfallverursacher sind, sondern einfach nur Pech haben“, sagt Maro.
Diesen Verdacht kann auch Christian Hiergeist, Verkehrssachbearbeiter der Chamer Polizei, bestätigen. „Wir hatten jetzt zwei Unfälle in kurzer Zeit, wo der Motorradfahrer mutmaßlich nicht Schuld war“, sagt Hiergeist.
Polizei ist besorgt
Oftmals werden die Motorräder im Verkehr leicht übersehen, erklärt der Sachbearbeiter.
Außerdem beobachte die Polizei eine ungewöhnliche Häufung von Motorradunfällen im Landkreis. „Auch der Beginn der Motorradsaison kann die vielen Unfälle in letzter Zeit nicht erklären. Uns als Polizei macht das natürlich Sorgen“, sagt Hiergeist.
Der Polizei bleibe nichts anderes übrig, als an alle Verkehrsteilnehmer zu appellieren und auf die Vernunft jedes einzelnen zu hoffen. „Wenn alle etwas vorausschauender und defensiver fahren würden, dann wäre so manch ein Unfall vielleicht nie passiert“, meint Hiergeist.