Viele Studenten aus dem Ausland leben in Cham: Was sind ihre Probleme?

Wer im Zug nach Cham sitzt, wird oft ein wenig stutzig: Überraschend viele Hindi vernimmt man in den Abteilen des Alex nach Prag. Beobachtet man die jungen Menschen beim Aussteigen am Chamer Bahnhof, sieht man ihr Ziel: Es ist der Schulberg wo momentan Räume des Technologie Campus untergebracht sind. Dieser gehört zur Technischen Hochschule Deggendorf und ist ein Magnet für viele internationale Studenten.
Sie gehören zum Bild der Stadt wie die Flutbrücke und das Biertor. Doch viel Kontakt zu ihnen gibt es selten. Wir haben mit einem Studenten gesprochen, der seit einigen Jahren in der Stadt studiert und sich am Vereinsleben beteiligt.
Ortstermin beim wöchentlichen Treffen des Schachclubs Cham im Hotel am Regenbogen. Shivam Shivam ist 26 Jahre alt und kam im April 2022 in die Stadt am Regen. Dort studierte er einen der vier internationalen Masterstudiengänge am Technologie Campus: Mechatronische und Cyber-physische Systeme. Mittlerweile ist Shivam wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule – und spielt seit Anfang an beim Schachclub Cham mit.
Mehr als 1000 Bewerbungen für 100 Plätze
Er ist einer von 850 Studenten, die beim Technologie-Campus der Technischen Hochschule Deggendorf studieren. Insgesamt sind Menschen aus 40 Nationen vertreten, sagt Regina Dankerl von der Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule. Die internationalen Studenten kommen hauptsächlich aus Indien, allerdings sind Iran, Pakistan und Ägypten auch stark vertreten, so Dankerl. Und eine weitere Region hat momentan viele Vertreter: Anfragen auf Studienplätze aus Südamerika nehmen aktuell stark zu, so die Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit weiter. Die Studiengänge sind dabei enorm beliebt. Über 1000 Bewerbungen kommen pro Studiengang auf 50 bis 100 Studienplätze, so Dankerl.
Die Studenten im Ausland integrieren sich nicht nur in Vereinen – auch in Aushilfsjobs sind sie in Cham unterwegs. „Die Gastronomie in Cham lebt sehr stark von unseren Studenten“, sagt Dankerl weiter. „Ich habe eine super Rückmeldung von den Betreibern zu unseren Studenten bekommen.“
Von Delhi nach Cham
Shivam kommt ursprünglich aus Delhi und wohnt seitdem im Landkreis. „Mein Plan ist es, noch zwei bis drei Jahre zu bleiben und Erfahrungen zu sammeln“, sagt er. Im Gespräch unterhält man sich auf Englisch, mit den anderen Mitgliedern des Schachvereins spricht er Deutsch. Shivam fing 2022 mit dem Schachspielen an. Durch ein Heimatfestturnier wurde er auf den Schachclub Cham aufmerksam. Mittlerweile vertritt er den Verein auf Turnieren am vierten Brett – ist also quasi der viertstärkste Spieler im Verein. „Ich bin ein ziemlich analytischer Mensch. An Schach interessiert mich am meisten, dass es kein Spiel ist, das auf Glück basiert“, so Shivam. Schach verbindet sich für ihn auch mit seiner Karriere am Technologie Campus: „Schach steht an der vordersten Front bei der Entwicklung von Algorithmen.“
Schach-KIs wie Stockfisch und Deepmind sind seit Jahren in den Schlagzeilen, weil sie auf einem sehr hohen Niveau Schach spielen können. Shivam stört das nicht: „Manche würden sagen: Alle möglichen Spielsituationen sind bereits vom Computer gelöst, wozu sich noch damit beschäftigen? Aber das ist die Schönheit des Spiels, dass wir nicht alle Computer sind.“ Für Shivam ist Schach mittlerweile zu seinem Hobby geworden, erzählt er – eine Gewohnheit, die er nach der Arbeit praktiziert.
Damit ist er nicht allein, weiß Pouria Esmaeilipour. Der 27-jährige Iraner ist Mitarbeiter im International Campus und kümmert sich um die Belange der internationalen Studierenden in Cham. „Viele Studierende spielen Cricket oder Volleyball in Cham“, erzählt er. Esmaeilipour selbst wohnt in Regensburg und ist Teil des Radvereins Veloclub Ratisbona.
Hilfsangebote für Studenten
Für die Studenten aus dem Ausland wird eine Hilfestellung angeboten. „Zweimal im Jahr gibt es ein ausführliches Orientierungsprogramm am Campus über alles, was Studenten über Studium und das Leben im Ausland wissen müssen“, so Esmaeilipour. „Wohnraum ist generell ein großes Problem für Studenten in Cham“, sagt er. Es gibt nur eine offizielle Studentenwohneinheit, die Kapazität für acht Bewohner hat. So sind Studenten oft gezwungen, nach Regensburg zu ziehen. „Das ist eine ganz große Herausforderung für viele Studenten“, so Esmaeilipour. Diese Studierenden verlassen sich dann natürlich auf die Bahn – die bekannterweise unzuverlässig ist.
„Manchmal müssen Vorlesungen online stattfinden, weil viele Studenten wegen Bahnausfällen nicht zur Vorlesung kommen können“, sagt der Mitarbeiter des Campus. Die geplante Sperrung der Bahnstrecke Regensburg-Schwandorf bereitet auch hier Sorgen: „Das wird eine Herausforderung“, sagt Dankerl. Vielleicht gibt es dann vorerst im Zug nach Cham keine Gespräche auf Hindi mehr.